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Obamas Besuch wird zur "Gruppentherapie für Europas Staatschefs"

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BARACK OBAMA BERLIN
Barack Obama bei seinem letzten Berlin-Besuch im Juni 2013 | Michael Kappeler / Reuters
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US-Präsident Barack Obama hat viel, sehr viel getan, damit Hillary Clinton seine Nachfolgerin wird. Er hat sie zu Wahlkampfauftritten begleitet, hat alleine für sie getrommelt. Letztendlich erfolglos.

Fortwährend hatte Obama betont, dass Donald Trump ungeeignet für das Präsidentenamt sei. Und nun muss er ihn so unterstützen, dass die Machtübergabe klappt. Und er muss die verschreckten Partner der USA beruhigen.

Obamas letzte Europareise, die ihn an diesem Mittwoch nach Griechenland und am Abend auch nach Berlin führt, wird so zu einem Drahtseilakt, wie die internationale Presse kommentiert. Hauptaufgabe Obamas werde sein, Amerikas Verbündeten gut zuzureden. Dazu zählen Griechenland, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien - die Regierungschefs dieser Länder wird Obama während seiner Reise treffen.

"Obama als Trumps Pressesprecher"

Obama wird "vor allem damit beschäftigt sein, nervöse europäische Staatenlenker davon zu überzeugen, dass eine Trump-Präsidentschaft weniger schrecklich werden wird als befürchtet". So umreißt die österreichische Tageszeitung "Kurier" das Vorhaben während der Europareise. Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnet den scheidenden US-Präsidenten deswegen als "Donald Trumps Pressesprecher".

"Im Moment eines tiefen Schocks und Depression in Europa wird der Besuch zur einer Art Gruppentherapie für die europäischen Staatschefs werden", sagt "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe in der US-amerikanischen Tageszeitung "Wall Street Journal". Europa hoffe auf ein Zeichen Obamas, dass "die USA, wie man sie kennt, nicht völlig verschwinden".

Obamas "Abschiedstour" begann in Athen

Zwar bekräftigte der noch amtierende US-Präsident beim Auftakt seiner "Abschiedstour" ("Hessische Niedersächsische Allgemeine") in Athen die Verbundenheit der USA mit Europa und die Kontinuität durch die Nato. Jedoch wird Obama vor allem "den Europäern Trump erklären müssen", wie die das Magazin "Wirtschaftswoche" titelte.

Obamas Drei-Tage-Besuch werde "unweigerlich überschattet von der Eroberung des Weißen Hauses durch jenen Mann, dessen Sieg er verhindern wollte", ergänzt der die britische Tageszeitung "The Guardian". "Trumps Sieg hat eine Reise, die eigentlich dazu gedacht war, das Erbe der Außenpolitik Obamas vorzuzeigen, zu einem Versuch der Schadensbegrenzung werden lassen", kommentiert der "Guardian".

Das Bündnis zwischen den USA und Europa scheint aktuell zerbrechlich und ungewiss zu sein. Die britische Zeitung befindet folglich: "Obamas Charme kann nicht verbergen, dass seine Abschiedsreise nach Europa mehr düstere Vorahnungen als Optimismus bietet."

"Seufzer der Wehmut"

Jene Anziehungskraft Obamas werde derzeit aufgrund Trumps Wahlsieg durch eine "rosarote Brille" betrachtet, urteilt der Berliner "Tagesspiegel". "Im Vergleich zu seinem Nachfolger lassen sich Seufzer der Wehmut vernehmen." Der "Tagesspiegel" glaubt, dass Obama versuchen werde, Europa die Angst vor der neuen US-Regierung zu nehmen - mit Floskeln, die genauso gut wahr werden wie schiefgehen können.

Am Mittwoch wird Obama nach Berlin fliegen, erst um mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sprechen.

Der Besuch, der "eigentlich als Höflichkeitsgeste gegenüber Angela Merkel gedacht war", wurde durch die "spektakuläre Entscheidung des amerikanischen Volkes überschattet", bemerkt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"). "Obama wird mit Kanzlerin Merkel unter anderem darüber reden, wie gemeinsame Ziele auch nach seinem Abschied weiter verfolgt werden können", so die "FAZ" weiter.

Obamas krönt Merkel zum transatlantischen Anführer

Ähnliche Gespräche wird der scheidende US-Präsident am Freitag auch mit den Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens, Spaniens und Italiens führen.

Pessimistisch gibt sich die italienische Zeitung "Corriere della Sera". Sie findet, dass dieses "transatlantisches Treffen überholt erscheint". Denn momentan sehe es so aus, als hätte Trump kein großes Interesse an Europa. "Wenn, dann scheint es, als wolle er die besondere Beziehung zwischen Washington und London nach dem Brexit aufleben lassen", schreibt "Corriere della Sera".

Dennoch: "Obamas Krönung von Merkel zum transatlantischen Anführer ist eine Tatsache, die Trump in Erwägung ziehen muss."

Mit Material von dpa

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(sk)