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Snowden-Dokumente enthüllen: Das steckt hinter New Yorks mysteriösestem Wolkenkratzer

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NEW YORK
Snowden-Dokumente enthüllen: Das steckt hinter New Yorks mysteriösestem Wolkenkratzer | Google Maps
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Mitten in Lower Manhattan steht ein 170 Meter hoher Wolkenkratzer. Soweit nichts Besonderes für New York. Das Irritierende an dem “Long Lines Building” aber ist: Es hat kein einziges Fenster. Und: Nachts wird es nicht beleuchtet.

Meterdicke Mauern und eine Fassade aus Beton und Granit umgeben das Gebäude.

Erbaut wurde es 1974 mit dem Zweck, im Fall einer nuklearen Katastrophe den New Yorkern Schutz vor radioaktiver Strahlung zu bieten. Der Arbeitstitel damals: “Project X”. Architekt John Carl Warnecke bezeichnete es als “Festung für das 20. Jahrhundert”.

Da der Stadt bekanntlich bisher - glücklicherweise - ein Atomangriff erspart geblieben ist, fragen sich die Bewohner New Yorks, was sich im Inneren des Gebäudes befindet und ob es nicht inzwischen für einen anderen Zweck genutzt wird.

Die Enthüllungsjournalisten berufen sich Snowden-Dokumente

Offiziell wird das “Long Lines Building” derzeit zu Telekommunikationszwecken genutzt. Eine der wichtigsten Schaltzentrale von At&T befinden sich demnach in dem Wolkenkratzer. Die meterdicken Wände schützen Computerterminals, Kabel und Serverräume, heißt es von Seiten der Regierung.

Enthüllungsjournalisten der Plattform “The Intercept” allerdings sind sich sicher: Der Bunker wird zusätzlich auch für geheime Zwecke genutzt. Laut einem Bericht, der auf der Seite veröffentlicht wurde, betrieb der amerikanische Geheimdienst NSA in dem Gebäude einen Abhörstützpunkt. Er soll den Codenamen “Titanpointe” getragen haben.

Die Journalisten berufen sich dabei auf Geheimdokumente von Whistleblower Edward Snowden und weitere Quellen. Sie betonen zwar: Der Wolkenkratzer komme in den Dokumenten der NSA nicht direkt vor. Es bestünden aber dennoch stichhaltige Hinweise, dass das Gebäude in dem globalen Abhörprogramm des Geheimdienstes, das Snowden enthüllte, eine zentrale Rolle spielte.

Denn: Die Dokumenten beinhalten laut “The Intercept” Hinweise an NSA-Agenten, wie sie die Abhörstation “Titanpointe” erreichen können. Sie befinde sich in New York und werden von AT&T verwaltet, heißt es demnach in den Wegbeschreibungen aus den Jahren 2011 und 2013.

Andere NSA-Dokumente deuteten ebenfalls darauf hin, dass das Hochhaus in der Thomas Street 33 tatsächlich den Abhörstützpunkt beherbergte.

Ein Sprecher von AT&T stritt den Vorwurf gegenüber “The Intercept” ab und versicherte, NSA-Mitarbeiter hätten “keinen Zutritt zu einem der gesicherten Räume in unserem Teil des Gebäudes”.

Für das Rechercheteam keine glaubwürdige Antwort. Denn: Vor dem mysteriösen Wolkenkratzer sind sogar Parkplätze für Angestellte der Bundesbehörden reserviert. Sie tragen das Kürzel AWM, ein Code für NSA-Mitarbeiter.

(ca)