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Diese kruden Ansichten vertritt Trumps Chefstratege

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STEVE BANNON
Donald Trump will den ehemaligen "Breitbart"-Betreiber Steve Bannon als Chefstratege mit ins Weiße Haus nehmen. | ASSOCIATED PRESS
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  • Donald Trump will Steve Bannon als Chefstratege mit ins Weiße Haus nehmen
  • Bannon war zuvor Betreiber der Webseite "Breitbart News"
  • Die Seite wurde unter Bannon zur Plattform einer ultrarechten Bewegung
  • "Breitbart News" fiel wiederholt mit frauenfeindlichen und rassistischen Schlagzeilen und Verschwörungstheorien auf

Der künftige US-Präsident Donald Trump nimmt Steve Bannon, den ehemaligen Betreiber der rechtspopulistischen Webseite "Breitbart News", als Chefstrategen mit ins Weiße Haus.

Unter Bannon wurde "Breitbart News" zur Plattform einer neuen rechten Bewegung. Nun hat er bedeutenden Einfluss auf den künftigen US-Präsidenten.

Bannons Onlinemagazin sorgte in den vergangenen Jahren wiederholt mit rassistischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Schlagzeilen für Aufsehen. Kein Wunder also, dass Trump mit dieser Personalentscheidung nicht nur das politische Establishment in Washington schockt, sondern auch Bürgerrechtsgruppen.

"Das signalisiert, dass Donald Trump Hass gegen Immigranten, Muslime und Frauen ins Weiße Haus bringt." kommentierte beispielsweise ein Sprecher der US-Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center die Entscheidung Trumps gegenüber dem US-Sender CNN.

Einfluss von "Breitbart News" auf Trumps Kampagne

Schon während des Wahlkampfs war Bannon als Trumps Wahlkampfchef tätig und hatte damit entscheidenden Einfluss auf die Kampagne des künftigen US-Präsidenten. Aber nicht nur Bannon selbst war an Trumps Erfolg beteiligt: Auch seine Webseite "Breitbart News" spielte eine wichtige Rolle.

"Die Sache über die Kriminalität von illegalen Einwanderern hat er buchstäblich von Breitbart übernommen", sagte Bannon über Trump gegenüber der Huffington Post US. Und das Portal ist stolz auf seinen Einfluss.

"Viele Medien haben uns ausgelacht und mit allerlei Namen beschimpft", sagte "Breitbart"-Chefredakteur Alexander Marlow gegenüber der US-Zeitung "New York Times", "und jetzt wird unsere Bedeutung für die Wahl eines Präsidenten anerkannt", so Marlow, "das ist etwas, was wir sicherlich auskosten und genießen."

Wie das amerikanische Umfrage-Portal "fivethirtyeight.com" berichtet, stieg die Besucherzahlen auf "Breitbart News" mit der Präsidentschaftskandidatur von Trump deutlich an. Während die Seite im Oktober 2014 noch etwa acht Millionen Besucher hatte, sollen es im letzten Monat bereits 18 Millionen gewesen sein.

Eine Plattform der "Alt-Right"

Der ehemalige Investmentbanker Bannon stieß im Jahr 2012 zu "Breitbart" und übernahm die Seite nach dem Tod des Gründers Andrew Breitbart. Erst als Bannon in diesem Jahr Chef von Trumps Wahlkampfstab wurde, ließ er die Arbeit bei der Webseite offiziell ruhen.

Noch im Sommer sagte Steve Bannon gegenüber der Journalistin Sarah Posner, dass Breitbart eine "Plattform der Alt-Right", also die Plattform der "alternativen Rechten" sei. In den Jahren unter Bannon sorgte die Webseite, die dem politischen Establishment und der Political Correctness den Kampf angesagt hat, wiederholt mit rassistischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Überschriften für Aufsehen.

Die Seite verbreitete dabei verschiedene Verschwörungstheorien und krude Ansichten.

Hier ein kleiner Überblick:

Bannon witterte "Verschwörung" gegen Fox-News-Gründer

Nachdem im Sommer der Fox-News-Gründer Roger Ailes aufgrund von Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten war, witterte Bannon dahinter eine Verschwörung der Obamas, der Clintons und des Demokratischen Establishments.

