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"Völlig unvermeidlich": Warum der Siemens-Chef Joe Kaeser ein Grundeinkommen für Deutschland fordert

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JOE KAESER
Siemens-Chef Joe Kaeser sagt, ein Grundeinkommen sei unvermeidbar | Michaela Rehle / Reuters
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  • Siemens-Chef Kaeser fordert eine Art Grundeinkommen
  • Der Grund: Die Vernichtung von Jobs durch die Digitalisierung

Die Arbeitswelt erlebt derzeit einen radikalen Wandel - und schon bald könnten mehr als eine Millionen Deutsche davon betroffen sein. Laut der Bundesagentur für Arbeit sollen in den kommenden zehn Jahren rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze der Digitalisierung zum Opfer fallen. Computer und Maschinen übernehmen ihre Arbeit.

Siemens-Chef Joe Kaeser, einer der mächtigsten Konzernbosse Deutschlands, hat auf diese Entwicklung eine überraschende Antwort:

"Eine Art Grundeinkommen wird völlig unvermeidlich sein", sagte Kaeser am Sonntag auf dem Wirtschaftsgipfel der "Süddeutschen Zeitung“ in Berlin.

"Nicht jeder auf dieser Welt ist ein Software-Ingenieur"

Sein Befund: "Absehbar (bleiben) einige (Menschen) auf der Strecke, weil sie mit der Geschwindigkeit der Welt einfach nicht mehr mitkommen". Da die Gesellschaft nicht auf diese Nachzügler warten könne – sonst verliere sie laut Kaeser im internationalen Wettstreit – müssen sie abgesichert werden.

Ein Grundeinkommen soll diese Absicherung übernehmen. Das bedeutet, dass Menschen jeden Monat ein bestimmten Geldbetrag überwiesen bekommen, ohne dafür etwas zu tun. Experten nennen meist 800 bis 1000 Euro.

Mit diesem Grundeinkommen können zwar keine großen Sprünge gemacht werden, ein vernünftiges Leben zu führen ist damit aber möglich.

Zwar haben schon verschiedene Konzernchefs ein Grundeinkommen gefordert, unter anderem Telekom-Chef Höttges. Dennoch sind sie noch die Ausnahme. Umso überraschender ist nun der Vorstoß von Keaser.

Kaeser warnte, dass wir die Digitalisierung auch gleich sein lassen können, "wenn wir die Geisteshaltung der Inklusivität nicht schaffen. Weil die Gesellschaft das nicht respektieren und akzeptieren kann. Weil nicht jeder auf dieser Welt Software-Ingenieur ist.“

64 Prozent der Europäer wollen ein Grundeinkommen

Laut einer Umfrage von Dalia Research aus dem Mai sind 64 Prozent der Europäer für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Am höchsten ist die Zustimmung mit 71 Prozent bei den Spaniern. In Deutschland wollen 63 Prozent der Bürger die Grundabsicherung.

Im Juni stimmten die Schweizer über ein bedingungsloses Grundeinkommen ab. Das Referendum wurde aber von der Mehrheit der Bürger abgelehnt. Das größte Problem: die unsichere Finanzierung.

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Die Angst der Massenarbeitslosigkeit durch die Automatisierung wächst

Die Ursache für die immer lauter werdenden Rufe nach einem bedingungslosen Grundeinkommen oder einem solidarischen Bürgergeld ist der digitale Wandel.

Seit 2002, dem Beginn des digitalen Zeitalters, können die Menschen erstmals mehr Informationen digital speichern als analog.

Besonderen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Sie vereinfacht zwar viele Abläufe, birgt aber doch Risiken für Unternehmen und Arbeitnehmer. Unsere Arbeitsplätze werden künftig durch Roboter und Maschinen ersetzt, die menschliche Arbeitskraft wird überflüssig, so die Schreckensszenarien.

Die größte Gefahr besteht für Fertigungsberufe

Auch wenn sich Arbeitsmarkt-Experten einig sind, dass das so nicht vollständig zutreffen wird, könnten doch gut zwölf Prozent der klassischen Arbeitsplätze (vor allem in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe) in den nächsten Jahren wegfallen. Viele Jobs werden sich aber auch wandeln.

Die größte Gefahr durch Computer und Maschinen ersetzt zu werden besteht in den Fertigungsberufen. Am wenigsten müssen Arbeitnehmer in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen die Automatisierung fürchten.

In Finnland startet derweil das bisher größte Experiment zum Grundeinkommen. Zunächst sollen ab 2017 2000 zufällig ausgewählte Arbeitslose diese Zusatzleistung bekommen.

Aber die finnische Regierung hat bei ihrem Test weniger die Digitalisierung im Kopf - mit der Einführung des Grundeinkommens das finnische Sozialsystem zu vereinfachen. Zudem sollen Staatsausgaben und Bürokratie so eingespart werden.

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