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Merkel bei "Anne Will": "Jeder Mensch ist ersetzbar"

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ANNE WILL MERKEL
Angela Merkel zu Gast bei Anne Will | Screenshot/ARD
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CDU-Chefin Angela Merkel will 2017 zum vierten Mal Kanzlerin werden. Am Sonntagabend, kurz nach der Bekanntgabe ihrer Kandidatur, nahm sie in der Talkshow von Anne Will Stellung zur ihrer Entscheidung.

Merkel begründete das erneute Antreten damit, dass sie dem Land noch etwas neues geben könne. Zugleich wolle sie sich nicht auf den "will sich nicht auf den Meriten der Vergangenheit ausruhen". Letztlich sei aber auch sie nicht alternativlos: "Jeder Mensch ist ersetzbar."

Will fragte nach, woher die Überzeugung komme. Denn: "Es gibt viele, die schreien 'Merkel muss' weg und jede Menge Widerspruch in der Union."

Die Kanzlerin wiederholte ihre Worte aus der Pressekonferenz: Es gebe die Anfechtung von rechts und von links, "Rot-Rot-Grün auf der einen und die AfD auf der anderen Seite". Ihr sei bewusst, dass es eine "schwierige Wahl" werde, "anstrengend" und "herausfordernd". Dennoch, so glaubt Merkel, könne sie "von der Tonalität" und "von der Sache guter Argumente" überzeugen.

"Werden sie konservativer?"

"Doch mit welche Politik wollen sie auf die Menschen eingehen", hakte die Talkmasterin kritisch aber freundlich nach. "Werden sie konservativer? islamkritischer? Oder wählen sie die Kretschmann-Grüne Mitte?"

Merkel wich aus und berief sich auf Kernpunkte: Soziale Marktwirtschaft, freiheitlich demokratischer Rechtsstaat. Zudem "müssen wir offen sein beim hinhören und mit unseren Antworten." Man müsse den Menschen klar machen: "Es wird kein zurück vor Digitalisierung und Globalisierung geben." Merkel wolle den Menschen signalisieren, "dass sie Halt und Orientierung haben."

Dabei sollen die Konstanten, die "Leitplanken", der CDU erhalten bleiben. Die CDU-Chefin glaubte: "Mit Politik von Maß und Mitte können wir Halt und eine konkrete Zukunft geben." Man passe die Politik der Wirklichkeit an, sagte Merkel.

"Wir arbeiten daran"

"Wie soll das aussehen?", wollte Will wissen. Die Kanzlerin wich etwas aus, sie konnte kein klares, konkreten Versprechen für den Wahlkampf vorweisen. "Wir arbeiten daran", musste Merkel schließlich etwas bissig zugeben. Und schiebt Allgemeinplätze nach:

"Wir haben schon Antworten oder erarbeiten welche. (...) Ich glaube wir haben da gute Angebote." In jedem Fall freue sich Merkel auf den Wahlkampf. Fraglos, sonst wäre sie vermutlich nicht angetreten.

Zum Ende des gut 20-minütigen Interviews wurde die Zange von Will etwas lockerer. Die Gastgeberin wollte wissen, welchen Moment Merkel vor fast 20 Jahren mit folgender Aussage gemeint habe, als sie sagte: "Ich möchte irgendwann den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik finden. Dann will ich kein halbtotes Wrack sein." Will fragte also: "Wann sind sie dieses Wrack?"

Merkel antwortete schlagfertig: "Ich habe mich mal im Spiegel angeguckt und entschieden, dass ich das noch nicht bin." - Sie lacht, Will lacht, das Publikum klatscht.

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