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"Maischberger": Mit diesem Rat an eine alleinerziehende Mutter sorgte Jochen Schweizer für Wirbel

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(Den Aufreger mit Jochen Schweizer seht ihr im Video oben)

Wenn eine Sendung über Armut in Deutschland mit einem Einspieler beginnt, in dem sich ein Mann mit einem Motorrad vom Hamburger Fernsehturm stürzt, überrascht das erstmal. So wie in Sandra Maischbergers Sendung mit dem Titel "Armes reiches Deutschland: Einmal unten, immer unten?“.

Der Mann auf dem Motorrad war Unternehmer und Ex-Juror der Sendung "Die Höhle der Löwen" Jochen Schweizer. Der Löwe hatte für von Armut bedrohte Menschen vor allem Sprüche aus dem Motivationsseminar.

Für Schweizer sind "95 Prozent der Ängste irrelevant"

Als Sohn einer alleinerziehenden Mutter sei er "Schlüsselkind" gewesen. Er kam also nach der Schule mit seinem eigenen Haustürschlüssel in die Wohnung, die leer war, da die Mutter arbeitete. Schon als Kind habe er sein eigenes Geld verdient. Später wurde er als Eventmanager reich.

"Am Ende hängt es von Dir ab, ob Du Erfolg hast", sagte er. In Zeiten der Veränderung sei "das richtige Mindset" notwendig. Man könne sich nur frei entfalten, wenn man frei von Angst sei und in allem etwas Positives suche. "95 Prozent der Ängste sind irrelevant", erklärte er.

Schweizer ist überzeugt, dass in Deutschland jeder aufsteigen kann. "Jeder kann eine Flugfläche höher steigen."

Das sah die Linken-Politikerin Katja Kipping anders. "'Jeder ist seines Glückes Schmied' ist ein problematischer Satz", warnte sie. Nur weil einer es geschafft habe, dürfe man sich nicht nicht mehr um jene kümmern, die nicht so viel Erfolg gehabt hätten. Sie forderte einen "neuen Gesellschaftsvertrag" und eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro.

Eine der Menschen, um die es bei Maischberger ging und die auch in der Sendung zu Gast war, ist die 45-jährige Mutter Jutta Czekay. Die gelernte Schneiderin verdient mit zwei Jobs 1200 Euro und ernährt damit drei Töchter. Das ist nicht viel Geld - doch sie will sich nicht den Demütigungen des Hartz-IV-Systems aussetzen.

Schweizer sagte ihr, dass sie seinen "höchsten Respekt" genieße.

Doch dann hatte er einen zynischen Rat für sie. "Jeder Mensch ist in der Lage, Jobs selber zu schaffen", sagt er. "Selbst sie könnten was machen."

Moment mal, der Frau, die zwei Jobs gleichzeitig stemmt, gibt er die Empfehlung sie solle mal "was machen"? "Ich mache was!", wehrte die sich empört. Auch Kipping stimmte ein. "Sie macht doch was."

Auch der ehemalige Industriearbeiter Klaus Milchau wollte nicht stehen lassen, dass Arbeitslose für ihr Schicksal selbst verantwortlich sind. Er verwies auf Nokia, Opel und die Zechen im Ruhrgebiet. "Es gibt einen Strukturwandel - man kann nicht sagen, es ist für jeden noch Arbeit da."

Jeder Talkshowgast schien seine eigene Statistik mitgebracht zu haben. Die "Welt"-Journalistin Dorothea Siems wies darauf hin, dass Armut in Deutschland als relative Größe definiert sei: Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient, gilt als armutsgefährdet.

Ausgerechnet der Caritas-Chef warnt vor "Panikmache"

"Selbst, wenn wir alle doppelt so viel verdienen würden, hätten wir genauso viele Armutsgefährdete." Sie sieht den Sozialstaat als Problem: "Er stellt die Bedürftigen ruhig und macht sie lethargisch."

Auch Georg Cremer, Generalsekretär der Caritas, sah überraschenderweise die Situation nicht ganz so schwarz. Er beklagte einen "übertriebenen Niedergangsdiskurs" und warnte vor "Panikmache", die vor allem Rechtspopulisten nütze. Die Zahlen würden belegen, dass es der Mittelschicht gar nicht so schlecht gehe.

Man müsse beachten, dass in der Armutsstatistik auch Studenten und Auszubildende enthalten seien. Als von Armut bedroht sieht er vor allem Alleinerziehende und alte Menschen.

Wenigstens er macht einen realistischen Vorschlag. "Diejenigen, die arbeiten und Kinder haben, sollten von der Familienkasse mit einer einkommensabhängigen Kindergrundsicherung unterstützt werden."

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