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Tausende stimmen bei Stern-TV ab: 93 Prozent wollen auf Schulhöfen eine Deutschpflicht

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SCHULHOF
In einer Stern-TV-Umfrage sprachen sich Tausende für eine Deutschpflicht auf Schulhöfen aus. | ASSOCIATED PRESS
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  • In einer Stern-TV-Umfrage sprachen sich Tausende für eine Deutschpflicht auf Schulhöfen aus
  • 93 Prozent von über 15.000 Zuschauern stimmten für eine Deutschpflicht in den Schulpausen
  • Eine Berliner Schule hat damit bereits gute Erfahrungen gesammelt
  • Der Türkische Bund Berlin kritisiert eine solche Vorschrift

Wenn in der Schule der Pausengong klingelt, können die Schüler sich einige Minuten vom Unterricht erholen und reden worüber sie wollen. In welcher Sprache sie das tun, ist den Schülern dabei meist selbst überlassen.

An den meisten Schulen in Deutschland kommen die Schüler aus verschiedenen Nationen. Demnach ist es kaum überraschend, dass auf den Schulhöfen auch verschiedene Sprachen zu hören sind.

Bei einer Umfrage von Stern-TV sprachen sich nun mehrere Tausend Zuschauer dafür aus, auf Schulhöfen eine Deutschpflicht einzuführen, sodass die Schüler nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen ausschließlich auf deutsch miteinander sprechen.

Umfrage zeigt: Hohe Zustimmung für Deutschpflicht auf Schulhöfen

Von über 15.000 Zuschauern waren 93 Prozent für eine solche Deutschpflicht auf den Pausenhöfen.

Auch unter Umfrageteilnehmern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, zeigte sich eine hohe Zustimmung für eine Deutschpflicht in den Schulpausen: 83 Prozent dieser Gruppe stimmten dafür.

Als Beispiel einer Schule, die bereits die deutsche Sprache für die Pausen vorschreibt, nannte Stern TV die Herbert-Hoover-Schule in Berlin. 92 Prozent der Schüler haben hier einen Migrationshintergrund

Mehr zum Thema: Eine Schule verdreifachte die Pausenzeit - diese erstaunliche Auswirkung hatte es auf die Kinder

"Ich spreche im Unterricht während der Schulzeit (auch in den Pausen und bei schulischen Veranstaltungen) ausschließlich Deutsch", heißt es in der Schulordnung der Schule, die sowohl von den Schülern als auch von den Eltern unterschrieben wird.

Geht eine Deutschpflicht zu weit?

Aber geht eine Schule womöglich zu weit, wenn sie mit einer solchen Vorschrift auch in die Pausen der Schüler eingreift?

Das kritisiert beispielsweise der Türkische Bund Berlin: "Die Pausen sind dazu da, dass die Kinder sich erholen. Dazu gehört auch, dass sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten können“, sagt Safter Cinar vom Türkischen Bund Berlin gegenüber Stern-TV.

Er ist überzeugt: "Das ist Diskriminierung und Respektlosigkeit gegenüber den Kindern. Dieses Muttersprachenverbot motiviert nicht gerade, sich der Gesellschaft gegenüber zu öffnen."

Jane Natz, die Schulleiterin der Herbert-Hoover-Schule, sieht in der Vorschrift allerdings einen erfolgreichen Weg, um den Ausschluss und die Diskriminierung von Kindern zu bekämpfen. Sie betont: "Wenn man die Sprache nicht spricht, und ausgegrenzt wird, wird man diskriminiert."

Die Vorschrift soll helfen, Konflikte zu verhindern

Die Vorschrift sollte außerdem dabei helfen, Konflikte und Missverständnisse zu verringern. Ein ehemaliger Schüler und Schulsprecher der Herbert-Hoover-Schule sagte Stern-TV: "Dadurch dass sie immer verschiedene Sprachen gesprochen haben, dachten sie untereinander oft: 'Die lästern über mich oder uns'." Mit der "Deutschpflicht" habe sich das geändert.

Deshalb habe sich nicht nur das Deutsch der Kinder verbessert, sondern laut Natz auch die Stimmung auf dem Schulhof.

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Der Türkische Bund Berlin sieht den Ursprung der Konflikte allerdings nicht darin, dass die Kinder verschiedene Sprachen sprechen. "Es gibt immer Konflikte", betont Cinar im Gespräch mit Stern-TV, und es sei die Aufgabe der Pädagogen diese Konflikte zu lösen, "aber nicht, indem man in die Grundrechte [...] der Kinder eingreift“.

Cinar hält es für falsch, dass die Festlegung auf die deutsche Sprache "von oben erzwungen wird und dadurch in das Freizeitverhalten eingegriffen wird".

Von vielen Schüler scheint die Deutschpflicht aber gar nicht als lästige Vorschrift betrachtet zu werden. Gegenüber Stern-TV äußerten sich mehrere Schüler sehr positiv über die Vorschrift.

"Wir fühlen uns nicht gezwungen, das ist normal für uns", sagte beispielsweise ein Schüler und eine andere Schülerin erklärte: "Wir sind aus so vielen Ländern und uns verbindet die deutsche Sprache".

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