Huffpost Germany

FBI bestätigt: Hasskriminalität gegen Muslime in den USA dramatisch gestiegen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ISLAMOPHOBIA USA
Die Hasskriminalität gegen Muslime in USA ist innerhalb eines Jahres dramatisch gestiegen | Sandy Huffaker / Reuters
Drucken
  • Laut eines FBI-Berichts ist die Hasskriminalität gegen Muslime in den USA innerhalb eines Jahres um 67 Prozent gestiegen
  • Nach der Wahl des Republikaners Donald Trump berichten auf Twitter tausende Amerikaner von Bedrohungen durch Trump-Unterstützer
  • Die Nichtregierungsorganisation SPLC meldet mindestens 300 Vorfälle seit der Wahl Trumps

Während die amerikanische Rechte den Sieg des Republikaners Donald Trump feiert, breitet sich vor allem unter Muslimen, Schwarzen, Frauen und Mitglieder der LGBT-Community in sozialen Netzwerken ein Klima der Angst aus.

Nach der Wahl Trumps, der durch islamophobe, fremdenfeindliche, anti-semitische und sexistische Parolen auf sich aufmerksam gemacht hatte, fürchten sie den Hass jener Wähler, die Trumps Hetze nun in Taten umsetzen.

Auf Twitter sammeln sich tausende Posts, in denen Menschen davon berichten von Trump-Anhängern, aufgrund ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer sexueller Orientierung oder ihrer Herkunft bedroht worden zu sein.

Zahl der Übergriffe auf Muslime in den USA steigt um 67 Prozent

Eine nun veröffentliche Statistik Statistik des FBI bestätigt den Trend. Diese zeigt: Die Zahl der hassmotivierten Straftaten in den USA ist insgesamt in nur einem Jahr - von 2014 auf 2015 - um rund 6 Prozent gestiegen.

Besonders schockierend: Allein die Zahl der Übergriffe auf Muslime stieg innerhalb eines Jahrs um 67 Prozent: von 154 Angriffen im Jahr 2014 auf 257 im Jahr 2015. Mehr Übergriffe auf Muslime in den USA gab es lediglich im Jahr 2001 - nach den Terroranschlägen am 11. September.

Die am stärksten bedrohte religiöse Gruppe in den USA bleiben laut des Berichts allerdings Juden. 664 Angriffe auf jüdische Mitbürger vermerkte das FBI 2015 – neun Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Hassmotivierte Übergriffe auf Schwarze stiegen laut des Berichts im selben Zeitraum um 8 Prozent, Straftaten gegen Mitglieder der LGBT-Community um 5 Prozent. Die Zahl der Angriffe auf Latinos blieb gleich hoch.

Mindestens 300 Vorfälle hassmotivierter Belästigung nach Wahl Trumps

Für das Jahr 2016 liegen zwar noch keine Zahlen vor. Die negative Entwicklung scheint nach der Wahl Donald Trumps am 8. November allerdings ein neues Hoch zu erleben.

Bereits In den ersten zwei Wochen nach der Wahl des Republikaners wurden mindestens 300 Vorfälle von hassmotivierter Belästigung gemeldet. Das geht aus einem Bericht der Non-Profit-Organisation "Southern Poverty Law Center" (SPLC) hervor, der dem amerikanischen Nachrichtensender "NBC News" vorliegt. Laut SPLC bezogen sich viele der Täter direkt auf Trumps Sieg.

Zuvor hatte der bekannte amerikanische Bürgerrechtler Shaun King auf Twitter bereits hunderte hassmotiverte Übergriffe und Bedrohungen gegen Muslime, Frauen, Schwarze, Juden und Mitglieder der LGBT-Community gesammelt, die sich nach der US-Wahl ereigneten.

Bürgerrechtler geben Trumps hasserfüllter Rhetorik Teilschuld an Entwicklungen

Zwar konnte SPLC laut "NBC" aufgrund der großen Anzahl der Vorfälle bisher nicht alle 300 gemeldeten Vorfälle verifizieren. Der Nachrichtensender selbst bestätigte laut eigener Aussage allerdings Dutzende der gemeldeten Übergriffe.

Die Interessenvertretung der amerikanischen Muslime, das "Council on American-Islamic Relations" (CAIR), zeigte sich schockiert über die FBI-Erkenntnisse. "Die politischen Leitfiguren müssen der wachsenden Islamophobie entschieden entgegentreten", forderte CAIR-Vorstand Robert McCaw im Interview mit dem Nachrichtensender "CNN".

Amerikanische Medien, Bürgerrechtler und Demokraten geben der aufgeheizten Wahlkampfrhetorik des kommenden Präsidenten Donald Trump zumindest eine Teilschuld an den aktuellen Entwicklungen.

In seinem ersten TV-Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender "CBS" seit der Wahl reagierte Donald Trump überrascht auf die Nachricht der Übergriffe auf Muslime und Latinos in seinem Namen.

"Ich bin so traurig, das zu hören", sagte Trump im Interview mit der Journalistin Lesley Stahl. Zur Kamera gerichtet, fügte er hinzu "Ich sage: 'Hört auf'".

Ob diese Worte die Welle des Hasses stoppen können, ist fraglich. Auch die Nachricht über Trumps Chefstrategen-Wahl tut nichts zur Beruhigung der Bevölkerung.

Beförderung Bannons entsetzt Demokraten und erfreut den KKK

In dem 62-Jährigen Stephen K. "Steve" Bannon holt sich Trump eine schillernde, ultrakonservative Figur in sein nächstes Umfeld im Weißen Haus. Mit der Webseite "Breitbart News" operierte Bannon jahrelang offen nationalistisch und auch antisemitisch am rechten Rand.

Demokraten zeigten sich entsetzt über Bannons Beförderung. "Es ist leicht zu verstehen, warum der Ku-Klux-Klan Trump als seinen Helden ansieht, wenn Trump einen der führenden Vertreter von Ideologien weißer Überlegenheit und Rhetorik zu seinem Top-Berater ernennt", kritisierte Adam Jentleson. Er ist Sprecher des demokratischen Minderheitsführers im Senat, Harry Reid.

Der rassistische und gewalttätige Geheimbund Ku-Klux-Klan hatte die Wahl Trumps öffentlich gefeiert - und befürwortete in einem aktuellen Interview mit "CNN" auch Bannons Nominierung.

Die Wahl hat aus Sicht des Islam-Experten Shadi Hamid von der US-Denkfabrik "Brookings Institution" weitreichende Auswirkungen:

"Für viele von uns war das nicht nur normale Politik. Es ging um die Sicherheit unserer Familien und Gemeinden. Deswegen ist es so beängstigend", schreibt er auf Twitter. Er mache sich Sorgen um seine Eltern. "Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich über Politik geweint."

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

Aggressiver Kandidat: Donald Trump verspricht: Als Präsident schicke ich alle Flüchtlinge wieder nach Hause

(mf)