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Niedersachsen will Türkisch und Arabisch als zweite Fremdsprache an Schulen einführen - der Lehrerverband läuft Sturm

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ISLAM UNTERRICHT
Die niedersächsische Landesregierung will Türkisch und Arabisch als Schulfächer einführen | dpa
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  • SPD und Grüne in Niedersachsen wollen das Fremdsprachenangebot an weiterführenden Schulen ausbauen
  • Türkisch, Arabisch, Polnisch und Russisch sollen laut des rot-grünen Antrags auch als Abiturfächer belegt werden können
  • Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands sieht darin einen "Irrweg"

Was in anderen Bundesländern wie Hamburg bereits Realität ist, soll sich nun auch in Niedersachsen durchsetzen.

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen wollen Fremdsprachen wie Türkisch, Arabisch, Polnisch und Russisch an weiterführenden Schulen einführen. Außerdem planen sie diese Sprachen auch als Abiturfächer anzubieten.

In dem rot-grünen Vorschlag geht es nicht nur darum, dass deutsche Schüler eine neue Fremdsprache lernen sollen, sondern auch darum dass Schüler mit Migrationshintergrund in ihrer eigenen Landessprache unterrichtet werden.

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, kritisiert den Vorstoß scharf. Der Huffington Post sagte Kraus: "Ich halte das für einen Irrweg. So werden Parallelgesellschaften zusätzlich befördert." Kraus glaubt, die Erweiterung des Sprachangebots wirke "anti-integrativ."

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Kraus sagte der HuffPost: "Ich will nicht, dass die englische, schon gar nicht die deutsche Sprache in der Schule ersetzt wird. Ich möchte auch nicht, dass das Arabische in den Kindergarten reinkommt." Auch bilinguale Kindergärten sieht der Antrag der niedersächsischen Regierungskoalition vor.

Kraus erklärte, er kenne kein anderes Einwanderungsland, das auf das "Beherrschen der eigenen Landessprache verzichtet".

Ein Angebot für alle

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt von der SPD sieht in dem Vorstoß dagegen ein Angebot für alle: "Auch deutsche Schüler können diese Sprache mit erwerben." Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sollen dadurch besser gefördert werden.

Heiner Scholing, der schulpolitische Sprecher der Grünen, sagte: "Der Spracherwerb ist mit dem Eintritt in die Schule nicht abgeschlossen."

An Grundschulen ist der Unterricht in der Herkunftssprache bereits üblich. Mit dem rot-grünen Vorschlag soll sich das jetzt auch an weiterführenden Schulen durchsetzen.

Scharfe Kritik von der Union: Gefahr für die Integration

Die CDU-Niedersachsen kritisierte das rot-grüne Konzept. Für die Union ist der Unterricht in Deutsch der Schlüssel zur Integration. Am Vorschlag der Regierungsfraktionen sehen CDU-Abgeordnete - genau wie der Lehrerverband - eine Gefahr: Sie befürchten, dass sich der Unterricht in der Herkunftssprache nachteilig auf Integrationsbemühungen auswirken könnte.

Dem widerspricht Grünen-Politiker Scholing: "Die Förderung der Herkunftssprache und des Deutschen stehen nicht in Konkurrenz zueinander." SPD und Grünen setzen darauf, dass der Unterricht in der Muttersprache positiv auf das Erlernen anderer Fremdsprachen auswirkt.

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(mf)