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Geheimtreffen mit Diplomaten: Wie der Westen jetzt schon versucht, Trump auf Kurs zu bringen

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Geheimtreffen mit Diplomaten: Wie der Westen jetzt schon versucht, Trump auf Kurs zu bringen | Carlo Allegri / Reuters
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Die Präsidentschaft Donald Trumps bereitet Diplomaten weltweit Sorgen. Im Wahlkampf traf der Republikaner einige brisante Aussagen darüber, wie er sich in der Weltpolitik positionieren wolle.

So versprach er eine Annäherung an Russland und eine Abkehr von der Vorreiterrolle der USA in der Nato. Zudem signalisierte er, er wolle die Einmischung der USA in internationale Konflikte reduzieren. Für internationale Politiker ist das ein Grund zur Sorge.

Das US-Magazin "Foreign Policy“ berichtet jetzt, dass diplomatische Vertreter aus Europa, Kanada und anderen wichtigen Nationen sich bereits Anfang der Woche mit James Carafano, einem hohen Berater Donald Trumps, getroffen hätten.

Ziel der Geheimsitzung: Den Vertreter Trumps von der Wichtigkeit bestehender Verträge zu überzeugen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen dabei die Verteidigungspolitik der Nato und das Nuklearabkommen mit dem Iran. Die internationale Gemeinschaft will Trump offenbar auf Kurs bringen, noch bevor dieser ins Weiße Haus eingezogen ist.

Trump will die Nato-Staaten zwingen, sich stärker selbst um ihre Sicherheit zu kümmern. Die EU-Staaten befürchten, dass das gemeinsame Verteidigungsbündnis an der isolationistischen Politik des Republikaners zerbrechen könnte.

Angst vor Abkehr vom Nuklearabkommen

Auch gegen das Nuklearabkommen mit dem Iran haben sich Trump und seine außenpolitischen Berater immer wieder klar positioniert. Der designierte Präsident sagte sogar, dieses sei "der schlechteste Deal, der je verhandelt wurde.“

Die Europäer fürchten, dass Trump – wenn er erst einmal im Amt ist – damit beginnen wird, bestehende Vertrage, Ordnungen und Bündnisse aufzukündigen und so den Frieden zu gefährden.

Gegenüber "Foreign Policy“ sagte ein namentlich nicht genannter UN-Diplomat: "Wir glauben weiter, dass das Iran-Abkommen das größte und beste ist, was in der jüngeren Vergangenheit passiert ist, um den Iran davon abzuhalten, an nukleare Waffen zu kommen.“

Gefährliche Annäherung an Russland

Osteuropäische Diplomaten hätten beim Geheimtreffen zudem an Carafano appelliert, die Annäherung der USA an Russland dürfe nicht auf Kosten der verletzlichsten Nato-Mitglieder passieren.

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In Estland, Lettland, Lithauen und Polen wächst die Angst vor einer zunehmenden Aggression Russlands. Eine Annäherung der Trump-Regierung an den russischen Präsident Wladimir Putin könnte für sie – in Kombination mit einer schwächelnden Nato – zur Zerreißprobe werden.

(bp)