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"FAZ" warnt: Öffentlich-rechtliche Medien könnten von der Politik abhängig werden

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Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" befürchtet, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Unabhängigkeit gegenüber der Politik verlieren könnten | ullstein bild via Getty Images
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  • Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" befürchtet, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Unabhängigkeit gegenüber der Politik verlieren könnten
  • Hintergrund ist die Japan-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck
  • Die öffentlich-rechtlichen Medien konnten dazu mehr schreibende Redakteure schicken als die unabhängigen Medien

Die Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung" warnt in einem Beitrag davor, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Unabhängigkeit gegenüber der Politik verlieren könnten.

Hintergrund dieser Befürchtung ist die Japan-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck.

Die öffentlich-rechtlichen Medien konnten für ihre Berichterstattung eine unverhältnismäßige Anzahl schreibender Redakteure schicken - während die unabhängigen Medien aufgrund der wirtschaftlichen Situation kaum einen Korrespondenten im Einsatz hatten.

Berichterstattung in Rudelstärke

Für die unabhängigen Medien waren die Kosten der fünftägigen Reise nach Japan und der Arbeitsausfall des Redakteurs in der Heimat einfach zu viel. "In wirtschaftlich angespannten Zeiten überlegt sich das jedes Medienhaus zweimal", schreibt FAZ-Korrespondent Patrick Welter.

Für die unabhängigen Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichteten daher nur die Auslandskorrespondenten, die schon in Japan vor Ort waren.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kennt diese Sorgen offensichtlich nicht. Den Bundespräsidenten begleiteten beispielsweise nicht nur ein Radioredakteur der ARD aus Berlin, sondern zwei Redakteure.

Auch vom WDR und einer Gemeinschaftsredaktion kleinerer ARD-Sender reisten jeweils zwei Redakteure an.

"Sparzwänge können so groß nicht sein"

Die letzte Auslandsreise des Bundespräsidenten Gauck ist sicherlich ein Ereignis, über das angemessen berichtet werden sollte. Aber der offensichtliche Gegensatz zwischen der unabhängigen und der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung bereitet Welter Sorgen.

Zum einen ist die Berichterstattung in "Rudelstärke" selbstverständlich teuer – und bietet Angriffsfläche für Kritik. Regelmäßig werden ARD, ZDF und die restlichen Rundfunkanstalten dafür kritisiert, die jährlich über acht Milliarden Euro der deutschen Beitragszahler zu verschwenden. Zuletzt forderte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), ARD und ZDF zusammenzulegen.

Bei der Doppel- und Dreifachbesetzung der öffentlich-rechtlichen Medien in Japan wird die Verschwendung für Welter offensichtlich. Hier dürfe jedem klar werden, "dass die Sparzwänge bei den Anstalten so groß dann doch nicht sind."

Mehr zum Thema: Moderatorin rechnet mit Öffentlich-Rechtlichen ab: "In dieser Zeit flossen zuhause viele Tränen"

Unabhängigkeit der Medien

Ein weiterer Grund zur Sorge sieht Welter vor allem in dem Missverhältnis zwischen unabhängigen und öffentlich-rechtlichen Medien. Wenn es niemanden mehr gibt, der den Redakteuren der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf die Finger schaut, könnte der Einfluss der Politik auf die Berichterstattung größer werden.

Welters Warnung lautet daher: "Wenn die Redakteure überhand nehmen, deren Gehalt letztlich von der Politik abhängt, droht auch die Unabhängigkeit der Medien gegenüber dieser Politik verloren zu gehen."

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(lp)