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Ulrich Wickert attackiert die Medien: "Das ist das große Problem des Journalismus"

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ULRICH WICKERT
Ulrich Wickert in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" 2015 | ullstein bild via Getty Images
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  • In einem Interview hat der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert erklärt, warum die Medien im US-Wahlkampf versagt haben
  • Journalisten hätten nicht auf das Land geschaut, sondern sich auf die Berichte anderer Medien verlassen

Das Phänomen Donald Trump hat die Medien überrumpelt. Alle hatten sie ihn unterschätzt, meint der frühere "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert.

In einem Interview mit dem Medien-Portal "Meedia" sprach er über die Gründe, warum die Medien so falsch lagen bei der US-Wahl.

"Trump konnte man nicht richtig ernst nehmen"

"Man hat unterschätzt, dass er (Trump, Anm.) im Fernsehen groß wurde und deshalb genau wusste, wie dieses Medium funktioniert", sagte Wickert. Weil Trumps Aussagen stets für gute Quoten gesorgt haben, hätten die Medien auch ständig über ihn berichtet.

Das hat Trump natürlich geholfen. Es verging kaum ein Tag im Wahlkampf, an dem nicht ein neuer skandalöser Spruch des New Yorker Unternehmers zur Schlagzeile wurde.

Für Wickert war es auch die Art der Aussagen, die eine Berichterstattung über Trump schwierig gemacht hat. "Er spricht, wie am Stammtisch gesprochen wird", sagte er.

Das habe den Menschen auf der Straße gefallen. Die Journalisten aber seien mit dieser Art nicht zu Recht gekommen. Sie hätten Trump beim Wort genommen "und dabei kamen oftmals so widersprüchliche Sachen raus, dass man ihn dann gar nicht so richtig ernst nehmen konnte."

Für Wickert sind daher die abstrusen Aussagen Trumps selbst schuld daran, dass die Berichterstattung schief und nicht mehr objektiv gewirkt habe: "Wenn man nur darüber berichtet, was er sagt, klingt das ja schon immer wie Berichterstattung gegen ihn."

Das haben die Journalisten falsch gemacht

Seine Kollegen in der Medienwelt nimmt Wickert im Gegensatz zu anderen in Schutz. Grundsätzlich hätten die Journalisten einen guten Job gemacht, meinte er. Dass das gesamte Presse-Establishment davon überzeugt war, dass Clinton gewählt werde, habe den Trend gegen Trump zusätzlich verstärkt.

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Wenn Wickert seinen Kollegen eine Sache ankreiden will, dann ist es die Beeinflussung der Medien durch andere Medien. Laut ihm haben die Journalisten es sich an der Ostküste bequem gemacht, statt sich das Land und die Menschen selbst anzusehen: "Aber das ist das Problem des Journalismus allgemein. Man schaut, was die anderen Medien machen und geht nicht selber gucken", sagte er.

Diesen Teil der USA haben die Medien vernachlässigt

Wickert kennt sich aus mit den USA. Bevor er als "Mr. Tagesthemen" in der ganzen Bundesrepublik bekannt war, arbeitete dort in den 70er und 80er Jahren als Korrespondent.

Seine Erfahrungen hätten ihm gezeigt, dass die Ostküste nicht mit dem gesamten Kontinent gleichzusetzen sei. Über eine Begegnung im Mittleren Westen der USA sagte er gegenüber "Meedia": "Wenn Sie einmal gesehen haben, wie die Leute dort denken, dann verstehen Sie, dass dort vieles anders ist. Das ist dort noch wirklich der Wilde Westen."

Diesen Teil der USA hätten die Medien vernachlässigt. Jetzt sei man schlauer, sagte Wickert im Interview.

"Die europäischen Wähler sind anders"

Was Trump für einen Präsidenten abgeben wird, ist sich Wickert nicht sicher. "Auch nach der Wahl geht diese Unberechenbarkeit ja weiter: Mal beschimpft er Journalisten, mal lobt er sie."

Die Befürchtung, dass eine rechtspopulistische Welle jetzt auch Europa überrollt, teilt er jedoch nicht. Bei den Vorwahlen der Konservativen in Frankreich habe sich gezeigt, dass die Trump-Wahl keine Rolle gespielt hat. "Die europäischen Wähler sind doch anders", sagte Wickert.

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(lp)