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Postnatale Depression: "Der Moment, in dem ich Angst hatte, mein Kind zu verletzen"

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MAZZA
Laura Mazza mit ihrem ersten Sohn Quelle: Facebook | Facebook/Laura Mazza
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Sie saß tagelang bei heruntergelassenen Jalousien in der Dunkelheit. Allein die Vorstellung, das Haus zu verlassen, jagte ihr Angst ein. Sie fürchtete sich davor, dass Menschen sie für eine schlechte Mutter halten könnten und malte sich Schreckens-Szenarien aus, wie jemand ihr Baby entführte oder es verletzte.

Die Australierin Laura Mazza litt nach ihrer ersten Geburt unter einer postnatalen Depression.

In der australischen Ausgabe der "Daily Mail" sprach die zweifache Mutter über den Moment, als ihr zum ersten Mal bewusst wurde, dass etwas mit den Gefühlen, die sie für ihr Kind hatte, nicht stimmte - und die Angst, die das bei ihr auslöste.

"Ich habe ihn geschüttelt. Es hat mir Angst gemacht"

"Ich habe meinen Sohn in seinem Kinderkörbchen geschaukelt", erzählte sie der "Daily Mail". "Ich habe ihn nicht hochgenommen, weil mir gesagt wurde, man solle das nicht machen. Als er zu schreien begann, habe ich ihn immer stärker und stärker geschaukelt.

Dann habe ich ihn geschüttelt. Es war nicht doll genug, um ihn zu verletzen, aber es hat mir Angst gemacht."

Dieser Vorfall führte dazu, dass Laura Mazza sich Hilfe suchte. Sie erzählte ihren Freunden und ihrer Familie von ihrer Depression. Zusätzlich holte sie sich professionelle Hilfe bei einer Organisation in Australien, die sich auf die Unterstützung von postnatal depressiven Frauen spezialisiert hat.

Mittlerweile führt sie einen Blog und hat tausende Fans

Seitdem sie Unterstützung bekommt, geht es Laura besser. Sie steht offen zu ihrer Erkrankung und dazu, dass sie nun Anti-Depressiva nimmt. Mittlerweile schreibt sie sogar einen Blog über ihre Depression: "Mum on the Run."

"Wir fühlen uns manchmal alleine auf dieser Welt, aber das sind wir nicht. Deshalb habe ich diesen Blog gestartet", schreibt die Mutter darin. "Wenn ich nur einer einzigen Mutter helfen kann, die kofferschwere Augenringe hat und sich wie eine Versagerin fühlt und dessen einziger Trost es ist, sich für fünf ruhige Minuten auf der Toilette zu verstecken, dann meine Freunde, habe ich meinen Zweck auf dieser Welt erfüllt.

Unter dem Post sind Fotos von ihr und ihren zwei kleinen Kindern zu sehen. Laura Mazza sieht glücklich aus.



Auch auf Facebook hat sie schon mehr als 12.000 Fans. Dort und auf ihrem Blog schreibt sie darüber, wie sehr sie ihre Kinder liebt, aber auch, wann sie Probleme mit ihnen hat.

Sie erklärt, warum es okay ist, ab und an eine schlechte Mutter zu sein, weil keine Frau auf dieser Welt perfekt ist. Und darüber, wie es sich anfühlt, täglich Tabletten zur Stimmungsaufhellung schlucken zu müssen.



Es ist wichtig, dass es Frauen wie Laura Mazza gibt, die ganz offen zu ihrer postnatalen Depression stehen und sie so darstellen wie sie ist: Als eine Krankheit, die jede Frau treffen kann. Denn die Anzahl von Frauen, die unter einer postnatalen Depression leiden, ist hoch.

In einer Studie untersuchten amerikanische Wissenschaftler des "Northwestern Asher Center for the Study and Treatment of Depressive Disorders" 10.000 Frauen auf Anzeichen der Krankheit.

Bei 14 Prozent der Frauen stellten sie eine postnatale Depression fest. Von den Frauen, die die Diagnose bekamen, dachten mehr als 19 Prozent daran, sich etwas anzutun.

Doch die wenigsten sprachen darüber. Es den Frauen anzumerken, ist für Außenstehende oft schwer.

Viele Betroffene denken an Selbstmord

In einem viel beachteten Blog in der Huffington Post schrieb eine junge Amerikanerin über ihre Freundin, die sich wegen einer postnatalen Depression das Leben genommen hatte.

"Sie war wunderbar, stand mitten im Leben, war lustig, loyal und klug und man konnte sich auf sie verlassen. Und sie kämpfte mit Wochenbettdepressionen - und ich wusste von nichts", schrieb sie.

Sie hätte nie damit gerechnet, dass ihre Freundin sich das Leben nehmen würde. Es gab keine Anzeichen. Viele Mütter verbergen ihre Depression aus Scham.

"Wenn unser Weg zur Mutterschaft nicht voller Blumen und Schmetterlinge ist, dann fühlen wir uns schuldig und beschämt", erklärt die Bloggerin.

Mehr zum Thema: Mutter von vier Monate altem Baby nimmt sich das Leben

Umso wichtiger ist es, dass Mütter, aber auch Familie und Freunde mögliche länger andauernde Symptome nicht als bloße Stimmungsschwankungen abtun. Das Deutsche Bündnis gegen Depression e.V. informiert auf seiner Website über die Symptome, die typischerweise mit einer postnatalen Depression einhergehen.

Man sollte Symptome ernst nehmen

Dass Mütter nach der Geburt für einen kurzen Zeitraum besonders leicht reizbar und emotional labil seien, sei normal. Hält dieser Zustand aber für länger an, bestehe Grund zur Sorge.

Oft fällt es den Müttern demnach schwer, warme Gefühle für das eigene Kind zu entwickeln. Dennoch sorgen sie sich fast unentwegt übermäßig um ihr Kind, so wie es auch Laura Mazza tat. Die größte Angst dieser Mütter ist oft, eine schlechte Mutter zu sein oder von anderen Menschen dafür gehalten zu werden.

Wenn Frauen merken, dass sie Symptome zeigen, sollten sie einen Arzt aufsuchen. Postnatale Depressionen sind etwas völlig Normales. Es ist kein Anzeichen für persönliches Versagen, sondern eine Krankheit, die behandelt werden kann.

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(glm)