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Lufthansa-Streik geht am Freitag weiter: Mehr als 215.000 Passagiere sind betroffen

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LUFTHANSA
Die Lufthansa-Piloten streiken bis Freitag | Anadolu Agency via Getty Images
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  • In der Nacht hat der Streik der Lufthansa-Piloten begonnen
  • 100.000 Passagiere werden betroffen sein
  • 876 Flüge fallen am Mittwoch aus, 912 werden am Donnerstag folgen, auch am Freitag soll der Streik weitergehen

Die Lufthansa-Piloten sind in der Nacht zum Mittwoch in einen zweitägigen Streik getreten. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass der Streik wohl auch am Freitag andauern soll. Das gab die "Vereinigung Cockpit" auf Twitter bekannt.

"Der Ausstand hat wie angekündigt begonnen", sagte eine Sprecherin der Lufthansa am frühen Morgen. Allein am Mittwoch fallen wegen des mittlerweile 14. Streiks der Piloten 876 Flüge aus. Davon 51 Interkontinentalflüge. Am Donnerstag werden weitere 912 Flüge ausfallen, wie die Fluggesellschaft am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Insgesamt kommt die Marke Lufthansa auf rund 1800 Flüge pro Tag. "2124 von rund 3000 geplanten Flügen der Lufthansa Group (am Mittwoch) finden statt", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens vom Dienstagmittag. In der Lufthansa-Gruppe fänden am Donnerstag 2088 von rund 3000 geplanten Flügen statt, teilte das Unternehmen weiter mit.

Darin sind allerdings auch Flüge von Konzerngesellschaften enthalten, die nicht bestreikt werden, wie zum Beispiel Brussels, Swiss oder AUA.

215.000 Passagiere sind betroffen

Nach Angaben der Lufthansa sind an beiden Streiktagen zusammen rund 215.000 Passagiere betroffen - 100.000 Passagiere davon am Mittwoch. Das Unternehmen kündigte an, Sonderflugpläne zu erstellen. Passagiere könnten sich im Internet erkundigen, ob ihr Flieger abhebt.

Lufthansa reservierte nach eigenen Angaben zudem im Rhein-Main-Gebiet sowie im Raum München vorsorglich fast 4000 Hotelzimmer. Für Fluggäste, die aufgrund fehlender Visa nicht nach Deutschland einreisen dürfen, seien in Frankfurt rund 400 Feldbetten aufgebaut worden.

Die Piloten-Vereinigung Cockpit hatte den Streik am Montag angekündigt. Der Konzern scheiterte am späten Dienstagabend mit dem Versuch, den Streik von einem Gericht verbieten zu lassen.

Cockpit bestreikt auch am Donnerstag die Lufthansa

Unmittelbar nach einer Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Hessen weitete die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den Ausstand auf zwei Tage aus. Das bedeutet, auch am Donnerstag wird gestreikt. Das Gericht hatte zuvor endgültig den Antrag der Lufthansa abgelehnt, den Ausstand per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen.

"Nachdem schon am Mittwoch fast 900 Flüge seitens Lufthansa gestrichen wurden, sind auch diesmal wieder alle Lang- und Kurzstreckenverbindungen betroffen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollten", sagte VC-Vorstand Jörg Handwerg im Hinblick auf den Donnerstag.

Fluglinie war vor Gericht gezogen - ohne Erfolg

Am Dienstagnachmittag hatte die Lufthansa vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik gestellt. Doch das Gericht scheute einen Eingriff in die Tarifautonomie. Auch vor dem Landesarbeitsgericht kassierte die Airline in der Nacht zum Mittwoch eine Niederlage.

"Lufthansa nimmt die Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts zur Kenntnis. Wir werden nun die Gründe der Urteilsbegründung prüfen", erklärte die Airline. Das Unternehmen sei jederzeit bereit, die Tarifverhandlungen mit der Konzerntarifkommission der Vereinigung Cockpit wieder aufzunehmen.

Die bislang letzte Streikrunde im seit April 2014 laufenden Tarifkonflikt wurde im September 2015 abgebrochen, nachdem das Landesarbeitsgericht Hessen einzelne Streikziele als rechtswidrig eingeschätzt hatte. Seitdem hat die VC ihre Verhandlungstaktik geändert und sich auf offene Tarifthemen konzentriert.

Forderungen zum Gehalt führten zum Streik

Der Anlass des aktuellen Streiks sind einzig Forderungen zum Gehalt der rund 5400 betroffenen Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017.

Die Pilotengewerkschaft hatte am vorigen Mittwoch erneut den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, in eine Schlichtung zu den offenen Gehaltsverhandlungen einzusteigen. Lufthansa kritisierte: "Wenn sich die Gewerkschaft dieser Suche nach einer Lösung verschließt, verursacht sie jetzt einen vermeidbaren Schaden für alle betroffenen Kunden und für die 115 000 Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa Group."

Der deutsche Flughafenverband ADV befürchtet Schäden in Millionenhöhe durch den Streik der Lufthansa-Piloten und des Kabinenpersonals bei Eurowings. Die Airports seien inzwischen immer häufiger Schauplatz von Tarifauseinandersetzungen, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Diese Entwicklung ist nicht akzeptabel und geht weit über das vertretbare Maß hinaus."

Die Airports agierten ohnehin in einem "sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld" und würden durch streikbedingte Flugausfälle unnötig zusätzlich belastet.

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