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Angela Merkel: Psychologe unterstellt ihren Wählern einen gefährlichen Selbstbetrug

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ANNE WILL
Der Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz (r.) bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Was ein offenes Geheimnis war, ist nun offiziell: Angela Merkel tritt wieder als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2017 an. In einem 20-minütigen Interview mit der Moderatorin Anne Will, das vor der Sendung aufgezeichnet wurde, begründete sie ihre Entscheidung.

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In der anschließenden Diskussion zerlegt der Psychoanalytiker und Autor Hans-Joachim Maaz Merkels Erklärungen gnadenlos - und sorgte oft für Staunen bei seinen Diskussionspartnern, dem "Zeit"-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo, der saarländischen CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Berliner SPD-Politiker Klaus Wowereit.

In dem Interview habe Merkel "Phrasen" und "suggestive Überzeugung ohne Inhalte" wiedergegeben, motz er. Ihre Erklärung, "die Politik der Wirklichkeit anzupassen", sei ein "verhängnisvoller Satz". In Merkels Worten "Ich will was geben" sieht er eine "narzisstische Formulierung". Er schimpft: "Ich will etwas geben, sagt sie. Aber was tut sie denn real?"

"Zeit"-Chef Di Lorenzo dagegen sieht in Merkel inhaltsleerem Interview ein kluges Taktieren. Es sei richtig, nicht sofort auf jede Frage Antworten geben zu wollen. Merkel "tastet sich vor, seziert das Problem, schraubt es auseinander, schraubt es wieder zusammen. Dann entscheidet sie." Das sei eben ihre Art.

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Maaz hat genug von Merkel. Er hätte sich gewünscht, dass sie nicht weiter macht, "damit sie einen würdigen Abgang findet". Doch der sei nun nicht mehr zu erwarten. "Für das Land fürchte ich, es wird die AfD stärken."

"Sie glauben doch nicht, dass die AfD verschwindet, wenn Merkel nicht kandidiert", entgegnet Kramp-Karrenbauer.

Doch Maaz ist nicht aufzuhalten. Er wird tiefenpsychologisch. Der Psychologe sieht einen kollektiven Selbstbetrug bei den Merkel-Freunden: Der Glaube, dass wir unsere Art zu leben erhalten können, wenn sie ein weiteres Mal Kanzlerin wird. "Sie scheint die Sicherheit, die Ruhe zu erhalten", sagt er. Daher würden wieder viele für sie stimmen: "Sie werden sie wählen, weil sie Hoffnung haben, es geht so weiter."

Das aber sei eine Täuschung: "Die Art, wie wir leben, hat ein Ende erreicht, da wird gespürt, dass wir nicht so wie bisher weiter leben können. Der Kapitalismus in dieser Form ist am Ende!"

Als Psychoanalytiker scheint er der CDU eine Art Ödipus-Komplex zu unterstellen: "Vor allem die Männer verstecken sich hinter Mutti."

Di Lorenzo gibt der Diskussion eine neue Perspektive: "Wie würden wir diskutieren, wenn Merkel sagt, ich mache es nicht?", fragt er. Er sieht Deutschland in einer Lage, die er "noch nie als so bedrohlich" empfunden habe. "Wenn Frankreich an Le Pen geht, ist das europäische Projekt vorbei", warnt er. Auch "kriegerische Bedrohungen" sieht er wieder gegeben. Denn der Respekt vor den Grenzen eines Landes sei nicht mehr so gegeben wie früher.

"Was wäre, wenn sie heute erklärt hätte, sie tritt nicht an?", fragt er. "Das wäre die schlimmere Alternative gewesen."

SPD-Mann Wowereit sieht das anders. "Dass die Welt untergegangen wäre - das wäre Quatsch." Er ist der Ansicht, dass Merkel zu schlagen sei: "Sie hat nicht viel Neues zu bieten - das ist ein Manko.“

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(ks)