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Das ist der Mann, der die Alt-Right-Bewegung anführt - und er ist gefährlicher, als viele denken

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RICHARD SPENCER
Richard Spencer - Anführer der Alt-Right-Bewegung | The Washington Post via Getty Images
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Derzeit sorgt ein Video in den USA für Wirbel, dass junge Rechte mitten in Washington zeigt, die "Heil Trump" und "Sieg Heil" rufen.

Zu den Szenen kam es auf einem Treffen der rechtspopulistischen Alt-Right-Bewegung.

Die Bewegung sorgt seit Donald Trumps Wahlsieg bei der Präsidentschaftswahl für Schlagzeilen. Viele Menschen vor allem in den USA, aber auch in Europa fragen sich derzeit: Wie gefährlich ist diese Bewegung eigentlich?

Wer verstehen will, warum die Alt-Right-Bewegung, die auch mit Neonazis sympathisiert, im Dunstkreis von Donald Trump und auch weit darüber hinaus ihre Spuren hinterlässt und gerade solchen Erfolg hat, muss sich mit Richard Spencer beschäftigen.

Hetze gegen Juden und Minderheiten

Spencer betrachtet Nicht-Weiße als minderwertig. Er verheimlicht sein tiefes Misstrauen gegenüber Juden nicht und zeigt sich häufig mit Neonazis. Er will Europäer und Menschen mit europäischer Abstammung vor anderen Rassen "schützen" und befürwortet eine staatlich unterstützte Rassentrennung.

Die Liste seiner Ausfälle gegen Minderheiten ist lang.

Doch nicht seine rassistischen Ausfälle haben Spencer zum Anführer der Alt-Right-Bewegung gemacht, sondern seine Sprachgewandtheit. Eine Bewegung, die quasi zur Gänze aus faschistischen Autoren, Trägern von vornehmlich braunen T-Shirts und frustrierten Schöpfern von Internet-Memes besteht.

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(Richard Spencer posiert in Washington, Copyright: Getty)

Spencer täuscht Unterstützung des Multikulturalismus vor, indem er Respekt für die amerikanischen Ureinwohner zeigt, die Spiritualität der Afro-Amerikaner hervorhebt und immer wieder seine "farbigen Verbündeten" lobt.

Spencer gibt sich als hipper Millennial

Seine nationalistischen und rassistischen Reden sind gespickt mit akademischem Jargon. Eine Organisation mit dem hochtrabenden Namen National Policy Institute zu gründen, die auch die Konferenz in Washington ausrichtete, und die Bewegung "Alt-Right" zu nennen, ist ein Teil seiner Strategie.

Obwohl er fast 40 ist, beherrscht Spencer das Spiel, sich als lässig-schrägen Millennial auszugeben, beängstigend gut.

Er ist in den sozialen Netzwerken aktiv – beziehungsweise er war es, bis er wegen seiner Hass-Reden gesperrt wurde. Die gemäßigten Republikaner bezeichnet er gerne abwertend als "basic bitch conservatives" - grob übertragen "Langweiler-Konservative".

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Spencers Einladung zur Konferenz ist ein gutes Beispiel dafür, wie er den Spagat zwischen Jugendkultur und Hasskultur bewerkstelligt: Die Einladung zeigte eine Hipster-Grafik mit den Buchstaben A und R (Alt-Right) in einer Schriftart, die an die turbulenten frühen-90er erinnert.

Rechte im Ryan-Gosling-Look

Die Buchstaben zogen sich über das Foto einer Frau in einem Weizenfeld, das Ganze ähnelte einem Album-Cover, wie man sie von SoundCloud kennt. Die Frau aus dem Weizenfeld kennt man übrigens auch von Twitter, wo sie häufig in den Tweets von Nationalisten auftaucht.

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(Einladung zur Alt-Right-Konferenz in Washington)

Spencer trägt den gleichen Millennial-Elan zur Schau, wie so viele junge Berufstätige in Washington D.C. – der Proto-Typ des weißen männlichen Young Urban Professional.

Klare Gesichtszüge, breites Kinn, schnittige Frisur: Ein Aufzug, der dem der Hitler-Jugend ähnelt, der aber derzeit noch viel häufiger mit dem Schauspieler Ryan Gosling in Verbindung gebracht wird.

Er kleidet sich gut und wenn er nicht ständig über muslimische Gangs herziehen und darauf pochen würde, Europäern bei der Einwanderung eine bevorzugte Behandlung zu gewähren, wäre er nur ein weiterer Yuppie, der zu oft "witzige" Socken trägt.

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Sein Lebenslauf erscheint ebenfalls nur allzu bekannt: Bachelor-Abschluss an der University of Virginia, ein Master an der University of Chicago, derzeit Doktorand an der Duke University. Er hat sogar einen Artikel im Magazin "The American Conservative" veröffentlicht.

Zwischen Porno-Stars und wütenden Typen

Spencers Konferenz war trotzdem mehr als nur eine Zusammenkunft Gleichgesinnter.

Es war eine Versammlung wütender Typen.

