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"Sie traten mir gegen die Beine und schrien mich an": Deutscher Tourist von türkischen Polizisten misshandelt

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TURKEY POLICE
"Sie traten mir gegen die Beine und schrien mich an": Deutscher Tourist von türkischen Polizisten misshandelt | Umit Bektas / Reuters
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Es ist eine Sprachaufnahme, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Aufgenommen hat sie der deutsche Student Leonard Viohl. Darauf soll zu hören sein, wie türkische Polizisten ihn beleidigen, bedrohen und körperlich attackieren.

"Sie wollten wissen, was ich hier mache“, sagte der Student dem kurdischen Recherche-Netzwerk "Bianet“. "Sie nannten mich einen Terroristen und einen Agenten.“

Viehl war vor zwei Wochen im Istanbuler Stadtbezirk Tarlabaşı. Er war als Tourist in der Türkei gereist und dort mit einem Freund unterwegs. Erst jetzt wird sein schockierender Fall bekannt.

Der Tourist hatte einen "Free Demirtas"-Flyer

Zu dem Vorfall kam es offenbar, weil der Tourist ein Flugblatt in der Tasche hatte, auf dem "Free Demirtas“ stand. Der Parteivorsitzende der pro-kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas, war einen Tag zuvor, am 4. November, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der türkischen Polizei festgenommen worden.

Gegenüber "Bianet“ schilderte der Student: "Die Polizisten sagten mir, ich solle in einen kleinen Raum in einem Gebäude in der Nähe von uns gehen. (...) Ich zögerte, dort einzutreten und sie begannen mir gegen die Beine zu treten und zu schreien.“

Viehl solidarisiert mit den Politikern der HDP, die Anfang November festgenommen worden waren. Ihnen wird Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nachgesagt. Experten sehen in den Festnahmen jedoch einen klaren Verstoß gegen die demokratischen Grundwerte des Landes.

International hagelte es Kritik an der türkischen AKP-Regierung und dem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Mehr zum Thema: "Zur Diktatur mutiert": Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde fordert Sanktionen gegen die Türkei

Klima der Angst

Auf der Aufnahme ist zu hören, wie die mutmaßlichen Polizisten Viehl fragen: "Wer ist Demirtas?“ "Niemand“, antwortet dieser eingeschüchtert. Doch die Männer missachten seinen Versuch, die Situation zu beruhigen.

Auf schockierende Weise zeigt die Geschichte des deutschen Studenten das Klima der Angst, in dem Unterstützer oppositioneller Gruppen in der Türkei derzeit leben müssen.

Erst am Dienstag entließ Präsident Erdogan per Notstandsdekret erneut 15 396 Staatsbedienstete. Bei ihnen handelt es sich um 9977 Angehörige der Sicherheitskräfte und 5419 zivile Mitarbeiter von Ministerien und Behörden. Unter letzteren sind 942 Universitäts-Mitarbeiter und 119 Lehrer.

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Der Grund sind stets angebliche Verbindungen zu Terrororganisationen. Ein Vorwurf, den auch der deutsche Student zu hören bekam.