Huffpost Germany

"Weltwoche"-Chefredakteur rechnet mit deutschen Medien ab: "Ein Sturmgeschütz gegen das Volk"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ROGER KOEPPEL
"Weltwoche"-Chefredakteur rechnet mit deutschen Medien ab: "Ein Sturmgeschütz gegen das Volk" | Ruben Sprich / Reuters
Drucken

Die Meinungsforschungsinstitute sahen es nicht kommen, die Medien ahnten es nicht. Doch dann wurde Donald Trump US-Präsident - und alle standen sie dumm da. Besonders der große Teil der Medien, der sich im Vorfeld der Wahl entschieden gegen den Republikaner positioniert hatte.

"Die Medien haben total versagt“, findet Roger Köppel. Köppel ist Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche“. Im Interview mit dem Onlinemagazin "Meedia“ sagte er nun: "Medien sollen berichten, nicht Wahlkampf machen. Das aber machten sie: krampfhaft gegen Trump.“

“Der Spiegel ist ein Sturmgeschütz gegen das Volk“

So hätten die Medien in den USA und in Deutschland "systematisch an der Wirklichkeit vorbeipubliziert“. "Die Mainstream-Medien ergriffen total scheinheilig und einseitig Partei gegen Trump und für Clinton“, resümiert der Chef der wirtschaftsliberalen "Weltwoche“, der immer häufiger ein Hang zum Rechtkonservativen nachgesagt wird.

Seine Kritik ist vernichtend. "So schafft sich ein Berufsstand ab“, prophezeit Köppel, früher Chefredakteur der deutschen Tageszeitung "Welt“. Besonders ein Medium habe seiner Meinung nach versagt: Der "Spiegel“.

"Meedia“ sagte Köppel: "Am schlimmsten ist der Spiegel. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Zuerst war Trump ein Wahnsinniger, jetzt ist er auf dem Cover eine Super Nova, ein Feuerball, der die Erde vernichtet.“

Das sei nicht nur dumm, hier zeige sich auch eine hochnäsige, hasserfüllte Verachtung eines demokratischen Wahlvorgangs. Der "Spiegel“ sei heute "ein Sturmgeschütz gegen die Demokratie, gegen das Volk.“

Was die Medien lernen müssen

Doch welche Konsequenzen müssen Medien aus der US-Wahl ziehen? Köppel hofft auf eine "heilsame“ Wirkung des Trump-Schocks.

Genau die Leute, die Trump Angstmacherei vorgeworfen hätten, hätten die größte "’Habt Angst vor dem bösen Mann’-Kampagne der Geschichte" gefahren, um Einfluss auf den Wahlausgang zu nehmen.

Nun müsse man sich Trump kritisch nähern, aber dabei beachten, dass ihn die Amerikaner freiwillig gewählt haben.

Die "Weltwoche“ tue dies.

Und bald könnte sie mit ihrem Trump-freundlichen Kurs Gesellschaft bekommen. Denn das rechte US-Onlinemagazin "Breitbart“ sucht auch in Europa nach Partnern.

"Ich freue mich immer über mehr Vielfalt“, erklärte Köppel – und ergänzte: "Meines Wissens schreibt James Delingpole vom Spectator für Breitbart, ein brillanter Autor. (...) Wenn die Delingpole nehmen, können sie nicht so schlecht sein.“