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4 Szenarien zeigen, was die Welt mit Trump als US-Präsident erwartet

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DARK TRUMP
Der künftige Präsident Donald Trump | Getty
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Nach wie vor herrscht großes Rätselraten darüber, wie der politische Neuling Donald Trump als US-Präsident agieren wird. Kaum ein Experte traut sich bereits vor Trumps Vereidigung am 20. Januar 2017 eine Einschätzung über seine bevorstehende Präsidentschaft abzugeben. Denn: Trump ist unberechenbar.

Dennoch sind einerseits Prognosen mit Blick auf regierende Rechtspopulisten in Europa möglich. Andererseits kann relativ gut abgeschätzt werden, wie realistisch die Umsetzung einzelner Wahlversprechen Trumps tatsächlich ist.

Einen neuen Weg ging jetzt die US-Denkfabrik "Brookings-Institut". Dessen Vize-Präsident Darrell M. West umreißt vier mögliche Szenarien der Präsidentschaft Trumps:

1. Der traditionelle Republikaner

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Während seines Wahlkampfes griff Trump sowohl konventionelle als auch unkonventionelle Positionen der Republikaner auf. Klassischen konservativen Forderungen, wie Steuersenkungen, Deregulierung oder der Widerruf von Obamacare, stand beispielsweise Trumps Abneigungen gegen den Freihandel gegenüber.

Laut West könnte ein Präsident Trump diese ideologische Unstimmigkeit folgendermaßen lösen: In Zusammenarbeit mit den republikanischen Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat hebt er republikanische Kernforderungen hervor, zugleich spielt er kritische Einstellungen herunter.

Trump könnte die administrative Arbeit seinem Vize Mike Pence, Stabschef Reince Priebus und dem Sprecher des Abgeordnetenhauses Paul Ryan übertragen, schreibt West. Pence wäre dann eine Art Premierminister. In diesem Szenario wäre Trump am meisten auf dem Kurs klassischer Republikaner.

2. Der populistische Draufgänger

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Trump als Anwalt des kleinen Mannes und aller "Vergessenen" - so sieht Szenario zwei aus. Während des Wahlkampfes habe sich Trump mehrmals "unerträglich verhalten", so West. Mit erniedrigenden Äußerungen über Frauen, Minderheiten und Immigranten sorgte er für Skandale.

Während Trumps Präsidentschaft könnten seine Wähler genau dieses Verhalten gutheißen. Jemand der sich als populistischer Draufgänger präsentiert und mit konventionellen Regeln bricht. In diesem Fall würden die Attacken gegen das Establishment weitergehen, Trump wird versuchen den "kleinen Mann" zu repräsentieren.

West zählt Gouverneure und Bürgermeister auf, die ähnlich wie Trump agierten und trotz "großspurigem, unverschämtem und manchmal sogar unethischem Auftreten" bei den Wählern beliebt blieben.

In diesem Bild würde Trump die Republikaner inhaltlich sehr stark verändern. Als ein solcher Reformer sehe sich Trump selbst wohl am liebsten, meint Politikwissenschafter West.

3. Der gescheiterte Präsident

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Trump bekam fast zwei Millionen Wählerstimmen weniger als Konkurrentin Hillary Clinton. Gleich mit historisch niedrigen Zustimmungswerten ins Weiße Haus gekommen, könnte es für Trump in diesem Szenario rasch eng werden. Aber auch Machtmissbrauch, Skandale, ein Gerichtsurteil oder Inkompetenz könnten ihn scheitern lassen.

Ebenso könnte Trump aufgrund von Interessenkonflikten durchfallen: Die meisten seiner Berater seien Firmenlobbyisten oder sie hätten Verbindungen zu wohlhabenden Interessen. "Viele ultra-reiche Staatsoberhäupter, wie Silvio Berlusconi, haben Spezl-Kapitalismus betrieben und sahen sich über dem Gesetz stehend. Sie scheiterten letztendlich an rechtlichen oder politischen Anschuldigungen", erklärt West.

Und letztlich könnte Trumps Politik direkt auf ihn zurückschlagen - sei es innen- (durch Rücknahme von Obamacare) oder außenpolitisch (durch eine zu enge Bande mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin).

Der gestandene Geschäftsmann Trump würde gerade bei einer Verlangsamung der Wirtschaft Schaden nehmen. Jede Steigerung der aktuell bei 5 Prozent liegenden Arbeitslosenquote würde seine Popularität "zugrunde richten", glaubt West. Er wäre damit eine zweiter Jimmy Carter, der ebenfalls nur eine Amtszeit durchhielt. Bei diesem Szenario würde Trump wohl auf eine Option zurückgreifen, meint West: Jubel organisierter Menschenmassen als öffentliches Gegengewicht zu inhaltlicher Kritik.

4. Der autoritäre Führer

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In diesem düstersten Szenario aus der Brookings-Analyse rüstet Trump wegen gewalttätiger Proteste die Polizei auf, nimmt jeder Opposition die Luft und setzt seine aggressive Linie über die soziale Medien fort - begleitet von zersetzenden Kampagnen seines umstrittenen Chefstrategen Stephen Bannon.

Doch es könnte noch schlimmer werden: Trump könnte den "Internal Revenue Service", die Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten, dazu dazu verwenden, um Kontrahenten zu attackieren oder das FBI aufzustocken - so dass es verdächtige Bürger ausspionieren könnte.

West erinnert daran, dass genau das John F. Kennedys Nachfolger Lyndon Johnson oder Richard Nixon (Stichwort: Watergate) taten. Genau wie die beiden könnte Trump "übermäßig empfindlich" auf potentielle oder auch nur vermeintliche Gegner reagieren.

Man könne dieses Szenario nicht ausschließen, schreibt West, habe Trump doch im Wahlkampf eine gewisse Begeisterung für das Verhalten von autoritären Machthabern erkennen lassen.

Mit Material der dpa

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