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Aus Protest gegen Kommerz: Brite will Gegenstände im Wert von fast 6 Millionen Euro verbrennen

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VIVIENNE WESTWOOD SON
Joe Corré verbrannte am 21. November nahe des Buckingham Palace eine T-Shirt der Sex-Pistols | Ki Price via Getty Images
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  • Der Brite Joe Corré will am Samstag seine Sammlung von Punk-Erinnerungsgegenständen im Wert von fast 6 Millionen Euro verbrennen
  • Er will damit ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung der Punk-Bewegung setzen
  • Ein Kritiker nannte die Aktion "einfach nur dumm"

Am Samstag will der Brite Joe Corré in London ein flammendes Signal setzen: Er hat angekündigt, seine Sammlung von Erinnerungsstücken an die britische Punk-Bewegung zu verbrennen. Die Gegenstände sollen einen Gegenwert von fünf Millionen Pfund haben – umgerechnet knapp 5,9 Millionen Euro.

Corré ist ein legitimer Erbe der Punk-Bewegung. Er ist der Sohn des Sex Pistols-Managers Malcom McLaren und der Punk-Designerin Vivienne Westwood.

Warum ausgerechnet an diesem Samstag?

Vor vierzig Jahren erschien am 26. November 1976 die erste Single "Anarchy in the UK" der britischen Punkband Sex Pistols. Die Single verkaufte sich damals rasend schnell und machte die Punk-Musik auf einen Schlag bekannt.

Die Stadt London hat 2016 deshalb zum "Jahr des Punk" ausgerufen. Veranstaltungen, Vorträge und Ausstellungen sollen die legendäre Bewegung der Irokesen- und Nietengürtelträger feiern.

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Sogar Queen Elisabeth II. gab der Event-Reihe ihren offiziellen Segen – und genau das Corré hat zu der Verbrennung angestachelt.

"Punk ist zu einem Museumsstück verkommen"

"Dass die Queen 2016, dem Jahr des Punk, ihren offiziellen Segen gegeben hat, ist das Erschreckendste, was ich jemals gehört habe", sagte Corré in einer Ankündigung, aus der die britische Tageszeitung "Telegraph" zitiert.

Statt eine Bewegung für Veränderung zu sein, sei Punk zu einem Museumsstück oder zu einem Huldigungsakt verkommen, heißt es weiter in Corrés Mitteilung.

Sein Feuer versteht der Brite als Zeichen zur richtigen Zeit, dass Punk tot sei. Musikfans dürfte das überraschen. Der berüchtigte Spruch "Punk is dead" war schon 1976 in aller Munde, als die Sex Pistols im musikalischen Mainstream ankamen und sich in den Augen ihrer Fans für den kommerziellen Erfolg verkauften.

Finanziell dürfte die Protestaktion den Londoner Geschäftsmann nicht treffen. Er ist der Gründer des britischen Wäsche-Unternehmens Agent Provocateur, das auf einem Wert von über 70 Millionen Euro geschätzt wird.

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"Einfach nur dumm"

Ob die Verbrennung der Erinnerungsstücke wirklich das richtige Zeichen ist, um auf den Ausverkauf von Punk aufmerksam zu machen, bezweifeln Kritiker Corrés.

Natürlich gehöre Punk ins Museum, sagte etwa der Musikjournalist Jon Savage in der ZDF-Sendung "Aspekte" am Freitag, immerhin sei das alles über 40 Jahre her. "Für mich ist Corrés Aktion einfach nur dumm. Wer sonst verbrennt Kulturgüter? Die Nazis, der Ku-Klux-Klan und der IS", sagte er weiter.

Die nötige mediale Aufmerksamkeit dürfte Corré für seine Aktion zumindest sicher sein. Damit man ihm selbst keine kommerziellen Absichten unterstellen könne, hat er angekündigt, das Feuer in eine Dokumentation einzubauen. Die Erlöse des Films sollen mehrheitlich an eine wohltätige Organisation gehen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

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