Huffpost Germany

Es ist ein isoliertes Volk - wenn die Einwohner auf andere treffen, könnten sie sterben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GEMEINSCHAFTSHAUS
Die Luftaufnahme zeigt ein Gemeinschaftshaus (Yano) der indigenen Gemeinde im brasilianischen Amazonasgebiet. | © Guilherme Gnipper Trevisan/Hutukara
Drucken

Neue Luftaufnahmen aus dem Norden Brasiliens geben Einblick in eine abgeschottete Welt. Auf einem Platz zwischen Dächern aus Stroh schauen Menschen Richtung Himmel, während ein Hubschrauber über ihre Heimat fliegt und Kameras den Moment festhalten.

Bei den Menschen handelt es sich um eine indigene Gemeinde des Volkes der Yanomani aus dem Amazonasgebiet im Norden Brasiliens. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation "Survival International", die die Bilder veröffentlicht hat, ist es eine von mindestens drei Gemeinden in der Region, die ohne jeglichen Kontakt zu Außenstehenden lebt.

Gerade diese Isolierung könnte für die indigene Gemeinschaft aber schnell lebensbedrohlich werden.

Gefahr durch die Isolierung

Das zeigte sich bereits in der Vergangenheit. Nach Angaben von "Survival International" kamen schon zahlreiche Yanomani durch den Kontakt zu Außenstehenden ums Leben.

indigene gemeinde
Die Yanomani leben laut "Survival International" vom Jagen, Sammeln und Fischen und bauen Maniok und Bananen an. Foto: © Guilherme Gnipper Trevisan/Hutukara

Neben Gewalt durch Eindringlinge gibt es dafür noch einen weiteren Grund: Durch den fehlenden Kontakt zur Außenwelt fehlen den indigenen Bevölkerungen oft wichtige Abwehrstoffe. Eingeschleppte Krankheiten wie Masern oder Grippe können deshalb schnell zum Tod führen.

1992 wurde für die Yanomani deshalb ein Reservat geschaffen, das ihnen Schutz bieten soll. Laut der NGO konnte das Volk sich in diesem Territorium weitestgehend erholen.

Budgetkürzungen bedrohen den Schutz der Gemeinden

Dennoch fürchtet die Organisation um die Zukunft der indigenen Bevölkerung. Aufgrund von Budgetkürzungen bei der brasilianischen Behörde "FUNAI", die für den Schutz der indigenen Völker zuständig ist, könnte eben dieser Schutz bedroht sein.

indigene gemeinde
In dem Gemeinschaftshaus leben mehrere Familien. Schätzungsweise 100 Personen sollen hier wohnen. Nach Angaben der NGO scheint die Bevölkerung der Gemeinde gewachsen zu sein. Foto: © Guilherme Gnipper Trevisan/Hutukara

"Survival International" fordert deshalb vehement, das Land der Yanomami vor Eindringlingen zu schützen. Eine Gefahr sind dabei immer wieder illegale Goldgräber, die seit Jahren in der Region unterwegs sind.

Der Direktor der Organisation, Stephen Corry, erklärte: "Es ist offensichtlich, dass sie erfolgreich leben können, ohne Vorstellungen von 'Fortschritt' und 'Entwicklung' der Außenwelt. Allen unkontaktierten Völkern droht eine Katastrophe, falls ihr Land nicht geschützt wird."

Wie kann die Bevölkerung vor Krankheiten geschützt werden?

Es gibt allerdings auch Experten, die zum Schutz der indigenen Gemeinden keine vollkommene Abschottung, sondern einen kontrollierten Kontakt empfehlen. Die Anthropologen Robert S.Walker und Kim R. Hill gehen in einem Artikel im Magazin "Science" davon aus, dass ein gut kontrollierter Kontakt mit ausgiebiger medizinischer Versorgung sicherer sei als die Gefahren eines zufälligen Kontakts.

Wie die „Welt“ berichtet, sieht „Survival International“ das allerdings anders. Laut der Zeitung betonte eine Sprecherin der NGO, dass die medizinische Betreuung bei einem kontrollierten Kontakt die negativen Folgen des Kontaktes nicht auffangen könne.

Für die NGO stehe deshalb fest: “Die Menschen müssen selbst entscheiden, ob sie Kontakt aufnehmen wollen – wer in ihre Gebiete eindringt, nimmt ihnen die Chance auf eine Zukunft”.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

(ame)