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"Jugendwort" 2016: Das ist fly-ste Nachricht des Tages

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YOUTH DANCING
"Fly sein" ist das "Jugendwort" 2016 | Klaus Vedfelt via Getty Images
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  • Das "Jugendwort" 2016 heißt "Fly sein"
  • Es beschreibt ein Sprachgefühl
  • "isso" war der Jury von Langenscheidt zu unkreativ

Alle Jahre wieder wird das "Jugendwort des Jahres" http://www.huffingtonpost.de/2015/11/13/jugendwort-2015-smombie_n_8553634.htmlverkündet. Und alle Jahre wieder bricht die Diskussion los, ob es tatsächlich junge Leute gibt, die wirklich so reden. Am Freitag war es wieder soweit: Das "Jugendwort" 2016 ist ein Zweiteiler und lautet "Fly sein".

Das hat der Langenscheidt-Verlag in München mitgeteilt, für den die Wahl vor allem eine erfolgreiche Werbe-Aktion ist. "Fly sein" kommt aus der Hip-Hop-Sprache und soll soviel bedeuten wie jemand oder etwas "geht besonders ab".

Leere Gesichter bei den Menschen, die in einem Hotel am Hauptbahnhof auf die Verkündung gewartet haben und den Begriff nun wohl zum ersten Mal in ihrem Leben hören. Damit sind sie nicht allein: "Ich hab zuerst gedacht: Das sagt mir gar nichts", sagt Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Mannheim.

"Ich hätte mir gewünscht, weil das ein Markenzeichen der Jugend ist, dass irgendetwas Ironisches, Flapsiges oder mit Computertechnik kommt. Aber das war nicht so und jetzt ist es halt ein Lebensgefühl - warum nicht."

Mehr zum Thema: Langenscheidt sucht das Jugendwort 2016 und kaum einer versteht was - isso!

In der Jury gehören einige nicht mehr zur Zielgruppe

Nun gehört Kuntzsch, Vater eines Sohnes Mitte 20, auch nicht mehr zur Zielgruppe, wie er selbst einräumt - ebenso wenig wie "Jugendwort"-Jurymitglied Isabelle Deckert von der ProSieben-Sendung "Taff", die für "Fly sein" gestimmt hat, obwohl ihr der Begriff erstmal nichts sagte.

Der 19 Jahre alte Maximilian Knab aus Amberg, der als ehemaliger Chefredakteur einer preisgekrönten Schülerzeitung in der Jury sitzt, muss zugegeben: Gehört hat er den Begriff schon mal, benutzt noch nie. Seinem Kumpel Julian Prechtl (18) geht es genauso.

"Wir haben das Wort gar nicht entdeckt", sagt der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er hat nichts mit der Wahl zum "Jugendwort des Jahres" zu tun, befasst sich aber seit Jahren mit dem Phänomen Jugendsprache und dokumentiert jährlich anhand von authentischen Gesprächen, wie Jugendliche sprechen.

"isso" benutzt auch der Papa

Der Begriff "Fly sein" passe aber durchaus zur Jugendkultur: "Emotionsbekundende Floskeln passen auf jeden Fall." Die Wahl zum "Jugendwort" biete zwar immer wieder die Möglichkeit, über Sprache zu reden, sie sei aber "ziemlich unwissenschaftlich": "Wenn überhaupt, wird nur Sprachwissen abgefragt und nicht Sprachgebrauch."

Die Alternativen zu "Fly sein" erschienen der Jury weniger brauchbar. Der Begriff "isso" (Zustimmung oder Unterstreichung von etwas), mit 20 Prozent in einer Online-Abstimmung vor der Wahl vorne und auch in Bahlos Untersuchungen oft aufgetaucht, war zu unkreativ (Deckert: "Den benutzt auch mein Papa").

"Hopfensmoothie" (Bier) könnte Alkohol verherrlichen und "Tindergarten" (für eine Sammlung von Online-Kontakten) die Promiskuität. "Vollpfostenantenne" als Bezeichnung für einen Selfiestick fiel bei der Jury durch, "weil heute keiner mehr Vollpfosten sagt", meint Knab.

Kritiker am Jugendwort werden bestätigt

"Fly sein" stellt sich in eine Reihe von Begriffen, die in schöner Regelmäßigkeit Zweifel daran säen, ob diese "Jugendwort"-Wahl wirklich irgendeinen Realitätsbezug aufweisen kann. "Smombie", die Bezeichnung für einen Smartphone-Zombie, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, im vergangenen Jahr kannten noch nicht einmal die Youtube-Stars "Die Lochis".

Eine Ausnahme: "Läuft bei Dir", das "Jugendwort" 2014, war nach allgemeiner Einschätzung tatsächlich Teil der herrschenden Jugendkultur.

"Wir sehen eine Zukunft für 'Fly sein'"

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass der "Jugendwort"-Titel die Karriere des Gewinners erst so richtig beflügelt - so geschehen beispielsweise beim Gewinner-Wort von 2013, "Babo", das an den türkischen Begriff für Vater erinnert und hierzulande vor allem von Rapper Haftbefehl aus Offenbach verbreitet wurde, bevor es durch die Kür bundesweit bekannt wurde.

Nach der Wahl von "Babo" im Jahr wurde änderte die "Bild"-Zeitung ihr Impressum, nannte den damaligen Chef Kai Diekmann nicht mehr "Chefredakteur", sondern "Babo" - und katapultierte das Wort so wohl auch direkt wieder raus aus der Jugendsprache in den Alltagsgebrauch älterer Semester.

"Es ist ein Phänomen des Jahres 2016", betont dagegen die Sprachwissenschaftlerin Susanne Schräder, ebenfalls Jury-Mitglied. "Fly sein" sei gerade erst auf dem Sprung in den Sprachgebrauch von Jugendlichen. "Wir sehen eine Zukunft für das Wort."

Der Ist-Stand lässt das aber nicht erahnen. So schreibt ein User beim Kurznachrichtendienst Twitter: "Liebe Jury bei @langenscheidt, hab gerade meine Schüler gefragt was #Flysein bedeutet. Die letzte Mathearbeit war ertragreicher."

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(cho)