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"Maybrit Illner": Den wahren Grund für den Erfolg der Populisten wollte keiner hören

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MAYBRIT ILLNER
Stefan Petzner konnte einen einleuchtenden Grund für das Erstarken der Rechtspopulisten nennen | ZDF Meditathek
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Wenn Stefan Petzner über das Erstarken des Populismus spricht, dann sollte man ihm zuhören. Denn man kann den Österreicher als jenen Mann bezeichnen, der ihn erfunden hat:

Als ehemaliger Sprecher von Jörg Haider machte er die FPÖ groß - jene Partei, die für Rechtspopulisten in ganz Europa später zum Vorbild wurde. Eine Rolle, auf die er heute nicht unbedingt stolz ist.

In Maybrit Illners Sendung "Der Trump-Effekt - Siegeszug der Populisten" sprach er die wahren Gründe für Trumps Wahlsieg an - doch leider hatte man nicht den Eindruck, dass die anwesenden Vertreter von CDU und SPD ihm zuhörten.

Wenn die Demokraten die Wähler für dumm und unvernünftig erklären, sei das die "beste Basis für eine Wiederwahl von Donald Trump", sagte der Politik-Berater.

Die Wähler wollen, dass man sich "vor dem Wahlergebnis ekelt"

Die Wähler wollten dem Establishment einen Denkzettel verpassen: "Wir wollen, dass ihr euch fürchtet, so kann es nicht weitergehen". Ja, die Wähler wollten sogar, dass man sich "vor dem Wahlergebnis ekelt".

Er zieht eine auf Pappe gedruckte Grafik unter dem Tisch hervor, die seiner Ansicht nach den wahren Grund für Trumps Erfolg zeigt: die Entwicklung der Reallöhne in den USA seit 1965. Die stieg bis in die 80er Jahre - danach brach sie dramatisch ein und fällt bis heute. "Wir sind ganz unten", schließt er aus der Grafik.

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In Europa böte sich das gleiche Bild. "118 Millionen Menschen in Europa, eine unfassbare Zahl, sind trotz Vollzeitjob armutsgefährdet". 40 Prozent der jungen Menschen in den Südstaaten Europas seien arbeitslos.

"Es braucht wieder eine gerechte Verteilung des Wohlstands - die Leute müssen mit ihrem Einkommen ein Auskommen haben." Doch die Leute fühlten sich von der Politik nicht verstanden.

Eigentlich sei jetzt die Zeit für klassische linke Politik - aber von links komme nichts. Auf ihrem Parteitag hat die Linke gerade eine Reichensteuer und die Abschaffung des Verbrennungsmotors beschlossen - was wiederum zu Jobverlusten in der Autoindustrie führen würde.

"Völlig an den Sorgen und Nöten der Menschen vorbei"

"Das geht völlig an den Sorgen und Nöten der Menschen vorbei." Kein Wunder, dass ihnen dann nur noch die Rechtspopulisten bleiben, um ihre Frustration zum Ausdruck zu bringen.

Klingt einleuchtend. Leider hat man nicht den Eindruck, dass die anwesenden Vertreter von CDU und SPD zuhören. "Haben sie den Rest der Sendezeit alleine?", unterbricht ihn der CDU-Politiker Jens Spahn rüde.

Hat Trump gewonnen, weil er besser getwittert hat?

Er liefert sich Scharmützel mit dem SPD-Wahlkämpfer Frank Stauss. Spahn beklagt, dass er nur noch "Frauen mit Kopftuch" sehe, wenn er durch die Straßen fährt. Stauss wiederum wirft ihm vor, dass er "Scheindebatten" führen würde. Hat man alles schon mal gehört. Der Blogger Sascha Lobo schließlich ist der Ansicht, dass Trump gewonnen habe, weil er bessere Twitter-Posts als Clinton geschrieben habe. Echt jetzt?

Das Urteil über die Sendung fällte Martina Böswald, eine Anwältin, die lange SPD-Mitglied war und jetzt für die AfD kandidiert: "Die Art, wie hier diskutiert wird, zeigt, warum es etablierte Politiker zunehmend schwer haben."

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(ks)