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Nobelpreis-Ökonom fordert radikalen Wandel: "Man sollte die ganze EU überdenken"

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Nobelpreis-Ökonom Bengt Holmström fordert einen radikalen Wandel von Europas Spitzenpolitikern: "Man sollte die ganze EU überdenken" | Getty
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  • Der finnische Wirtschaftswissenschaftler Holmström übt harsche Kritik an der EU-Struktur
  • Seine Forderung: "Man sollte die ganze EU überdenken und neu starten"
  • Holmström schlägt unter anderem ein Ende des Vetorechts innerhalb der EU vor

Das Staaten-Konstrukt Europa steht auf wackeligen Füßen. So sehen das jedenfalls viele politische Beobachter, seitdem Großbritannien für den Austritt aus der Eurozone gestimmt hat.

Der Nobelpreisökonom Bengt Holmström hat jetzt in einem Interview klare Worte über den Zustand der Europäischen Union gewählt. Er fordert nach dem Brexit radikale Veränderungen der EU.

Holmström plädiert für eine gemeinsame Verteidigungspolitik

"Man sollte die ganze EU überdenken und neu starten“, sagte er im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung". "Vergesst den Ehrgeiz, alles zu regulieren. Konzentriert Euch auf das Wesentliche“, fordert Holmström, der im Oktober den Wirtschaftsnobelpreis 2016 erhielt.

Wesentlich ist für ihn zum Beispiel eine gemeinsame Verteidigungspolitik in einem Zeitalter neuer Bedrohungen etwa durch Russland.

Und Holmström wurde noch deutlicher: "Wenn Sie einen schlechten Vertrag sehen wollen, schauen Sie sich die EU an“, sagt der 67-Jährige, der für seine Arbeiten zur Vertragstheorie ausgezeichnet wurde.

"Die EU steht nicht im Wetbewerb"

Europa habe keinen Plan dafür gehabt, dass ein Mitglied wie Großbritannien den Club verlasse. "Das war sehr naiv.“ Holmström vergleicht die Europäische Union mit einem Unternehmen – und das fällt wenig schmeichelhaft aus. "Eine Firma steht immer im Wettbewerb, lernt daraus und verändert sich. Die EU steht nicht im Wettbewerb. Da kann ein Haufen idiotischer Dinge wachsen.“

Sein Lösungsansatz: Um bei den wesentlichen Themen etwas zu erreichen, müsse Europa seine Entscheidungen beschleunigen.

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"Es braucht noch mehr Entscheidungen per Mehrheit. Die Vetorechte einzelner Staaten müssen beseitigt werden.“ Nach einer starken Bewegung zu Mehrheitsentscheidungen bewegt sich Europa gerade wieder zurück, etwa in der Handelspolitik.

Auf Druck von Mitgliedsstaaten wie Deutschland ließ die Brüsseler Kommission nationale Parlamente über das Ceta-Abkommen mit Kanada entscheiden. So hätte die belgische Region Wallonie fast den Vertrag für 500 Millionen Europäer gekippt. "Wenn jeder ein Veto hat, wird das Ganze sinnlos“, findet Holmström. Die EU sei zu rasch gewachsen.

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