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Danke, dass du mir die Augen geöffnet hast - ein Liebesbrief an Mario Barth

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MARIO BARTH
ASSOCIATED PRESS
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Geliebter Mario,

schon als ich dich zum ersten Mal sah, war es um mich geschehen.

Ich schaltete den Fernseher ein - und da standest du.

Spätestens, als ich dich die ersten Worte sprechen hörte und dabei deine wohltönende Stimme mit deinem Großstadt-Dialekt vernahm, so lieblich wie ein Glockenspiel in einer Frühlingsbrise - "Janz wichtig: Fresse halten angesagt!" - da wusste ich: Mario, du bist etwas ganz Besonderes.

Ich weiß nicht, was es ist, das mich am meisten in deinen Bann zieht: dein messerscharfer Verstand, deine unbegründete Bescheidenheit oder dein feinsinniger Humor in Witzen wie diesen:

"Warum mein bester Freund und Chantal sich getrennt haben? Sie stand vor ihm und sagte: Ich geh zum Fitness. Bauch, Beine, Po. Daraufhin er: Wieso? Davon hast Du genug. Mach doch lieber Brüste."

Dank dir fühle ich mich wie neu geboren

Vor allem aber bin ich dir so unendlich dankbar. Dafür, dass du mir die Augen geöffnet hast. Ich weiß es noch, als sei es gestern gewesen. Vor drei Jahren hast du nach deinem Comedy-Programm, dessen pointierten Witz ich so sehr schätze, ein neues Format übernommen.

Als ich "Mario Barth deckt auf" sah, war es mir, als würde ich wieder geboren werden. Denn mit einem Mal betrachtete ich die Welt um mich herum mit völlig neuen Augen. Wie naiv und gutgläubig ich zuvor durch die Welt gegangen war.

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Erst durch dich, Mario, habe ich von ungeahntem Bösen in dieser Welt erfahren: Wie unsere Politik unsere Steuergelder verschwendet, um unnütze Dinge zu bauen - Autobahnen etwa oder Tunnel. Und wie es dir gelingt, uns das durch deine kunstvollen Metaphern einzuprägen: In einer deiner Sendungen hast du Spielgeld in ein Klo geworfen, welch Idee!

Es tut gut zu wissen, dass es noch Menschen wie dich gibt

Dass du für dein investigatives Kabarett den Deutschen Comedypreis und den Bayerischen Fernsehpreis erhalten hast, lässt mich endlich wieder an den guten Geschmack und den feinen Humor der Deutschen glauben.

"Wenn meine Freundin Schuhe kauft – ich wäre froh, wenn sie solche Geräusche mal beim Sex machen würde!"

Oder:

"Wenn du dann zusammen wohnst, merkst du erst mal, wie lange Frauen im Badezimmer sind. Ich habe mich lange gefragt, was machen sie drei Stunden im Bad? Sie machen sich bettfertig! Männer ziehen einfach nur die Schuhe aus."

Gleichzeitig hat mich dein Format aber auch erschreckt. Denn es zeigt, wie gierig und korrupt die Politik ist.

Da tut es gut zu wissen, dass es auch noch Menschen gibt, die nicht nur Geld im Sinn haben. Menschen, die das Gemeinwohl im Blick haben, anstatt sich ständig nur profilieren zu wollen. Menschen wie dich, Mario.

Welche Angst ich um dich hatte!

Erst kürzlich hast du das erneut bewiesen. Ach Mario, welche Angst ich um dich hatte, als du in den fernen USA vor dem gefährlichen Trump Tower standest - und wie du dort standest! So statthaft und männlich, wie es nur ein Mann deines Kalibers vermag.

Ohne einen Hauch der Angst konfrontiertest du deine Handy-Kamera mit deinen scharfen Beobachtungen, die unter Investigativ-Journalisten ihresgleichen suchen: "Ick seh hier keine Demonstranten!"

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Spätestens da war es vollends um mich geschehen. Wie traumhaft es sein muss, mit dir in ewiger Ehe zu leben. Ich stelle mir unseren Alltag vor. Wie du mir mit deiner liebevollen Art endlich das Einparken beibringst, sodass ich vor Bewunderung erstarre vor meinem Mario, dem Frauenversteher.

Wie wir beide dann in den gleichen sonnengelben T-Shirts, die du so liebst, mein Mario, über eine Blumenwiese radeln - und wie du mir dann in deiner unnachahmlichen Art erklärst, dass es auf dieser Blumenwiese nie Proteste gegen Trump gegeben hat.

Du zeigst uns, wie die Realität wirklich ist

Ach Mario, ich weiß, du kennst mich nicht. Doch ich hoffe, dass diese Zeilen dein Herz erreichen und dich darin bestärken, weiter zu machen. Denn du nutzt die große Zuschauerschaft, die dir zuteil wird, genau richtig.

Bitte höre nicht auf, uns die Augen zu öffnen und uns darüber aufzuklären, wie die Realität wirklich ist.

Denn genau das ist dein Job und genau darin liegt deine Stärke.

In tiefer, ehrfurchtsvoller Bewunderung,

Dein größter Fan


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(lk)