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Bosbach gibt ungewohnte Einblicke in sein Familienleben - "Das ist die bittere Wahrheit"

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BOSBACH
"Das ist die bittere Wahrheit": Bosbach gibt ungewohnte Einblicke in sein Familienleben | dpa
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  • Wolfgang Bosbach bereut, seine Familie für die Politik vernachlässigt zu haben
  • Die gemeinsame Zeit lasse sich nicht nachholen, so der CDU-Politiker
  • Er appelliert an jüngere Kollegen, nicht denselben Fehler zu machen wie er

In Talkshows ist er zum Dauergast geworden, zu praktisch jeder politischen Lage tut er seine Meinung kund. Über das Leben mit seiner Familie aber spricht der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach nur wenig.

Nun hat er ungewohnte Einblicke in sein Privatleben gegeben. Er bereue es, seine seine Familie für die Politik vernachlässigt zu haben, sagte der 64-Jährige der "Bild am Sonntag".

"Ich war nie bei einem Elternabend, habe mit meinen Töchtern nie an einem Sankt-Martins-Umzug teilgenommen, weil angeblich immer andere Termine und Verpflichtungen viel wichtiger waren als dieser Moment", so Bosbach gegenüber der Zeitung.

"Das tut mir heute in der Seele weh"

"Man redet sich Jahr für Jahr ein: Das kannst du immer noch nachholen, wenn du mehr Zeit hast. Aber die Wahrheit ist: Davon lässt sich nichts nachholen. Das ist die bittere Wahrheit."

Er habe bei seinen drei Töchtern "viel zu viel" verpasst: "Und das tut mir heute in der Seele weh."

Früher hätte er Veranstaltungen nicht abgesagt, um mit seiner Familie ins Kino zu gehen, weil er sonst ein schlechtes Gewissen gehabt hätte: "Heute habe ich umgekehrt ein schlechtes Gewissen, dass ich in den 22 Jahren als Bundestagsabgeordneter vielleicht nur drei- oder viermal mit der ganzen Familie im Kino war, obwohl meine Töchter ausgesprochene Kino-Fans sind", sagte er der "BamS".

Rückblickend denke er: "Ich hätte bei vielen Einladungen öfter nicht nur Nein sagen können, sondern auch Nein sagen müssen. Aber ich wollte keinen Veranstalter enttäuschen, mit der Folge, dass ich zu oft meine Familie enttäuscht habe."

"Verantwortung nicht nur gegenüber unserem Land"

Jüngeren Kollegen rät Bosbach deshalb: "Wir Politiker sollten uns nicht wichtiger nehmen als wir tatsächlich sind. Verantwortung haben wir aber nicht nur gegenüber unserem Land, auch und gerade gegenüber unseren Familien. Man muss nicht auf jedes Schützenfest gehen."

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Bosbach ist seit 1994 Mitglied des Bundestags, war zwischendurch Vizefraktionsvorsitzender. Für die Bundestagswahl 2017 tritt er nicht mehr an. 2012 machte er öffentlich, dass er an Prostatakrebs erkrankt ist. Bosbach hat drei erwachsene Töchter.

Auf die Frage, ob er gerne in die Geschichtsbücher eingehen wollen würde, sagte Bosbach: "Wer? Ich? Nein! Mir reicht es völlig aus wenn die Leute eines Tages sagen: Er hat sein Bestes gegeben! Ich brauche kein Denkmal, keine Straße und erst recht keinen Eintrag im Geschichtsbuch."