Auf "Breitbart.com" schrieb Bannon in einer Kolumne, dass diese Verschwörung das Ziel habe, Hillary Clintons Chancen auf das Präsidentenamt zu erhöhen und die Black Lives Matter-Bewegung zu stärken.

Kampf gegen die "Black Lives Matter"-Bewegung

"Breitbart News" kritisierte wiederholt die "Black Lives Matter"-Bewegung, die sich gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt einsetzt. In seiner Kolumne schreibt Bannon zum Beispiel: "Wenn Ailes geht, wachsen Hillarys Siegeschancen und die Siegeschancen von #BlackLivesMatter, der neuen Black Panthers, und all der anderen Geisteskranken.“

In Bezug auf die "Black Lives Matter"-Bewegung schrieb Bannon zudem: "Was wenn diejenigen, die von der Polizei erschossen werden, Dinge getan haben, sodass sie es verdient haben? Es gibt Menschen in dieser Welt, die von Natur aus aggessiv und gewalttätig sind."

"Breitbart News" feierte das "glorreiche Erbe" einer Flagge, die für viele ein Zeichen des Rassismus ist

Weniger als zwei Wochen nach dem Hassverbrechen des 21-Jährigen Dylann Roof, der in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner erschossen hat, veröffentlichte "Breitbart News" einen Artikel, der das "glorreiche Erbe" der Konföderierten-Flagge verteidigte.

Nach dem Attentat war in den USA eine heftige Debatte um die Flagge entbrannt. Roof posierte auf Bildern mit der Flagge, die für viele Amerikaner als Symbol des Rassismus gilt.

"Hisst sie hoch und weht sie mit Stolz, sie proklamiert ein glorreiches Erbe", heißt es in dem "Breitbart"-Artikel.

Kritiker wurde als "abtrünniger Jude" beschimpft

Als der Politik-Experte Bill Kristol sich gegen eine Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump stellte, bezeichnete "Breitbart News“ den Kolumnisten als "republikanischen Spielverderber und abtrünnigen Juden".

Frauenfeindliche Inhalte

Die rechte Webseite fiel aber auch immer wieder mit frauenfeindlichen Überschriften auf. In seinen Artikeln verglich der "Breitbart"-Autor Milo Yiannopoulos Abtreibungen mit dem Holocaust, ermutigte Leser zum "Fat-Shaming" und schrieb: "Verhütung macht Frauen unattraktiv und verrückt."

In einem weiteren Artikel schrieb er, dass die Lösung für Online-Belästigungen einfach die sei, dass Frauen nicht ins Internet gehen. "Ich, Donald Trump und die restlichen Alpha-Männer werden weiterhin das Internet dominieren, ohne feministisches Gejammer“, so Yiannopoulos.

Ein weiterer „Breitbart“-Artikel trägt die Überschrift: "Was wäre Ihnen lieber: dass Ihr Kind Krebs hat oder Feminismus?"

Islamfeindliche Artikel

Unter Bannon erschienenen auf "Breitbart" zudem mehrere Islamfeindliche Beiträge. So schrieb die Bloggerin Pamela Geller, die unter anderem Präsidentin der Initiative Stop Islamization of America ist, für "Breitbart". Einer ihrer Artikel trägt die Überschrift: "Wie muslimische Migranten Gemeinden verwüsten".

Der ehemalige Sprecher von "Breitbart“ Kurt Bardella schrieb im Sommer in einem Beitrag für die amerikanische Zeitung "The Hill"über Bannon: "Steve führte die Seite und kontrollierte den Inhalt wie ein Diktator." Bardella warf Bannon vor, die Berichterstattung so zu verändern, dass sie die Ängste der Leser anspricht.

Bannon hat "Breitbart" mittlerweile verlassen und ist auf dem Weg ins Weiße Haus. Und "Breitbart News" hat derweil schon Expansionspläne. "Breitbart"-Chefredakteur Alexander Marlow kündigte bereits an, dass es Pläne gibt, die Webseite auch in Frankreich und Deutschland aufzubauen.

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