Huffpost Germany

"Rabauke mit Risiken und Nebenwirkungen": So kommentiert die Presse Martin Schulz' Ambitionen in Berlin

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARTIN SCHULZ
Martin Schulz zieht es nach Berlin | Max Rossi / Reuters
Drucken

Martin Schulz zieht es nach Berlin. Der EU-Parlamentspräsident wird für die SPD in den Bundestagswahlkampf ziehen. Ausgeschlossen ist nicht, dass Schulz gar Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten wird.

Ging es nach der Onlineausgabe der "Zeit", würde sich Schulz einer anderen Aufgabe widmen. "Schulz sollte Außenminister werden“, kommentiert die Wochenzeitung. Er solle nicht "den Fehler machen, auch die Kanzlerkandidatur anzustreben."

Denn dann drohe ihm dasselbe Schicksal, das Peer Steinbrück im Jahr 2013 erlitt. Die "Zeit" schreibt: "Auch Peer Steinbrück galt 2013 als Hoffnungsträger der SPD im Vergleich zum unbeliebten Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel." Auch bei ihm sei die Kandidatur nicht ausreichend vorbereitet gewesen.

Auch Schulz sei wie Steinbrück "keiner, der seine Worte immer sorgfältig abwägt." Die "Zeit" resümiert: "Er kann ein Rabauke sein – Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen."

Mangel an Ideen und Kandidaten?

Das "Handelsblatt" sieht zudem eine andere Gefahr für die Sozialdemokraten. Schulz' Entscheidung, auf das Amt des EU-Parlamentspräsidenten zu verzichten, komme nicht aus freien Stücken, sondern folge der Erkenntnis, dass die Fraktion der Europäischen Volkspartei eine weitere Amtszeit Schulz nicht unterstützen wird.

Der Eindruck, der jetzt entstehen könne: "Schulz hat in Brüssel keine Zukunft mehr, also sucht er einen Job in Berlin." Nun habe dieser "alle Hände voll zu tun, diesem Eindruck entgegenzuwirken."

Der "Bonner General-Anzeiger" kommentiert das Hin-und-Her innerhalb der SPD polemisch: "Diese SPD will wohlgemerkt den nächsten Kanzler stellen. Das geht dann vermutlich so: Schulz geht nach Berlin und wird dort irgendetwas werden. Auch Gabriel wird irgendwann nach Weihnachten sagen, was er will."

Die SPD werde das nach jetzigem Stand zur Kenntnis nehmen und mangels anderer Ideen und Kandidaten mit irgendeinem Gremium zustimmen.

Das könne jedoch kaum von Erfolg gekrönt sein: "Im September wundern sich die Genossen, warum die Wähler sie nicht verstehen. Sie sind vermutlich die einzigen, denen das nicht klar ist."

"Schulz will der europäischen Sache von Berlin aus dienen"

Auch international gab es ein großes Medienecho auf die Entscheidung des SPD-Mannes. Die "New York Times" kommentierte: "Die Partei (SPD, d. Red) braucht dringend einen starken Kandidaten, immerhin regiert Merkel seit 2005."

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Schulz sei ein starker Redner und selten darum verlegen, seine Auffassungen zu vertreten.

Die "Washington Post" glaubt, hinter der Entscheidung von Martin Schulz eine Verschiebung der Kräfte innerhalb der EU zu erkennen: "Jetzt, da Deutschland ein noch fundamentalerer Eckpfeiler der EU ist, spürt Schulz, dass der europäischen Sache auch von Berlin aus gedient werden kann."

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(mf)