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Deutschland hat die Kinderehe erlaubt? An diesen 9 Punkten erkennt ihr, ob eine Meldung wirklich wahr ist

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So erkennt ihr, welche Meldungen falsch sind. | PhotoAlto/Frederic Cirou
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  • Falschmeldungen stellen ein großes Problem in den sozialen Medien dar
  • Neun hilfreiche Tipps die verhindern können, dass Falschmeldungen geteilt werden

Wenn man in den letzten Tagen Facebook durchstöbert hat, so ist man sicherlich auf die Meldungen gestoßen, dass Papst Franziskus Donald Trump unterstützt, eine Stadt in Texas aufgrund einer tödlichen Krankheit unter Quarantäne gestellt wurde und Deutschland die Kinderehe für rechtens erklärt hat.

Aber um es gleich vorweg zu nehmen – nichts davon ist wirklich passiert. Dennoch haben sich diese Nachrichten wie ein Lauffeuer verbreitet.

Auch auf HuffPost: Edward Snowden warnt vor Fake-News bei Facebook

Falschmeldungen sind in den sozialen Netzwerken zu einer festen Größe geworden, besonders während der letzten Wahlperiode in den USA. Diese falschen Nachrichtenartikel, die einzig zum Zweck der Täuschung geschaffen wurden, verbreiten sich im Internet wie eine Epidemie.

Erst viel später erkennen die Leser - wenn überhaupt - dass die Geschichten, die sie geteilt haben, gar nicht der Wahrheit entsprachen.

Fake-News: Ein großes Problem für Facebook

Die Veröffentlichung von offensichtlich falschen Berichten ist nichts Neues im digitalen Zeitalter, und auch zu analogen Zeiten kannte man das Phänomen bereits – da reicht im Supermarkt bereits ein Blick in die Zeitschriftenregale.

Neu ist allerdings, dass es ein Leichtes geworden ist, eine gefälschte Geschichte auf Facebook mit einem einfachen Klicken auf „Teilen“ zu verbreiten und dann seinen 500 Followern dabei zuzusehen, wie sie das Gleiche tun.

In den letzten drei Monaten vor der US-Präsidentenwahl wurden die Top 20 der gefälschten Artikel öfter geteilt, als die Top 20 der Berichte der 19 größten Nachrichtenkanäle, so das Ergebnis einer Studie von Buzzfeed aus der letzten Woche.

Auch Social Media braucht redaktionelle Richtlinien

Es gibt jedoch einige Richtlinien, die verhindern können, dass Berichte, die auf falschen Fakten basieren, veröffentlicht werden. In den kommenden Monaten werden die sozialen Netzwerke sich auch die Frage stellen müssen, welche redaktionelle Prüfung Seiten wie Facebook bezüglich ihrer Inhalte anwenden sollten.

Nachdem Facebook das Problem zunächst noch heruntergespielt hatte, gab die Seite am Freitag bekannt, dass man daran arbeite, Verfahren zu entwickeln, um diese falschen Meldungen aus dem Newsfeed herauszufiltern.

Google meldete außerdem, falsche Nachrichtenportale zukünftig daran hindern zu wollen, ihren Werbeservice zu nutzen.

Es ist zum Teil allerdings auch Aufgabe der Leser, die solche Inhalte per E-Mail an ihre Familien und Freunde weiterleiten oder sie in den sozialen Netzwerken posten, die Verbreitung von Falschmeldungen und Fehlinformationen zu verhindern. Denn damit verleihen sie diesen Berichten zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Diese Check-Liste kann helfen, gefälschte Nachrichten auf einen Blick zu erkennen.

1. Nicht nur die Überschrift lesen

Ein Grund dafür, dass gefälschte Nachrichten so häufig geteilt werden, ist, dass viele Leser nur einen Blick auf die Überschrift oder den ersten Absatz werfen und den Artikel dann teilen.

Die Herausgeber solcher gefälschter Nachrichten nutzen dieses aus und beginnen ihre Artikel mit plausiblen Fakten, bevor sie die falschen Informationen einfließen lassen.

Andere Beispiele haben gezeigt, dass der weitere Verlauf eines Artikels oft rein gar nichts mehr mit der Überschrift zu tun hat und keine Fakten liefert, um diese zu stützen.

2. Von welchem Medienkanal stammt die Meldung?

Unbekannten Webseiten, die zugepflastert sind mit Werbebannern und deren Überschriften nur aus Großbuchstaben bestehen, sollte man mit Vorsicht begegnen.

Den Namen einer Seite zu googeln und sich andere Artikel einer solchen Seite anzusehen kann auch dabei helfen, abzuwägen, ob es sich bei der Seite um ein vertrauenswürdiges Nachrichtenportal handelt.

Viele Seiten, die Falschmeldungen verbreiten, geben von vornherein zu, dass es sich bei ihnen um Satireseiten handelt und dass sie keine wirklichen Fakten enthalten.

