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Schulz geht nach Berlin: Die 4 wichtigsten Fragen

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European Parliament President Martin Schulz attends a debate on the European Central Bank annual report for 2015, at the European Parliament in Strasbourg, eastern France, on November 21, 2016. / AFP / FREDERICK FLORIN (Photo credit should read FREDERICK FLORIN/AFP/Getty Images) | FREDERICK FLORIN via Getty Images
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Wirklich überraschend kommt die Ankündigung nicht, aber sie wird die Spekulationen im politischen Berlin kräftig anheizen: Martin Schulz wechselt von der Europa- in die Bundespolitik.

Als Kanzlerkandidat der SPD? Als neuer Außenminister? Oder gar beides? Hier sind die 4 wichtigsten Fragen - und Antworten.

1. Warum gibt er sein Amt in Brüssel auf?

Zu Beginn der Legislaturperiode 2014 vereinbarten die Konservativen und die Sozialdemokraten im EU-Parlament als größte Fraktionen eine Ämterrotation: Der schon seit 2012 amtierende SPD-Mann Schulz sollte dem Parlament bis Anfang 2017 vorstehen und dann für einen Christdemokraten Platz machen.

Zwar hieß es lange, Schulz kämpfe um eine weitere Amtszeit an der Spitze der Volksvertretung in Straßburg. Doch nun hat der 60-Jährige offenkundig neue Ziele ins Auge gefasst.

2. Außenminister, Kanzlerkandidat oder beides?

Schulz wird auf Platz eins der nordrhein-westfälischen SPD-Landesliste bei der Bundestagswahl 2017 antreten, sagte er auf einer Pressekonferenz in Brüssel. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen."

Zu seinen genauen Plänen in der Bundespolitik äußerte er sich allerdings nicht. Er sagte lediglich: "Ich werde von der nationalen Ebene aus für Europa kämpfen." Er werde sich dafür einsetzen, die Lebensverhältnisse aller zu verbessern. "Nur so können wir das Vertrauen in die Politik zurückgewinnen."

Allerdings: Bei der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten gilt Schulz als mögliche Alternative zum Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.

Vizekanzler Gabriel hat als SPD-Chef den ersten Zugriff in der "K-Frage". Er scheint aber noch unentschieden, ob er antritt. Würde Gabriel wie 2013 angesichts mäßiger Beliebtheitswerte zurückziehen, könnte Schulz' Stunde schlagen.

Seit Frank-Walter Steinmeier höchstwahrscheinlich die Gauck-Nachfolge antritt, wird Schulz auch als neuer Außenminister gehandelt. Kürzlich machte eine Meldung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Runde, Schulz wolle nur dann Steinmeiers Nachfolge antreten, wenn er die Zusage für die SPD-Kanzlerkandidatur bekomme.

Mit Empörung wiesen die SPD-Parteizentrale und Schulz die Meldung zurück. Mit Schulz' Berlin-Plänen erscheint der Bericht aber im neuen Licht. Nach dpa-Informationen bot Gabriel seinem alten Weggefährten an, das Außenamt für die acht Monate bis zur Bundestagswahl im Herbst zu übernehmen.

3. Welche Chancen hat er gegen Merkel?

Schulz hat laut ZDF-Politbarometer deutlich bessere Chancen gegen Merkel als der SPD-Chef. Im direkten Vergleich mit Merkel kommt Schulz auf 37 Prozent und die Kanzlerin auf 48 Prozent. Gabriel hingegen kommt auf 25 Prozent, während Merkel auf 62 Prozent kommt.

Während seiner Zeit in Brüssel und Straßburg schärfte Schulz sein außenpolitisches Profil und steigerte seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland - auch weil er kein Blatt vor den Mund nimmt. 54 Prozent der Deutschen wünschen ihn sich laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern"-Magazins als zukünftigen Außenminister - ein Zeichen für seine Beliebtheit, die ihm auch als Kanzlerkandidat nützen würde.

Hat Schulz aber realistische Chancen, Merkel zu schlagen?

"Keiner von beiden hat gute Chancen, Bundeskanzler zu werden", sagt der Politikexperte Werner Patzelt von der TU Dresden im Gespräch mit der Huffington Post. In den derzeitigen Umfragen hat nichtmal Rot-Rot-Grün eine Mehrheit. "Und noch einmal die Juniorrolle in einer Großen Koalition anzusteuern, wird erst recht nicht motivieren"

4. Was spricht gegen Schulz?

Die Partei will sich erst im Januar entscheiden, wen sie ins Rennen gegen Merkel schickt. Klar ist: Schulz kann nur Kanzlerkandidat werden, wenn ihm Gabriel den Weg freimacht. Ob er dazu wirklich bereit ist, ist völlig offen. Der SPD-Chef ist nach dem gewonnen Rennen um die Bundespräsidentschaft wieder in einer stärkeren Position.

Mit Material von dpa

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