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"Guter Witz": Bei diesen Worten Maischbergers blieb Scheuer der Mund offen

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SCHEUER
Andreas Scheuer bei "Maischberger" | ARD Mediathek
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Diese "Maischberger"-Talkrunde war anders. Statt der gewohnten Sessel-Runde saßen Zuschauer aus ganz Deutschland auf kleinen Hockern im Studio verteilt.

Die Moderatorin bat zum ersten Mal das Publikum zu sich ins Studio "und zwar nicht, weil es klatschen soll", wie sie zu Beginn der Sendung sagte. "Wir wollen streiten!", kündigte sie an.

Und das lief überraschend zivilisiert ab. Es ging um das heikle Thema Islam. Titel der Sendung: "Angst vor dem Islam – Alles nur Populismus? " Unter den Menschen saßen Trump-Freunde und Trump-Gegner, Befürworter eines Burka-Verbots und Menschen, die es ablehnten, Moscheen-Gegner und Moscheen-Erbauer. Es war wohltuend zu sehen, wie sachlich und respektvoll die Debatte verlief.

"Muslimischen Frauen sollen selbst entscheiden können"

"Alle Bürger müssen gleichbehandelt werden, gleich welcher Religionszugehörigkeit", sagte zum Beispiel eine Frau aus Münster. Auch die Gegner von Burka und Moscheenbau hatten kein Problem mit dem Glauben an sich - es ging um die Details.

Eine Frau aus Wuppertal begründete ein Verbot der Gesichtsverschleierung mit dem Vermummungsverbot. "Ich bin dafür, dass die muslimischen Frauen es selbst entscheiden können", sagte hingegen eine andere zum Burka-Verbot.

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Ein Moscheen-Gegner aus Erfurt beklagte, dass er in die rechte Ecke gestellt werde. Dabei habe er kein Problem mit dem Islam - er möchte nur nicht ein hohes Minarett am Ortseingang sehen. Ein Gebetsraum tue es auch.

Suleman Malik von der Erfurter islamischen Gemeinschaft Ahmadiyyah dagegen sagte, eine Moschee ohne Minarett sei wie eine Kirche ohne Turm. Trotzdem hatte man das Gefühl - wenn die beiden miteinander reden, können sie eine Lösung finden.

Scheuer poltert gegen die Integrationsbeauftragte

Unterdies fiel der CSU-Politiker Andreas Scheuer auf. Er war in dem gewohnten Talkshow-Modus eines Politikers: polemisierte, ignorierte Fragen, unterbrach seine Gesprächspartner.

Er hatte sich auf die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, eingeschossen. Er griff sie wegen ihrer kritischen Äußerungen zu den Razzien gegen Salafisten an.

"Die Durchsuchungen gestern haben ja gezeigt: Es ist nicht willkürlich, wie es die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung gesagt hat, was das Innenministerium gemacht hat, sondern dass es eine wirkliche politische Frage ist“, polterte der CSU-Mann.

"Die Burka ist etwas ganz Schreckliches"

Doch die nimmt ihn den Wind aus den Segeln. "Ich war gestern zu schnell", gibt Özuguz unumwunden zu.

Özuguz begründete ihre Ablehnung eines Burka-Verbots, dass ohnehin nur eine "Scheindebatte" sei: "Die Burka ist etwas ganz Schreckliches. Und ich kenne wirklich keine Frau, die freiwillig eine Burka trägt. Aber wenn wir wirklich an diese Frauen denken, dann möchte ich auch mit ihnen arbeiten können, dass sie die Burka ablegen. Und dann dürfen sie nicht von der Straße verschwinden, weil wir es ihnen unmöglich machen, das Haus zu verlassen.“

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"Also halten wir fest: Die Integrationsministerin der Bundesrepublik akzeptiert die Unterdrückung der Frau", polterte Scheuer übel gelaunt. Das ging auch Moderatorin Maischberger zu weit. "Das hat sie nicht gesagt, aber es ist ein guter Witz."

Der reagierte beleidigt und forderte sofort eine Entschuldigung. "Oooch, Herr Scheuer", warf Özoguz von der Seite ein. Aber tatsächlich nahm Maischberger ihre Äußerung sofort zurück. "Ich entschuldige mich in aller Form und streiche es aus dem Protokoll."

Dennoch machte die Sendung Hoffnung: Wenn wir uns zusammensetzen und reden, können wir eine Lösung finden. Und die Politiker können gerne draußen bleiben.

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(mf)