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Wie du dein Kind verletzt, ohne es zu schlagen

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KIND SCHLAGEN VERLETZEN
Wie du dein Kind verletzt, ohne es zu schlagen | iStock
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Vielleicht hast du dein Kind nie geschlagen. Aber stimmt es auch, dass du es nie verletzt hast? Vielleicht hast du ihm keine blauen Flecke und Schrammen zugefügt. Aber was ist mit den Verletzungen, die niemand sieht?

Vielleicht hast du dein Kind nie geschlagen, aber wenn du einen dieser Sätze gesagt hast, hast du es genauso verletzt:

"Geh mir aus den Augen."


"Wie blöd kann man eigentlich sein?"


"Du bist so ein Quälgeist."


"Sei doch nicht so tollpatschig."


"Das wirst du nie schaffen."


"Sei nicht so ein Baby."


"Lass das, das geht doch sowieso wieder daneben."


"Du bist wie dein Vater."


"Wie oft muss ich dir das noch sagen?"


Missbrauch muss nicht immer körperlich sein. Er versteckt sich auch hinter ständiger Kritik, Beleidigung, Herabsetzung, Ignoranz und der Verweigerung von körperlicher Nähe. Es gibt sehr viele Wege, ein Kind zu verletzen, ohne es zu schlagen. Das ist vielen Eltern gar nicht bewusst.

Sie unterschätzen die Macht, die sie über ihr Kind haben. Und möglicherweise ist ihnen nicht bewusst, dass ihre Worte und ihr Verhalten sogar die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinflussen.

Negative Erlebnisse bleiben uns jahrelang präsent

Was wir zu unseren Kindern sagen, wird sie ihr Leben lang begleiten. Natürlich haben auch die positiven Erfahrungen der Kindheit einen Einfluss auf die Persönlichkeit eines Menschen.

Doch die negativen Erlebnisse wiegen schwerer. Sie kommen auch nach Jahrzehnten immer wieder an die Oberfläche und lassen sich nie wirklich ausradieren.

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Der Grund dafür ist die Funktion des menschlichen Gehirns. Die Evolution hat es so eingerichtet, dass negative oder potentiell gefährliche Erlebnisse in einem Bereich des Gehirns abgespeichert werden, auf den wir leichter zugreifen können.

Missbrauch in der Kindheit führt zu Depressionen und Angststörungen

Früher einmal war es für die Menschen überlebenswichtig, die negativen und gefährlichen Erinnerungen lebendig zu halten. Diese Eigenschaft des Gehirns ist uns bis heute erhalten geblieben und sie umfasst körperliche Erlebnisse ebenso wie emotionale.

Häufig zeigen sich die verletzenden Erfahrungen aus der Kindheit später in Form von Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Auffälligkeiten.

"Wir reagieren schneller und tiefgehender auf Kritik als auf Lob und werden uns an eine verletzende Bemerkung mit größerer Exaktheit erinnern als an ein Kompliment", erklärt Peg Streep in einem Artikel für "Psychology Today".

Emotionaler Missbrauch verändert die Gehirnstruktur

Es gibt eine weitere Besonderheit unseres Gehirns, die erklärt, warum psychische Verletzungen mindestens genauso schlimm sind wie körperliche: Beide Formen der Verletzung aktivieren dieselbe Gehirnregion. Das konnte Ethan Kross von der University of Michigan in einem wissenschaftlichen Experiment nachweisen.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, was Kinder mehr als alles andere von ihren Eltern brauchen

Bei Kindern befindet sich das Gehirn in der Entwicklung und ist deshalb umso empfindlicher. Missbrauch in der Kindheit kann daher sogar zu Veränderungen der Gehirnstruktur führen, wie Wissenschaftler der Harvard University nachweisen konnten.

"Die Veränderungen sind nicht nur auf physische und sexuelle Gewalt beschränkt; es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass auch verbale Angriffe die Art verändern, wie das Gehirn sich vernetzt", sagte Martin Teicher, der die Studie leitete.

Die Art, wie wir mit unseren Kindern kommunizieren, wird eines Tages zu ihrer inneren Stimme werden. Wir müssen uns also bewusst machen, welche Kraft unsere Worte haben.

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