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Dieses Schiff aus dem Zweiten Weltkrieg wiegt zehntausend Tonnen - jetzt ist es plötzlich vom Meeresgrund verschwunden

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HMS EXETER
Die HMS Exeter beim Einlauf in einen Hafen 1939 | Mirrorpix via Getty Images
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  • 2002 entdeckten Forscher das zehntausend Tonnen schwere Wrack der im Zweiten Weltkrieg gesunkenen HMS Exeter auf dem Meeresgrund nahe Indonesien
  • Als 2016 eine Expedition an den Ort des Funds zurückkehrte, war das Schiff verschwunden
  • Experten haben eine Erklärung für das rätselhafte Verschwinden

Es war eine der kostspieligsten Schlachten für die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. 1942 sanken bei einem Kampf mit der japanischen Marine zwischen den Inseln Java und Borneo unter anderem sechs Schiffe der britischen Flotte.

Darunter war auch die HMS Exeter, ein zehntausend Tonnen schweres Kriegsschiff. 2002 wurde das Wrack in siebzig Metern Tiefe auf dem Meeresboden gefunden.

Als sich 2016 zum anrückenden 75. Jahrestags der Schlacht eine Expedition zu den Wracks aufmachte, mussten die Forscher schockiert feststellen: Die Schiffe waren fast komplett verschwunden.

Wie die britische Tageszeitung "Guardian" berichtet, haben die Forscher eine 3D-Karte des Meeresbodens erstellt. Sie zeigt, dass dort, wo das Wrack der HMS Exeter liegen müsste, "ein großes Loch im Meeresgrund" klafft.

Wohin sind die Schiffe verschwunden?

Eine vermeintliche Lösung des Rätsels heißt: Plünderer. Das Metall der Schiffe könnte sie angelockt haben. Wie der "Guardian" berichtet, könnte das geborgene Metall einige hunderttausende Dollar wert sein. Gerade die Propeller von Schiffswrack seien begehrt, mit ihnen ließen sich über 2300 Euro pro Tonne erzielen.

Andy Brockman, Archäologe und Spezialist für maritime Verbrechen, erklärt im "Guardian", wie die Plünderer vorgehen: "Im Prinzip benutzen sie Sprengstoff und andere Werkzeuge, um das Material auseinander zu reißen." Gerade im Maschinenraum finde man viele wertvolle Metalle wie Kupfer und Messing.

Gerade um Indonesien ist das Plündern von Schiffswrack verbreitet, weil hier viele Schiffe während des Zweiten Weltkriegs gesunken sind.

Sollten tatsächlich Plünderer die Wracke gestohlen haben, hätten sie ein Verbrechen begangen. Die Schiffe gehörten immer noch der Nation, unter deren Flagge sie ursprünglich ausliefen, sagte Brockman dem "Guardian". Sie ohne Erlaubnis zu bergen, verstoße daher gegen internationales Recht.

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Am Wrack geknabbert

Einige Forscher zweifeln jedoch an der These, dass Plünderer am Werk waren. 70 Meter Tiefe sei zu viele, zitiert die britische Tageszeitung "Independent" den niederländischen Experten Paul Koole: "Es ist fast unmöglich, hier zu plündern."

Ihm widerspricht allerdings der Bas Wiebe, Manager einer Bergungsfirma, gegenüber BBC: "Es ist nicht wie eine große Explosion, die man im Fernsehen sieht. Es ist eine eingedämmte Explosion. Wenn man das einige Mal macht, kann man einfach die Stücke herausfischen."

Mit genügend Zeit hätten die Plünderer so an den Schiffswracks "knabbern" können. Ein Teil nach dem anderen hätte von ihnen aus den Schiffen gelöst und geborgen werden können.

Schändung eines Kriegsgrabs

Das Britische Verteidigungsministerium soll laut Informationen des BBC die indonesischen Behörden kontaktiert haben, um den Vorfall der verschwundenen Schiffe zu untersuchen.

"Die Schändung eines Kriegsgrabs ist ein ernsthaftes Verbrechen", zitiert der BBC einen Sprecher der Verteidigungsministeriums.

Über 2200 Menschen sollen bei der Schlacht zwischen Java und Borneo 1942 ums Leben gekommen sein. Ihre Leichen ruhten zusammen mit den Schiffen auf dem Meeresboden.

Der Sohn von einem der Admirale der Schiffe, sagte BBC: "Für Jahrhunderte war es Brauch, das Grab von Matrosen nicht zu stören. Aber das ist hier geschehen."

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(lp)