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"Vom Revolutionär zum Desillusionär": So kommentiert die Presse den Tod von Fidel Castro

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FIDEL CASTRO
Fidel Castro 2006 in Argentinien | dpa
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  • Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat die ganze Welt polarisiert
  • Die Reaktionen auf seinen Tod fielen in der Presse entsprechend widersprüchlich aus

Am Freitagabend ist Fidel Castro im Alter von 90 Jahren gestorben. Mehr als 47 Jahre lang regierte der frühere Staats- und Parteichef das sozialistische Kuba und trotzte dem großen Nachbarn, den USA.

Für die einen war Castro ein Visionär und Idealist, für die anderen ein grausamer Diktator. Das spiegelt sich auch in den Medien-Reaktionen zu seinem Tod.

Er werde "nackt, arm und ohne Trost" sterben

Die "Süddeutsche Zeitung" nannte ihn den "real existierenden Mythos". "Andere verloren Wahlen oder wurden gestürzt, starben oder wurden ermordet. Der Comandante blieb", hieß es in dem Nachruf.

Castro habe ein schlichtes Leben geführt – auch wenn manche Berichte das Gegenteil behaupteten. Diszipliniert, stur und einsam sei der legendäre Revolutionsführer gewesen.

Am Ende habe er gewusst, dass er "nackt, arm und ohne den Trost öffentlicher Dankbarkeit" sterben werde, zitierte die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Roman, für dessen Hauptfigur Castro als Inspiration stand. Aber: "Das Urteil der Geschichte steht noch aus."

Ein eindeutiges Urteil über den Mann aus Kuba wollte die "SZ" nicht ziehen. Zwar habe Castro seine Insel für lateinamerikanische Verhältnisse zu einem "ungewöhnlichen Hort von Bildung, Forschung, Gesundheit und gesellschaftlichen Freiheiten wie Scheidung, Abtreibung, Frauenrechten" entwickelt. Andererseits ließ er seine Gegner gnadenlos verfolgen und habe das Eiland zum Überwachungsstaat ausgebaut.

Castro habe Kuba gespalten

Wird Castros Erbe in der Zukunft vielleicht seinen Ruf retten? "Verurteilt mich, das hat nichts zu bedeuten. Die Geschichte wird mich freisprechen", hatte der Revolutionsführer 1953 in einer legendären Rede gesagt, als er für einen missglückten ersten Aufstand ins Gefängnis ging.

Die "Neue Zürcher Zeitung" fällte ein negatives Fazit über seine Regentschaft: "Als Lebenswerk hinterlässt er ein verarmtes Land und eine gespaltene Nation."

Zwar habe er für Gerechtigkeit gekämpft und sei ein Idealist gewesen. Aber der Egomane Castro habe über einen untrüglichen Instinkt für politische Macht verfügt. Die Revolution habe seiner Willkürherrschaft Tür und Tor geöffnet.

"Hunderte von Kubanern wurden, vor allem in den ersten Jahren nach der Revolution, umgebracht oder bei fragwürdigen Gerichtsprozessen zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Verfolgung von Dissidenten wurde zur Manie Castros, von der er auch im hohen Alter nicht abließ", hieß es in dem Beitrag der "NZZ".

Castros Erbe sei ein gespaltenes Kuba: "in Inselbewohner und Exilgemeinde".

Sein "ärgster Gegner" schreibt einen Nachruf

Der kubanische Schriftsteller Carlos Alberto Montaner, der selbst im Exil lebt, schrieb in der "Welt" einen Nachruf auf den ewigen Revolutionär. Er sei Castros "ärgster Gegner", sagt Montaner selbst. Entsprechend fällt sein Urteil aus.

Er zeichnete in seinem Beitrag das Porträt eines egoistischen Diktators, der Kuba seine Vorstellung des Kommunismus aufgezwungen habe. Die Folge: "Die mangelnde Lebensmittelversorgung, Inflation und der Zusammenbruch der gesamten Produktion stürzten das Land in eine schwere Wirtschaftskrise."

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Letztlich, meinte Montaner, sei der kubanische Revolutionär zum Desillusionär geworden: "Er wusste irgendwann, dass das Abenteuer, eine kommunistische Diktatur mitten in Amerika zu schaffen, zu exzentrisch war, um sich durchzusetzen."

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Die einen jubeln, die anderen trauern

Die Exilkubaner werden den Tod Castros feiern, hieß es in der britische Tageszeitung "The Guardian": "Vergangene falsche Nachrichten von Castros Tod lösten Züge von jubelnden und Flaggen schwenkenden Feiernden aus."

Die linken Anführer Lateinamerikas dagegen werden um eine Figur trauen, "die weniger als Kommunist wahrgenommen wurde, sondern als nationales Symbol eines regionales Stolzes und als Trotz gegen die US-amerikanische Übermacht."

Die "New York Times" berichtete in ihrem Nachruf, Castro habe sich laut eigenen Aussagen wie die berühmte Romanfigur Don Quijote gefühlt: "Er kämpfte gegen echte und herbei phantasierte Bedrohungen. Er bereitete sich etwa jahrzehntelang auf eine Invasion vor, die niemals kam."

Seine Wirkung auf Lateinamerika und die westliche Welt trage "Merkmale von bleibender Unendlichkeit". "Der Macht seiner Persönlichkeit kann man sich in Kuba und in ganz Lateinamerika nicht entziehen, im Guten wie im Schlechten", lautete das Fazit der "New York Times".

"Er wird in die Geschichte eingehen"

Im Interview mit dem Deutschlandfunk war sich Castros Biograf Volker Skierka jedoch sicher, dass man dem "Übervater der kubanischen Gesellschaft" viel nachsehen wird.

"Er wird sicher als große Figur in die Geschichte eingehen", sagte Skierka. Trotz der Unterdrückung jeder Opposition in Kuba und der Verstöße gegen die Menschenrechte werde das Urteil der Geschichte laut Skierka milde ausfallen.

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(sk)