Typen mit "Make America Great Again"-Shirts; Typen, die 80er-Jahre Poster des gewählten Präsidenten Donald Trump verkauften, die den Schriftzug "Trump Abschiebungsarmee" tragen; Typen, die rechtsakademische Bücher wie "The Perils of Equality" und "The Problem of Democracy" lesen und Typen mit Ryan-Gosling-Frisuren.

Aber nicht alle Teilnehmer der Konferenz passten ins Bild des rechten Hipsters. Es waren zahlreiche ältere Teilnehmer anwesend, die vielmehr dem Geschichtsprofessor glichen, der auf einer Fakultätsversammlung die moderne Gesellschaft verteufelt.

Und dann war da noch Tila Tequila. Ende der 2000er-Jahre erlangte sie als Social-Media-Phänomen, Ex-TV-Moderatorin und Porno-Star Bekanntheit und erregte jüngst vor allem damit Aufmerksamkeit, dass sie eine Reihe von antisemitischen Statements von sich gab.

Wie eng ist Trump mit der Alt-Right verbunden?

Sie war der ideale Gast für Spencers Konferenz: Eine farbige Frau, ein D-Promi, deren von Fanatismus geprägte jüngste Vergangenheit noch wenig bekannt ist. Tequila brachte ein Flair von Pop-Kultur auf die Konferenz und sorgte somit für eine sofortige Wertsteigerung der Veranstaltung.

Im Gegenzug bekam auch sie Aufmerksamkeit, mit einem Tweet, den sie aus Washington in die Welt schickte und dem sie mit "Seig heil (sic!)" betitelte.

Derzeit ist es noch schwer zu sagen, ob der neue Präsident Donald Trump sich Tequilas oder Spencers Strategie zunutze macht. Wie Tequila hofiert auch Trump Rassisten, um seine Marke voranzutreiben.

Er hat seine eigene Popularität noch einmal gesteigert, in dem er unbegründete Fragen zu Barack Obamas Geburtsort zu seinem politischen Programm machte. Wie auch Spencer nutzt Trump Halbwahrheiten, um seinem Kreuzzug Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Trump und die Alt-Right ergänzen sich

Die Hardliner in Trumps Umfeld haben auch bei Richard Spencer Erfolg und sorgen dafür, seine kruden Sichtweisen zu legitimieren: Man nehme nur den Chef-Strategen des Weißen Hauses, Steve Bannon, dessen Website Breitbart auch offiziell als "Plattform der Alt-Right" beschrieben wird.


Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn
tritt in den sozialen Netzwerken ganz offen für die Alt-Right-Bewegung ein.

"Die Alt-Right-Bewegung ist da, die Alt-Right wird bleiben und die Alt-Right wird die Welt verändern", sagte Spencer auf der Konferenz. Obwohl er Trump und Bannon als "nicht Alt-Right" bezeichnete, sagte er doch, die Alt-Right seien ein Kopf ohne Körper und Trumps Wahlkampagne sei ein Körper ohne Kopf.

Trumps Wahl zum Präsidenten könnte dieses politische Frankenstein-Monster vervollständigen. Der salonfähige Rassismus, der seit dem 8. November auf dem Vormarsch ist, ist auf Konfrontationskurs und einschüchternd: Der Ku-Klux-Klan hält in North Carolina einen "Siegeszug", Hakenkreuze tauchen auf Spielplätzen auf und Einzelpersonen berichten vermehrt von rassistischen Übergriffen.

Spencer sagt, er stehe nicht mit Trump in Kontakt

Es ist ein schwacher Trost, aber dieser Irrsinn wird nicht so einfach Einzug in die Institutionen der Macht erhalten.

Jemand, der mit einer weißen Kapuze in ein Kongressbüro kommt und nach einem Termin fragt, um sich über die jüdische Seuche beklagen zu können, wird höchstwahrscheinlich nicht sehr weit kommen. Aber ein gut gekleideter junger Mann, der sich nicht anders präsentiert, als der nervige Bürokollege, der mit den Stories von seinen Saufkumpanen prahlt, ist etwas ganz anderes.

Das macht Richard Spencer und sein National Policy Institute so unheimlich - und gefährlich.

Ein eloquenter Absolvent der University of Virginia, der von Dingen wie den "identitären Schul-Lehrplänen" redet, könnte vielen im Gedächtnis bleiben. Spencer beharrt auf der Aussage, dass er nicht mit Trump und seinem Team in Kontakt stehe, aber er fügt stets hinzu, dass ihn Personalentscheidungen, wie jene zu Steve Bannon oder Jeff Sessions als Generalbundesanwalt, sehr beeindrucken.

Nach seiner Pressekonferenz warf Spencer die Medien aus dem Saal.

Hitlergruß im Restaurant

Aber es gibt ein Video, dass Spencer zeigt, wie er "Heil Trump, Heil unserem Volk – Sieg Heil" ruft. Einige aus dem Publikum antworten mit dem Hitler-Gruß:

Anders als Tequila wissen sie wahrscheinlich, wie man "Sieg" richtig schreibt. Richard Spencer jedenfalls weiß, was er tut.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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