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"Lügenmaschinerie": Nikab-Trägerin aus "Anne Will" fühlt sich falsch dargestellt

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  • Nora Illi war in der vergangenen Woche in der Talkshow von Anne Will zu Gast
  • Dabei sorgte die Muslima und Nikab-Trägerin durch ihre Aussagen für einen Skandal
  • Nun rechtfertigt sich Illi und klagt zugleich die Medien an

Der Auftritt von Nora Illi in einem Nikab in der "Anne Will"-Sendung "Mein Leben für Allah – warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen?" löste einen Medienskandal aus.

"'Anne Will' verkommt zur Propaganda-Sendung für den IS", titelte "Die Welt", der "Stern" sprach von einem "Skandal".

Nikab-Trägerin spricht von " Schubladendenken"

Nun wehrt sich Illi, die Frauenbeauftrage des Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS), in einem Interview mit dem Medien-Branchendienst "Meedia" gegen die Vorwürfe.

Sie spricht von Tatsachenverdrehung sowie Verleumdung und kündigt an, rechtlich gegen die Presse vorgehen zu wollen. "Einen Muslim als 'radikal' oder 'fundamentalistisch' zu bezeichnen ist in den Medien Standard. Dieses Schubladendenken muss ein Ende haben", sagte sie.

In dem Gespräch gibt sie den Medien die Schuld daran, dass sie muslimische Jugendliche radikalisieren.

"Medien betreiben eine absolute Radikalisierung"

"Die Medien betreiben derzeit eine absolute Radikalisierung mit ihrer Berichterstattung, weil sie zu einer absoluten Solidarisierung führt – gerade von jungen Muslimen, die sich von solchen Bewegungen wie dem IS angezogen fühlen. Klar, dass sie sich bei den ganzen Vorurteilen in den Medien geradezu bestätigt fühlen. Die Medien sind kontraproduktiv auf allen Ebenen."

Im Interview mit "Meedia" sagte sie, ihre Äußerungen seien nicht richtig dargestellt worden. "Meinen klaren Statements in der Sendung, wie zum Beispiel die klare Distanzierung vom sogenannten IS, wird keine Rechnung getragen."


In der Talkshow hatte ein früheres Zitat Illis für Unverständnis unter den Gästen gesorgt
. Darin bezeichnete sie den Dschihad als "Langzeitprüfung mit Hochs und Tiefs".

"Eine einmalige Lügenmaschinerie"

In einem Einspieler zitierte die Sendung einen Text von Illi. Es sei "gar nichts daran auszusetzen, wenn man im gelobten Syrien gegen die Schergen Assads und für Gerechtigkeit kämpfen" wolle, sagte sie darin. "Eine solche Überzeugung muss man, in den hiesigen Kontext übersetzt, als Zivilcourage hochloben." Wie eine Distanzierung vom Dschihad klang das nicht.

"Wenn wir uns die Fakten in Bezug auf die 'Anne Will'-Sendung anschauen, hat sich eine einmalige Lügenmaschinerie in den Gang gesetzt", sagte Illi nun im "Meedia"-Interview.

"Wie kann man mir IS-Propaganda oder die Verteidigung der IS-Ideologie vorwerfen, wenn ich versuche, einen Diskurs auf Augenhöhe zu führen?"

Konkret kündigte sie an, rechtlich gegen die "Bild"-Zeitung vorgehen zu wollen. Die hatte sie nach dem TV-Auftritt ohne Schleier gezeigt. "Wenn sich jemand seit mehreren Jahren aus religiösen Gründen verschleiert und dann ein solches Foto publiziert wird, ist das definitiv ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und dagegen sollte rechtlich vorgegangen werden", so Illi.

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(mf)