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Lammert spricht Klartext: Warum Politiker wirklich das Vertrauen der Wähler verlieren

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NORBERT LAMMERT
Norbert Lammert ist Präsident des Deutschen Bundestages | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • In einem Interview hat Bundestagspräsident Norbert Lammert über die Vertrauenskrise in der Politik gesprochen
  • Die etablierten Politiker würden zu manchen Menschen keinen Zugang mehr finden
  • Eine Hürde für diesen Zugang sei das unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Politikern und Wählern

Die AfD wird immer stärker, Trump regiert bald die USA, die Briten wollen den Euro-Ausstieg. Es lässt sich nicht leugnen: Die etablierten Politiker haben den Zugang zu einer ganzen Reihe von Menschen verloren. Eine der Hürden für diesen Zugang ist das unterschiedliche Kommunikationsverhalten von Politik-Establishment und einer nachwachsenden Generation. So sieht das jedenfalls Bundestagspräsident Norbert Lammert.

In einem Interview mit der "Rheinischen Post" sagte Lammert, dass sich Wählerinnen und Wähler, die ihre Sorgen nicht vertreten fühlen, andere Adressen suchten. "Es ist aber zunächst einmal der ganz normale Reflex eines funktionierenden Systems, in dem nicht ein Feudalregime seine Untertanen sucht, sondern ein souveränes Volk seine Repräsentanten wählt."

Nicht die erste Vertrauenskrise - und auch nicht die letzte

Diese Vertrauenskrise sei aber nichts Außergewöhnliches. Sie sei nicht die erste, aber auch wohl nicht die letzte. "Das sind Phasen, die es in einer politisch-gesellschaftlichen Entwicklung gibt."

Die etablierten Politiker, die "Platzhirsche" wie Lammert sie nennt, würden sich aktuell unerwarteter Konkurrenz gegenübersehen, und damit haben sie offenbar nicht gerechnet.

Aber: "Es gibt nicht die hermetische Abschottung einer selbsternannten Elite, die nicht zur Kenntnis nimmt, wie das Volk tickt.“

"Wir müssen einen neuen Zugang finden"

Natürlich müssen sich Politiker überlegen, ob sie die, die sie vertreten noch erreichen. "Aber es gibt das begründete Gefühl, dass wir einen neuen Zugang finden müssen, zu denen, die sich nicht angemessen berücksichtigt oder vertreten fühlen."

So leicht ist das mit dem Zugang aber nicht. Denn es geben mindestens zwei Hürden, sagt Lammert. Die eine sei inhaltlich, denn viele Menschen fühlen sich abgehängt oder vernachlässigt, weil sie den Eindruck haben, dass sich Politiker um andere Gruppen intensiver kümmern würden.

Die Debattenkultur hat sich verändert

"Zum anderen gibt es ein formales Problem, dass wir analog programmiert sind in unserem Kommunikationsverhalten, während eine nachwachsende Generation digital kommuniziert. Diese beiden Informationssysteme entfernen sich voneinander." Durch die digitale Kommunikation, die immer dominanter werde, würden sich Kommunikation und Debattenkultur in der Gesellschaft verändern.

Lammert will sich aber nicht darauf festlegen, dass es eine Entwicklung zum Schlechten sei – die Kommunikation ändere sich einfach.

"Wer sich nur mit Informationen befasst, die man selbst im Internet nachfragt, bezieht eine andere Kategorie von Informationen als Zeitungsleser, die sich mit Themen beschäftigen, die andere ausgewählt und geprüft haben", sagt der CDU-Mann.

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