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"Stalinistische Säuberungen": In Trumps Übergangsteam kämpft nun jeder gegen jeden

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DONALD TRUMP
Donald Trump mit dem republikanischen Mehrheitsführer Mitch McConnell in Washington | Joshua Roberts / Reuters
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Bis Januar hat der designierte US-Präsident Donald Trump noch Zeit, um mit seinem Übergangsteam ein Kabinett zu bilden. Doch die Regierungsbildung wird zum Krimi.

Reporter belagern den Trump Tower und vermelden jedes bekannte Gesicht, das durch die Drehtür geht, als Top-News. Machtkämpfe um Posten und unklare Zuständigkeiten im Lager Trumps überschatten die Vorbereitungen auf den Machtwechsel.

Trump: "Ein sehr organisierter Prozess"

Am Mittwochmorgen (deutscher Zeit) meldete sich Trump auf Twitter, und schrieb von einem "sehr organisierten Prozess".

Chaos wahrscheinlicher als Ordnung

Alle Anzeichen deuten aber eher darauf hin, dass in Trumps Übergangsteam das Chaos herrscht. Verschiedene Gruppen darin "kämpfen um die Macht", sagte eine ihm nahestehende Person am Dienstag der Nachrichtenagentur AP.

Das letzte Opfer der Machtkämpfe: Der Ex-Abgeordnete Mike Rogers, ein geschätzter republikanischer Berater in Fragen der nationalen Sicherheit, kündigte seinen Rückzug aus dem Übergangsteam an.

Nach Angaben des Senders NBC wurde Rogers Opfer einer "stalinistischen Säuberung", wie eine Quelle aus seinem Umfeld berichtet. Demnach soll Rogers aus dem Übergangsteam geschmissen worden sein, weil er dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, zu nahe stand.

Christie wiederum war einer der ersten Unterstützer Trumps und leitete bis Freitag das Übergangsteam, bevor er am Freitag durch den designierten Vizepräsidenten Mike Pence ersetzt wurde.

Warum Christie plötzlich Pence weichen musste, ist unklar. Anscheinend geht es um seine Verwicklungen in den "Bridegate"-Skandal. Beamte aus dem Umfeld Christies sollen die George Washington Bridge in September 2013 geschlossen und absichtlich für massive Staus gesorgt haben, um einen demokratischen Bürgermeister zu bestrafen, weil dieser Christie nicht bei einer Wahl unterstützt hatte.

"Angewidert"

Vor Gericht steht nun allerdings nicht Christie, der jede Verantwortung abstreitet, sondern eine Mutter, der nun bis zu 20 Jahre Haft drohen.

Nach Angaben der "New York Post" soll Trump von Christies Verhalten "angewidert" gewesen sein. "Trump mag es nicht, wenn eine verheiratet Frau mit Kindern zum Opfer der Politik wird", soll eine Quelle aus dem Umfeld Trumps der Post gesagt haben.

Die Degradierung von Christie und seinen Verbündeten brachte aber neue Probleme mit sich. Christie hatte seit Monaten die Regierungsbildung vorbereitet. Er hatte das "Memorandum of Understanding" mit dem Weißen Haus unterzeichnet und war somit der Ansprechpartner für Barack Obamas Regierung. Mit seinem Rauswurf gab es keine Schnittstelle zum Weißen Haus mehr.

Jetzt soll Pence den Job übernehmen - doch zuvor müssen erst alle Übereinkommen, die zwischen dem Weißen Haus und Christie abgeschlossen wurden, auf Pence übertragen werden. Das kann dauern, alle Beteiligten auf etwaige Interessenkonflikte überprüft werden müssen.

Die Sache mit der Erfahrung

Trump und Pence müssen bei der Regierungsbildung anscheinend von vorne anfangen. Am Dienstagabend beriet sie sich über die Besetzung wichtiger Kabinettsposten. Nach sechs Stunden verließ Pence den Trump Tower in Manhattan, verlor jedoch kein Wort über das Gespräch.

Einen Rückschlag musste Trump hinnehmen: Ben Carson gab an, dass er Trump nicht zur Verfügung stehe. Der schwarze Neurochirurg war als Leiter des Department of Health and Human Services im Gespräch gewesene. Carson wäre der einzige Farbige in Trumps Kabinett gewesen. Als Grund nannte er fehlende Regierungserfahrung. Interessantes Argument - schließlich hat auch Donald Trump noch nie einen Regierungsposten belegt.

Gestern sahen Reporter dafür Ted Cruz im Trump Tower ein- und ausgehen.

Cruz' Auftauchen im Trump Tower überrascht - hatte er doch im Juli die Republikaner aufgerufen, nicht für Trump zu stimmen. Der Senator aus Texas wollte Reportern nicht verraten, was er mit Trump besprochen hatte oder ob ihm ein Regierungsposten angeboten worden war.

Er sagte aber, er freue sich darauf, mit Trump und Pence daran zu arbeiten, "Obamacare zu widerrufen" und einen "starken, konservativen Verfassungsgerichtshof zu bestellen". Cruz war in der Vergangenheit als knallharter Abtreibungsgegner aufgefallen.

Auch mit einem Video, in dem er Speck auf dem Lauf eines Maschinengewehrs brät, hatte er für hochgezogene Augenbrauen gesorgt.

Mit Material der AP

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(sk)