Andere Seiten aber existieren nur aus dem Grund, große Nachrichtenportale zu verunglimpfen. Die URL einer Seite, die verdächtig erscheint, sollte überprüft werden, um sicherzustellen, dass es sich nicht um einen Schwindel handelt, bei dem eine vertrauenswürdige Quelle vorgetäuscht werden soll.

3. Das Datum und den Zeitpunkt der Veröffentlichung prüfen

Ein weiteres Element der Verbreitung von Falschmeldungen sind alte Artikel, die herausgekramt werden, um die Menschen glauben zu lassen, dass es sich um aktuelle Geschehnisse handelt.

Den Zeitstempel der Veröffentlichung zu prüfen kann helfen, die Leser vor einer Täuschung zu bewahren.

Manchmal aber erfordert es ein wenig Arbeit, um herauszufinden, wann ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, z.B. wenn das Datum zwar aktuell ist, das beschriebene Ereignis aber bereits einige Zeit zurückliegt.

Meist hilft es, sich durch die Links zu klicken und alles sorgfältig zu lesen. Das lässt schnell Rückschlüsse auf die Vertrauenswürdigkeit des Artikels zu.

4. Wer ist der Autor?

Der Autor eines Artikels ist eine wichtige Information zur Nachrichtenquelle. Frühere Artikel des Autors können Aufschluss darüber geben, ob es sich bei dem Verfasser um einen vertrauenswürdigen Journalisten oder einen Autor von Falschmeldungen handelt.

eventchronicle
Ein Facebook-Posting aus dem Event Chronicle erklärte George Soros fälschlicherweise für tot.

5. Welche Links und Quellen nutzt der Artikel?

Das Fehlen von Links und Quellenangaben in einem Artikel ist ein ganz deutlicher Hinweis auf eine Falschmeldung. Viele falsche Nachrichtenportale geben auch eine ganze Reihe von Links zu anderen Seiten an, um ihre Artikel zu belegen. Jedoch handelt es sich bei diesen Seiten wiederum meist selbst um falsche Medienkanäle. Achtet daher bei Quellenangaben stets auf vertrauenswürdige Seiten.

6. Fragwürdige Fotos und Zitate

Ein falsches Zitat zu erschaffen und dieses bekannten Persönlichkeiten zuzuschreiben ist eine Leichtigkeit für die Verfasser von Falschmeldungen.

Besonders bei schockierenden und verdächtigen Zitaten ist Vorsicht geboten. Wurden diese Zitate auch an anderer Stelle erwähnt? Das sollte überprüft werden.

Genauso leicht ist es, Fotos von einer Veranstaltung herzunehmen und sie einer anderen Veranstaltung zuzuschreiben. Bilder können auch verändern werden, damit sie zu einem bestimmten Artikel passen.

Eine Rückwärtssuche für Bilder mit Hilfe von Google oder Tools wie TinEye kann helfen, die Originalquelle eines Bildes ausfindig zu machen.

7. Vorsicht vor Fehlbestätigungen

Leser neigen oft dazu, Artikeln Glauben zu schenken, die ihre Sicht der Dinge stützen. Falschmeldungen bilden da keine Ausnahme und existieren einzig aus dem Grund, im Leser bestimmte Emotionen hervorzurufen und Vorurteile zu stärken.

Daher sollte auch geprüft werden, ob Nachrichten faktenbasiert sind, oder ob sie geteilt wurden, weil sie eine bestimmte einseitige Sichtweise und bestehende politische Überzeugungen stützen.

american news
Ein Facebook-Posting auf der Seite American News, das zu einer Falschmeldung weiterleitet.

8. Berichten auch andere Medienkanäle über diese Geschichte?

Wenn ein Artikel verdächtig erscheint oder unglaubliche Enthüllungen verspricht, dann sollte nach dieser Meldung auch auf den Seiten anderer großer Medienkanäle gesucht werden.

Einem einzelnen Artikel aus einer verdächtigen Quelle, der eine große Behauptung aufstellt, sollte nicht zu viel Vertrauen entgegen gebracht und mit Vorsicht betrachtet werden.

Wenn kein anderes großes Nachrichtenportal darüber berichtet, handelt es sich womöglich um eine Falschmeldung.

9. Erst denken, dann teilen

Falsche Nachrichtenportale verlassen sich darauf, dass Leser ihre Artikel teilen und sie so in Umlauf bringen. In extremen Fällen können diese Falschmeldungen außer Kontrolle geraten und ungeahnte Konsequenzen für diejenigen, die in die Geschichte involviert sind, nach sich ziehen.

Nachdem ein falsches Nachrichteportal davon berichtet hatte, dass Hillary Clinton Kinder in einem Restaurant in Washington D.C. sexuell missbraucht hätte, bekamen der Restaurantbesitzer und seine Angestellten Todesdrohungen und sahen sich online einem Shitstorm ausgesetzt. Die Angestellten werden immer noch angegriffen, obwohl der Artikel längst als Falschmeldung entlarvt wurde.

Dieser Artikel erschien zuerst in der World Post und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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