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Gute Mitarbeiter kündigen, weil Chefs häufig diesen Faktor übersehen

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GUTE MITARBEITER
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Es ist ein Konflikt, der viele von uns jeden Tag begleitet: Wir wissen, dass viel Arbeit und daraus resultierender Stress uns körperlich und psychisch schadet. Wir spüren, dass lange Arbeitszeiten unsere Beziehungen und Freundschaften langfristig gefährden. Gleichzeitig ist es nötig, ein hohes Maß an Energie und Zeit in den Beruf zu investieren, um erfolgreich zu sein.

Wer den Job nicht über alles andere stellt, der wird auf der Karriereleiter nicht sehr weit nach oben kommen, so glauben wir. Und Chefs nutzen das häufig aus, indem sie ihre besten Mitarbeiter am stärksten belasten - ein fataler Fehler, warnen Experten.

Es ist kontraproduktiv, gute Mitarbeiter zu überlasten

"Nichts macht Angestellte so kaputt, wie wenn sie sich überarbeiten", schreibt Unternehmer und Bestseller-Autor Travis Bradberry in einem Blog für die Huffington Post. "Es ist so verlockend, die besten Mitarbeiter stärker zu fordern. Deshalb tappen viele Chefs in diese Falle."

Es sei jedoch kontraproduktiv, gute Mitarbeiter mit zu viel Arbeit zu überhäufen. Bradberry zitiert eine Studie der Stanford University, die zu dem Ergebnis kam, dass die pro-Stunde-Produktivität drastisch sinkt, wenn die Arbeitswoche die 50-Stunden-Grenze überschreitet.

Die Produktivität sinkt sogar so stark, dass es sich ab 55 Stunden schon gar nicht mehr lohnt, mehr zu arbeiten.

Erfolgreiche Menschen stellen ihr Privatleben nicht hintan

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum es vielmehr im Interesse von Chefs sein sollte, dass ihre Mitarbeiter es mit den Überstunden nicht übertreiben:

Glückliche Mitarbeiter sind Menschen, die ihr Privatleben nicht zurückstellen müssen. Und glückliche Menschen leisten nicht nur bessere Arbeit, sie sind in ihrem Job auch zufriedener, weshalb es wahrscheinlicher ist, dass sie dem Unternehmen erhalten bleiben und nicht nach kurzer Zeit kündigen.

In einem Artikel für die "Harvard Business Review" erklärt Stewart D. Friedman, dass viele Menschen genau deshalb erfolgreich sind, weil sie es schaffen, alle Bereiche ihres Lebens in Balance zu halten, sodass Familie und Privatleben nicht zu kurz kommen.

"Es gibt viele sehr erfolgreiche Menschen in unserer Mitte, die ihre Größe nicht dadurch erreicht haben, dass sie ihre Familien, Gemeinden und ihr privates Ich im Stich gelassen haben, sondern indem sie diese Bereiche ihres Lebens fest umarmt haben", schreibt der Professor.

Mehr zum Thema: Diese 14 Dinge tun erfolgreiche Menschen jeden Tag

Erfolgreiche Menschen machen sich bewusst, was in ihrem Leben am wichtigsten ist

Diese Menschen haben es geschafft, eine Harmonie zwischen ihrem beruflichen und ihrem privaten Leben herzustellen. Für sein Buch "Leading The Life You Want" hat Friedman extrem erfolgreiche Menschen portraitiert, denen das gelungen ist. Seine wichtigste Erkenntnis fasst er so zusammen:

"Diese Menschen haben die bewusste Entscheidung getroffen, sich darüber klar zu werden, was und wer in ihrem Leben am wichtigsten ist. Ihre Taten - im Job und außerhalb - werden durch ihre Werte angetrieben."

Sich auf das zu fokussieren, was wirklich wichtig ist, sei der Schlüssel zu einem bedeutsamen und weniger erdrückenden Leben, glaubt Friedman.

Er hat drei Prinzipien verfasst, nach denen sich Sinnsuchende richten können:

1. Echtheit: Sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, bedeutet, sich klarzumachen, was für einen selbst wichtig ist. Es ist die individuelle Antwort auf die Fragen: Was ist mir am wichtigsten? Wofür möchte ich wirklich stehen? Ist es die Familie? Ist es ein kreatives Bestreben? Ist es spirituelles Wachstum?

2. Ganzheit: Ganzheitlich zu handeln bedeutet zu begreifen, dass die einzelnen Teile des Lebens sich gegenseitig beeinflussen. Dazu ist es nötig, sich bewusst zu machen, wer einem im Privatleben, am Arbeitsplatz und in der Gemeinde am wichtigsten ist und gleichzeitig zu verstehen, was man selbst von anderen braucht. So lässt sich erkennen, an welchen Stellen diese Bedürfnisse ineinandergreifen.

3. Innovation: Innovation entsteht durch das kreative Experimentieren mit Aufgaben: Herauszufinden, wie Tätigkeiten ablaufen müssen, sodass positive Resultate für einen selbst und die Menschen im eigenen Umfeld gibt entstehen. Es geht darum, in allen vier Bereichen zu gewinnen: Im Job, im Privatleben, in der Gemeinschaft und für die eigene Person.

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Gute Chefs unterstützen ihre Mitarbeiter beim Streben nach Balance

Menschen, die es schaffen, die verschiedenen Elemente in ihrem Leben miteinander in Einklang zu bringen, verfügen über eine Fähigkeit, die jeden Vorgesetzten interessieren dürfte.

Denn sie schaffen es auch in Projekten, einen Blick für die verschiedenen Bereiche zu entwickeln, die es zu vereinen gilt. Sie konzentrieren sich nicht nur auf einen, den vermeintlich wichtigsten Bereich, sondern sehen das ganze Bild. Und sie verfügen über ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, die es ihnen überhaupt erst ermöglicht, die Bedürfnisse der verschiedenen Parteien zu erspüren.

Mehr zum Thema: 9 Dinge, die erfolgreiche Menschen niemals tun

Natürlich muss jeder Mensch die Balance zwischen Beruf und Privatleben für sich selbst finden und genug Mut und Selbstliebe aufbringen, um sich bewusst dafür zu entscheiden, das Leben außerhalb des Berufs als gleichwertig oder sogar als Priorität zu betrachten.

Doch ein guter Chef wird seine Mitarbeiter auf diesem Weg unterstützen und nicht versuchen, dem Vorhaben durch eine zu hohe Arbeitsbelastung Steine in den Weg zu legen.

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(mf)