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An die armen Menschen, die keine Einhörner mögen: Ihr tut mir leid

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Liebe Einhorn-Hasser,

es ist mir unbegreiflich, dass es euch wirklich geben soll. Insgeheim hoffe ich noch immer, dass ihr nur dem Rausch eines Irren entsprungen seid.

Doch leider höre ich immer wieder von euch. Eure verächtlichen Kommentare stehen unter so wunderbaren Produkten wie Einhorn-Hausschuhen, die bei jedem Schritt die Farbe wechseln.

Also nehme ich an, dass ihr tatsächlich existiert.

Wie ihr wohl ausseht?

In meiner Vorstellung müsst ihr freudlose Menschen sein. Denn Menschen, die keine Einhörner mögen, das müssen Menschen sein, die auch keinen Geburtstagskuchen mit Smarties mögen, die Hundewelpen ekelhaft finden und die sich von einem Regenbogen provoziert fühlen.


Ihr armen Menschen seid vermutlich ständig schlecht gelaunt. Denn ohne Fantasie seid ihr in jeder Sekunde eures Lebens der Realität ausgeliefert. Das muss schrecklich sein.

Aber immer noch besser als so ein blöder Hype, denkt ihr euch wahrscheinlich. Cooler als ein Hype ist schließlich nur, gegen einen Hype zu sein. Aber über den Einhorn-Hype solltet ihr noch einmal nachdenken. Wirklich.

Ihr müsst es ja nicht gleich übertreiben und in Erwägung ziehen, euch ein Ganzkörper-Einhorn-Kostüm zu kaufen. So wie ich. (Leider fehlen mir die Anlässe für dieses Kleidungsstück.)

💕 she's my Unicorn 💕 #unicorn #ninadobrev

Ein von Unicorn.Dobrev.Somerhalder.TVD (@unicorn.dobrev.somerhalder.tvd) gepostetes Foto am


Aber ihr solltet euch Gedanken darüber machen, ob euer Hass gerechtfertigt ist.

Ich kann mir die Erklärungen von euch Einhorn-Hassern schon vorstellen.

Einhörner zu mögen hat aber, anders als ihr vielleicht denkt, nicht viel mit Spiritualität, übertriebener Pferde-Liebe oder einer Begeisterung für mystische Fabelwesen zu tun.

Ich kann nur für mich sprechen, aber als Kind gehörte ich weder zu den Pferde-fanatischen "Wendy"-Leserinnen, noch habe ich in meiner Wohnung eine Glas-Vitrine mit einer Drachen-Sammlung stehen. Und Elbisch spreche ich auch nicht.

Einhörner mag ich trotzdem.

Soziologen haben eine Erklärung für die Einhorn-Liebe

Der Soziologe Philipp Ikrath hat eine Erklärung für meine Vorliebe - und ich weiß nicht, ob sie mir gefällt.

"Wir beobachten gerade eine Infantilisierung der jungen Erwachsenen", sagte er der Huffington Post.

"Das Einhorn ist nur ein Beispiel davon. Während es die frühere Generation kaum erwarten konnte, erwachsen zu werden, wollen die heute Mitte-20-Jährigen an ihrer Jugendphase festhalten. Und das auch mit Kitsch."

Ich finde das nicht besonders schmeichelhaft. So etwas würde ein Einhorn-Liebhaber natürlich niemals sagen. Aber ihr Einhorn-Kritiker habt ja in gewisser Weise Recht: Der Einhorn-Trend ist kindisch. So kindisch, dass ich mir gut vorstellen kann, dass Menschen, die "Igitt, ein Einhorn!", auch "Igitt, ein Kind!" sagen.

via GIPHY

Denn bei genauerer Betrachtung steht der Einhorn-Hype meiner Meinung nach nicht für kindischen Kitsch, sondern für etwas anderes.

Für etwas, das alle Kinder lieben, aber viele Erwachsene vergessen oder viel zu schnell verloren haben: für die Gabe zur Fantasie, die Sehnsucht nach ein bisschen Magie und die Suche nach dem Außergewöhnlichen.

Das könnt ihr jetzt kitschig und infantil finden, aber stellt euch doch bitte eine Welt vor, die nur aus Leuten wie euch besteht. Missmutige Einhorn-Hasser in einer Welt ohne Glitzer, Regenbögen und Fantasie.

Was für eine traurige Welt.


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