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Roxette-Sängerin Marie Frederiksson: Nach ihrer Krebs-Diagnose brach die Hölle los

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Marie Fredriksson bei einem Roxette-Konzert in Russland 2014

Marie Fredriksson (58, "Good Karma") leidet nach ihrer Krebs-Erkrankung noch immer unter den Folgen der Strahlentherapie, aber: "Man darf sich nicht in der Dunkelheit verfangen. Ich werde für jeden einzelnen hellen und schönen Augenblick kämpfen - für den Rest der Tage, die mir noch bleiben." Das schreibt sie am Schluss ihrer Autobiografie "Listen to my heart" (Edel, 256 Seiten, 19,95 Euro), die jetzt auf Deutsch erschienen ist. Darin nimmt ihre schwere Erkrankung - 2002 war bei der Sängerin ein Gehirntumor diagnostiziert worden - einen großen Platz ein. 14 Jahre und viele Therapien später hat der Roxette-Star den Krebs überlebt, auf Tour will sie aber nicht mehr gehen, wie sie im Frühjahr bekannt gab.

Die Diagnose

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"Am 11. September 2002 brach die Hölle los", heißt es in Fredrikssons Autobiografie, die sie gemeinsam mit der Autorin Helena von Zweigbergk verfasst hat. Nach einer Joggingrunde war sie zusammengebrochen: "Ich hatte einen epileptischen Anfall, zitterte am ganzen Körper und schlug so hart mit dem Kopf auf den Boden, dass ich mir eine Platzwunde zuzog." Im Krankenhaus hörte sie dann erstmals die Diagnose Gehirntumor. Ihrem Mann sagte später ein anderer Arzt, dass sie noch ein bis drei Jahre zu Leben habe, erzählt die Sängerin in dem Buch weiter: "Das war das Tröstlichste, was er sagen konnte. Dass ich im allerbesten Fall noch drei weitere Jahre leben würde. So sah Micke sich gezwungen, darüber nachzudenken, wie er unsere Kinder darauf vorbereiten konnte, dass ihre Mutter sterben würde. Josefin war damals neun und Oscar fünf. Das war Mickes ganz persönliche Hölle."

Die Folgen

Fredriksson hat überlebt und macht jetzt mit ihrem Buch anderen Mut. "Im Juni 2006 beschlossen wir, dass ich gesund war. Dass ich zwar an den Folgen der Bestrahlung litt, aber nicht länger krank war." Weil sie sich aber nicht mehr stark genug für das Leben auf Tour fühlt, erklärte sie im April auf Facebook: "Ich bin sehr gerührt von euren Gedanken, euren Worten und eurer unendlichen Liebe, die mir zuteil geworden sind, seit wir die Roxette-Sommer-Tour canceln mussten. Alle schönen Dinge gehen nun einmal zu Ende. Und obwohl ich es liebe, auf der Bühne zu sein und unsere Fans zu treffen, habe ich nicht mehr die Kraft für das Tour-Leben. Es ist leider so einfach." Im Mai sagte ihr Band-Kollege Per Gessle (57) in einem RTL-Interview: Die Folgen der Krebs-Therapie seien der Grund für die Absage der Jubiläumstour. "Auf einem Auge ist sie fast blind, schlimmer steht es aber um ihr Bein. Sie ist sehr eingeschränkt beim Laufen."

In Fredrikssons Buch heißt es über die Folgen der Krebs-Therapie: "Neun Jahre nach Beginn meiner Krankheit fing der Fuß an, Schwierigkeiten zu machen. Er verkrampft sich so sehr, dass er sich verdreht, weshalb ich immer schlechter das Gleichgewicht halten kann." Ihr Bein sei außerdem viel schwächer geworden. Das Gehen falle ihr schwer, "und ich habe die ganze Zeit Angst, zu fallen". An anderer Stelle heißt es: "Was genau in ihrem Bein passiert, weiß keiner der Ärzte, die Marie aufgesucht hat. Man vermutet einen Schaden, der durch die massive Bestrahlung ihres Gehirns entstanden ist."

"Ich hatte die Nase ziemlich voll von Roxette"

In "Listen to my heart" geht es natürlich auch um Roxette und Per Gessle, mit dem sie so erfolgreich wurde. Unter anderem erzählt Fredriksson, warum der nicht bei ihrer Hochzeit war. 1994 heiratete sie Edmund Mikael Bolyos. "Roxette nahm einen so großen Platz in unserem Leben ein, und ich wollte einfach in Ruhe und Frieden heiraten", schreibt sie heute. Trotzdem hätten sich viele eingemischt. "Zu dem Zeitpunkt hatte ich jedoch die Nase ziemlich voll von Roxette, (...)" Heute verstehe sie, "warum zum Beispiel Per und Åsa verletzt waren", so die Sängerin. "Aber damals sah ich das nicht. Ich wollte einfach die private Marie sein dürfen, die heiratete."

Ihre Kindheit

Marie Fredriksson wuchs in der schwedischen Provinz in ärmlichen Verhältnissen auf. Zudem überschattete der Tod ihrer Schwester ihre Kindheit: "Am 11. Dezember 1965, da war ich gerade mal sieben Jahre alt, kam es zu einer Tragödie, die das Leben meiner Familie für immer verändern sollte", heißt es in dem Buch dazu. Maries 20-jährige Schwester Anna-Lisa wollte sich für ihre Verlobung ein Kleid kaufen. Ihr Wagen kam wegen Glätte ins Schleudern und kollidierte mit einem Milchauto: "Mit Anna-Lisas Tod brach die Familie zusammen. Meine Eltern alterten auf einen Schlag um zehn Jahre. Man konnte fast dabei zusehen, wie sie ergrauten. Besonders hart traf es Vater - man kann sagen, dass er an Anna-Lisas Tod kaputt ging."