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"Schwiegertochter gesucht": Liebe Vera, ich schalte ab - weil ich dich nicht mehr ertrage

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Liebe Vera,

Ich stehe dazu, dass ich dein Format "Schwiegertochter gesucht" oft geschaut habe. Und ja, ich fand es lustig. So lustig, wie solche Sendungen eben sind. Beim Dschungelcamp geht es mir ähnlich. Oder "Bauer sucht Frau".

Liebe Vera. Wir sind durch Dick und Dünn gegangen. Hatten tolle gemeinsame Abende. Langweilige Abende.

Doch nun reicht es mir. Ich kann nicht mehr.

Und das hat viel mit dir zu tun, liebe Vera.

Es ist deine, wie soll ich sagen, Ausdrucksweise. Deine pubertären Pointen. Und diese antriebslosen Alliterationen:

"Blondgesträhnte Beate. Fernöstliches Frühstück. Romantischer Rheinländer. Entzückende Eifel. Prunkvoller Prinz. Potenzielle Prinzessinnen. Braungebrannter Blondschopf."

Früher war es nicht so schlimm. Aber nun kann ich es einfach nicht mehr ertragen.

Du treibst mich langsam aber sicher in den wahrhaftigen Wahnsinn. Oder in den allmählichen Alkoholismus.

Und ich bin nicht einmal die Einzige mit diesem Gefühl:

Als du vor zehn Jahren mit der schadenfrohen Sendung "Schwiegertochter gesucht" anfingst, war deine Art frech. Innovativ auf deine Art. Vor allem: Damals warst du noch wirklich lustig.

Heute wirkt dein Auftritt nur noch wie eine Masche.

Am schlimmsten sind deine Formulierungen. Natürlich, du hattest schon immer ein Faible für fantasievolle Füllwörter. So nervtötend wie heute aber war es noch nie.

Deshalb, liebe Vera, mache ich jetzt Schluss. Ich schalte ab. Dein einfallsloser Eigensinn geht mir nach nicht einmal 5 Minuten auf die Nerven.

Womöglich ist es nicht deine Schuld.

Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht kann ich die katastrophalen Kuppelversuche, die früher oder später alle in einer tränenreichen Trennung enden, nur nicht mehr ertragen.

Und seien wir doch einmal ehrlich: Dir und deinem talentfreien Team geht es nicht um die große Liebe. Es geht euch darum, die zynischen Zuschauer zu befriedigen. Ihnen das Gefühl zu geben, ihr langweiliges Leben sei toller als das der fast schon katatonischen Kandidaten.

Ich war lange auch so ein Zuschauer.

Aber nun weiß ich, dir sind alle Mittel Recht: Das hat der Satiriker Jan Böhmermann bereits bewiesen.

Nun ja. Du siehst..

Bitte hör einfach damit auf. Mit diesen scheußlichen Sätzen. Hör auf, dich über die verzweifelten Versager lustig zu machen, die sich an dich wenden.

Fang endlich an, authentisch zu sein.

Ich bin mir sicher: Auch die netten Netzwerker, die talentfreien Tänzerinnen, dein pfiffiges Publikum und nicht zuletzt die skurillen Schwiegertöchter werden es dir danken.

Ein ehemaliger Fan.

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(seb)