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Gute Chefs haben diese eine Sache gemeinsam

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Wer im Job weiterkommen möchte, sollte darauf achten, immer genug Schlaf zu bekommen – denn wer genug schläft, kann besser mit Stress umgehen. Außerdem lernt man schneller und man denkt kreativer.

Eine aktuelle Studie der amerikanischen Fachzeitschrift "Journal of Applied Psychology" kam nun zu dem Ergebnis, dass ein gesundes Schlafverhalten dazu beitragen kann, dass man als Arbeitnehmer leichter zu führen ist – und dass es einem als Führungskraft besser gelingt, seine Mitarbeiter anzuleiten.

Schlaf ist ein Erfolgsfaktor

Führungskräfte wurden als weniger charismatisch eingestuft, wenn sie unausgeschlafen waren. Zudem waren Mitarbeiter, die nicht genug geschlafen hatten, schwerer zu motivieren und sie stuften Führungskräfte weniger häufig als charismatisch ein als ausgeschlafene Mitarbeiter. Mit anderen Worten führt Schlafmangel dazu, dass man im Job wie umnebelt und nicht voll leistungsfähig ist.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Chefs unbedingt darauf achten sollten, dass ihre Mitarbeiter genug Schlaf abbekommen.

“Für gewöhnlich ist sowohl den Führungskräften als auch ihren Teams mehr damit geholfen, wenn die Mitarbeiter sich so richtig ausschlafen, anstatt so viel zu arbeiten, dass ihnen nicht genug Zeit zum schlafen bleibt”, so Christopher Barnes, der Autor der Studie, im Gespräch mit der Huffington Post. Barnes ist außerordentlicher Professor für Management an der Foster School of Business der Universität von Washington.

Charismatische Führungskräfte sind erfolgreicher

Nach Ansicht von Experten in den Bereichen Management und Psychologie gelten vor allem diejenigen Führungskräfte als “charismatisch”, die im Vergleich zu anderen Führungskräften mehr Achtung von ihren Mitarbeitern erfahren und denen es besser gelingt, bei ihren Mitarbeitern ein Gefühl von kollektiver Identität auszulösen.

In früheren Studien stellte man bereits fest, dass charismatische Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu höherer Leistungsfähigkeit und einem besseren Organisationsgeschick motivieren können. Zudem sind diese Mitarbeiter zufriedener mit ihrem Job und ihren eigenen beruflichen Leistungen.

“Wir wissen, dass charismatische Führungskräfte einflussreicher sind und ihre Mitarbeiter besser anleiten können als Führungskräfte, die über wenig Charisma verfügen”, so Barnes.

Überstunden wirken sich negativ auf das Charisma aus

Das Ironische daran ist, dass viele Führungskräfte ständig Überstunden machen, was sich negativ auf ihr Charisma auswirken könnte, und dass sie denselben Arbeitseifer auch von ihren Mitarbeitern erwarten, wodurch wiederum ihr Ansehen bei den Mitarbeitern eher sinkt, erklärte Barnes.

Wie Barnes berichtete, ist er einer der ersten Professoren für Management, der seinen Fokus auf das Thema Schlaf legt – seine Studie ist eine der ersten, die den Einfluss von Schlaf auf den Bereich Mitarbeiterführung untersucht.

“Erschreckend viele Angestellte sind unausgeschlafen, während sie verantwortungsvolle Aufgaben ausführen – und trotzdem findet das Thema Schlaf in der Managementforschung schon seit jeher nur wenig Beachtung.”

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Ausgeschlafene Führungskräfte sind charismatischer

Im ersten Teil des Experiments manipulierten Barnes und seine Kollegen den Schlaf einer Gruppe von 43 Studenten, indem sie die Studenten zwischen 22:00 Uhr und 5:00 Uhr stündlich aufweckten und sie einen kurzen Fragebogen ausfüllen ließen. Die zweite Gruppe von 45 Studenten schlief ganz normal.

Am nächsten Morgen versammelten sich alle 88 Teilnehmer im Labor. Dort sollten sie so tun, als würden sie eine Rede bei einer Abschlussfeier halten. Die Teilnehmer durften sich 15 Minuten lang vorbereiten und man sagte ihnen, dass ihre Rede auf Video festgehalten werde.

Im Anschluss wurden die Reden von unparteiischen Mitarbeitern des Labors bewertet, die nicht wussten, dass der Schlaf der Teilnehmer auf unterschiedliche Weise beeinflusst worden war. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer, die nachts immer wieder aufgeweckt worden waren, insgesamt als weniger charismatisch eingestuft wurden.

