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"Merkel will nicht als kneifender Lotse von Bord gehen": So kommentieren die Medien die CDU-Kanzlerkandidatur

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Angela Merkel | Getty
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Allein die Ankündigung einer Pressekonferenz mit Angela Merkel sorgte am Freitag für erhöhte Aufmerksamkeit. Die CDU hatte mitgeteilt, dass die Parteivorsitzende am Sonntagabend im Rahmen einer Vorstandsklausur vor die Presse tritt. Alle erwarten dann von der Kanzlerin die Antwort auf die K-Frage.

Denn viele Experten und Parteikollegen sind sich bereits einig: Merkel wird erneut als Kandidatin für das höchste Regierungsamt antreten. Die deutsche Medienlandschaft ist da keine Ausnahme.

Der "Münchner Merkur" glaubt, dass "alles andere als die Ankündigung ihrer vierten Kanzlerkandidatur eine Sensation wäre". Nicht nur, weil sich Merkel für alternativlos halte, "sondern weil sie es auch ist".

Denn die Suche nach einem Bundespräsidenten-Kandidaten aus den eigenen Reihen habe "der Republik die personelle Verarmung der Union auf erschütternde Weise vor Augen geführt". Doch der die konservative Tageszeitung aus München warnt, dass sich auch "Helmut Kohl einst für unersetzlich hielt".

"Merkels Stärke ist allerdings auch Merkels Dilemma"

Ähnlich argumentiert auch die linksliberale "Berliner Zeitung". "Merkels Stärke ist allerdings auch Merkels Dilemma", schreibt die Tageszeitung. "Wenn die Krise zum Dauerzustand geworden ist, kann eine zentrale Figur nur unter Mühen ersetzt werden."

Das könne sich auch in der kommenden Wahlperiode wiederholen. An deren Ende würde Merkel genauso lang regieren wie Helmut Kohl. "Dessen Beispiel hat Merkel immer als Warnung empfunden - dafür, einen Abgang frühzeitig zu organisieren", resümiert die "Berliner Zeitung".

Ein riskantes Unternehmen bleibe es allemal, eine vierte Amtsperiode anzusteuern, befindet die Lokalzeitung "Der neue Tag". Das Blatt aus Weiden in der Oberpfalz mahnt, die "'Merkel-muss-weg'-Front nicht zu unterschätzen".

"Mit ihrem Kurs in der Flüchtlingsfrage hat sich Merkel vermutlich mehr Sympathien verscherzt, als sie gewonnen hat", resümiert "Der neue Tag". Insbesondere gelte das auch für die Schwesterpartei CSU. Gerade dort "werden manche nur schweren Herzens für eine Kanzlerin Merkel in den Wahlkampf ziehen".

CSU-Zustimmung "mit geballter Faust in der Hosentasche"

Letztendlich werde die Zustimmung Seehofers zu Merkels erneuter Unions-Kanzlerkandidatur "mit geballter Faust in der Hosentasche erfolgen", glaubt die "Mittelbayerische Zeitung". Denn auch dem CSU-Chef sei klar, "eine wirkliche personelle Alternative zur CDU-Chefin hat auch seine Partei nicht zu bieten", so die Tageszeitung aus Regensburg.

Auch die christlich-konservative "Badische Zeitung" beteiligt sich an den Spekulationen zu Merkels Kandidatur. Wenigstens verkörpere die Kanzlerin Kontinuität. "Klar, ein Teil der Bürger empfindet auch Überdruss. Aber sogar diese Wähler hätten vermutlich Mühe, ihren Groll an einem anderen Politiker auszulassen", schreibt die Freiburger Zeitung. Und: Im Ausland habe man sich ohnehin schon sehr an die Kanzlerin gewöhnt.

Merkels Kandidatur muss mit einem Aufbruch verbunden sein

Deutlicher wird "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt: "Tritt die nüchterne Kanzlerin noch einmal an, tut sie das aus Überzeugung, um zu vollenden, was sie waghalsig bis halsbrecherisch mit der Flüchtlingspolitik begann. Sie tut es aber auch, um nicht als vor einer Wahlniederlage kneifender Lotse von Bord zu gehen."

Für den Fall ihrer Kandidatur müsste das aber mit einem Aufbruch verbunden werden. Zwar sei der Kanzlerin "viel gelungen" und sie habe das Land "in schweren Zeiten an Klippen vorbei in eine viel beneidete ökonomische Stabilität manövriert". Aber die vergangenen zwölf Monate hätten Poschardt zufolge den Zweifel genährt, ob sie es weiter kann.

Das Merkel kneift, könne "nur Fiktion" sein

Tritt dieser Fall von Merkels Verzicht tatsächlich ein, befürchtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) ein "Beben", das durch das Land und insbesondere durch die CDU gehen würde. Doch dieses Gedankenspiel könne "nur Fiktion" sein. "In dieses Chaos würde sie ihre Partei niemals stürzen", so die NOZ.

"Ohnehin hat Merkel die Entscheidung wie nie zuvor hinausgeschoben, was mehr als nur ein Indiz dafür war, dass sie sich die Option eines Verzichts nach zwölf Jahren Kanzlerschaft so lange wie möglich offenhalten wollte", fasst die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) die Diskussion zusammen.

Schließlich sei der Druck auf Merkel, Klarheit zu schaffen, vor allem seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten "schlagartig gewachsen", schreibt die linksliberale SZ. In der Partei, in der Öffentlichkeit und in der internationalen Politik: "Die Sache ist jetzt kein Spiel mehr."

Mit Material der dpa

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