Die unausgeschlafenen Versuchsteilnehmer schnitten in etwa um 12 Prozent schlechter ab als die Kandidaten, die normal geschlafen hatten.

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Eine positive Ausstrahlung fällt Ausgeschlafenen leichter

Nachdem sie ihre Rede gehalten hatten, wurden die Studienteilnehmer befragt, inwiefern sie “so getan hätten, als würden sie die Emotionen, die sie zeigen sollten, auch wirklich wahrnehmen” und inwiefern sie “gute Laune vorgetäuscht” hätten.

Das Ergebnis war, dass die Teilnehmer, die ihre Emotionen gut regulieren konnten, auch für charismatischer gehalten wurden. Dieses Ergebnis bedeutet, dass es unausgeschlafenen Führungskräften weniger gut gelingt, in ihrer jeweiligen Stimmungslage stets eine positive Ausstrahlung zu vermitteln.

Das wiederum könnte eine mögliche Erklärung dafür sein, warum sie als weniger charismatisch eingestuft werden, erklärte Barnes.

Ausgeruhte Mitarbeiter halten ihre Führungskräfte für charismatischer

Die Wissenschaftler baten eine weitere Gruppe von Studenten, sich drei Videos der Reden aus dem vorherigen Experiment anzusehen – ein Video zeigte einen Redner, der als weniger charismatisch eingestuft worden war, das zweite Video zeigte einen Redner, der als charismatisch eingestuft worden war und im dritten Video sah man einen Redner, der mittelmäßig bewertet worden war.

Die drei gezeigten Videos wurden bei jedem Teilnehmer zufällig aus einer der jeweiligen Kategorien ausgewählt. Von den 109 Studenten der zweiten Gruppe hatten 51 in der Nacht vor dem Experiment zu wenig Schlaf abbekommen, weil sie einmal pro Stunde einen Fragebogen ausfüllen mussten. 58 Teilnehmer hatten normal geschlafen.

Im Anschluss sollten die Studenten auf einer Skala von eins bis fünf angeben, wie charismatisch die jeweiligen Redner auf sie gewirkt hatten. Die unausgeschlafenen Studenten bewerteten die Redner im Durchschnitt um 14 Prozent schlechter als die Studienteilnehmer, die genug geschlafen hatten.

Beim Thema Mitarbeiterführung spielt Schlaf eine größere Rolle als bisher von Experten angenommen

Viele Psychologen und auch andere Experten sind der Meinung, dass es festgelegte Führungsqualitäten gibt, die sich auch nicht verändern, so Barnes.

“[Diese] Studie beschäftigt sich mit der Frage, ob eine Führungskraft an verschiedenen Tagen auch charismatischer oder weniger charismatisch sein kann und welche Rolle Schlaf dabei spielt. ... Unserer Meinung nach wirkt sich auch der Schlafmangel von Mitarbeitern darauf aus, ob sie ihre Führungskraft für charismatisch halten oder nicht – und das geschieht unabhängig vom Verhalten der Führungskraft.”

Obwohl er sich in seiner Studie speziell mit Führungskräften in Unternehmen (also mit Chefs und Managern) auseinandergesetzt habe, können dennoch auch Rückschlüsse auf andere Bereiche gezogen werden, so Barnes.

“Wenn Lehrer ihre Schüler motivieren wollen, spielt ausreichend Schlaf eine sehr wichtige Rolle. Das gilt auch für Trainer, die ihre Athleten motivieren wollen. Wenn man andere motivieren will, sollte man selbst genug schlafen, denn dadurch ist man in den meisten Fällen erfolgreicher.”

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Bei manchen Menschen – und Führungskräften – wirkt sich Schlafmangel stärker auf ihr Charisma aus als bei anderen, so Barnes. Es kann sein, dass manche Führungskräfte auch dann nicht weniger charismatisch wirken, wenn sie wenig geschlafen haben. Zum jetzigen Stand müsse man jedoch erst weitere Studien durchführen, um diese Fragen beantworten zu können, erklärte der Wissenschaftler.

Bis zur Veröffentlichung der neuen Studienergebnisse liefert die aktuelle Studie ein gutes Argument, warum dein Chef oder deine Chefin darauf achten sollte, dass du (und auch er oder sie selbst) genügend Schlaf abbekommst – und außerdem liefert sie ein Argument dafür, dass es in eurem Büro unbedingt einen Ruheraum geben sollte.

Sarah DiGiulio beschäftigt sich für die Huffington Post mit dem Thema Schlaf. Du erreichst sie unter sarah.digiulio@huffingtonpost.com.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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