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"Hart aber fair" zeigte, dass die Ära der politischen Korrektheit vorbei ist

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Seit sechs Tagen ist alles anders. Am Morgen des neunten November sind wir in einer anderen Welt aufgewacht. Das zeigte auch ein Satz in der Talk-Sendung "Hart aber fair" am Montagabend (im Video oben). Titel: "Trump und wir – was nun?"

Es war eine Sendung voller Einsicht und Konsens – und das, obwohl die AfD-Politikerin Beatrix von Storch unter den Gästen saß.

Der SPD-Politiker Thomas Oppermann übte überraschend Selbstkritik. Er fragte sich, wie es komme, dass gewählte Politiker wie er auf einmal von den Menschen als Teil einer "Elite" wahrgenommen würden. Und landet auf der Suche nach der Antwort bei der Diskussionskultur.

Politische Korrektheit als Problem?

"Oft hatten Menschen das Gefühl, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie sich zum Thema Flüchtlinge äußern, ob sie das Richtige sagen. Und dass sie schnell in eine bestimmte Ecke gestellt werden", so Oppermann.

"Viele Menschen haben das Gefühl, dass eine bestimmte Meinung verlangt wird, und dass sie sich lieber gar nicht äußern, wenn sie dieser Meinung nicht 100-prozentig entsprechen."

Mit anderen Worten: Oppermann sieht die politische Korrektheit als Problem.

"Haben Sie nicht auch dazugehört?", fragte Moderator Frank Plasberg Oppermann. Und das war der entscheidende Satz - man beachte die Vergangenheitsform, als sei die Ära der politischen Korrektheit schon lange vorbei.

Pleitgen: "Haben wir es mit der politischen Korrektheit übertrieben?"

Der SPD-Politiker bat darum, etwas Selbstkritik üben zu dürfen. "Der Bundestag hätte über diese Fragen viel offener diskutieren müssen", sagte Oppermann. "Das ist ein Versäumnis, das es damals gegeben hat."

"Na endlich!", entfuhr es Plasberg.

Sofort stimmt auch der WDR-Intendant Fritz Pleitgen in die Selbstkritik ein. "Wir müssen uns fragen, ob wir es mit der politischen Korrektheit übertrieben haben", sagte er. Menschen, die eine abweichende Meinung hätten, seien aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden. "Hätten wir die Ereignisse wie etwa in Köln in der Silvesternacht vorhersehen können?", fragt er.

"Die EU ist eine Lebenslüge"

Die Eliten trafen sich bei Plasberg, um ihre Fehler zu überdenken. Auch die Europäische Union wurde angegangen. "Eine Lebenslüge, die von allen mitgetragen wurde", nannte sie der Politikwissenschaftler Christian Hacke. Er bezeichnete die Wahl Donald Trumps als einen "Wake-Up-Call für die Eliten".

Nicht nur die Selbstkritik von Oppermann und Pleitgen zeigt, dass wir in einer neuen Zeit leben. Auch die Tatsache, dass die AfD-Politikerin Beatrix von Storch in der Runde saß und als gleichwertiger Gesprächspartner akzeptiert wurde, weist daraufhin, dass sich viel verändert hat.

So sagte Moderator Plasberg zum Kurswechsel der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik. "Muss man dazu nicht auch sagen, das war ein Verdienst der AfD, dass sie Dinge gefordert hat, die am Anfang mit ‚bäh bäh‘ etikettiert worden sind“, die aber dann hinterher beschlossen worden sind?"

"Die Menschen werden eine Handgranate ins System werfen wollen"

Die AfD-Frau sieht Trumps Sieg als "ein Signal dafür, dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen" – auch bei uns.

"Es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die nicht mehr mitgenommen sind, die mit den normalen Einkommen keine Familie mehr unterhalten können – obwohl die Steuern sprudeln.“

Zu viele seien abgehängt und fänden sich "nicht mehr in Banken, Kirchen, Gewerkschaften und Medien" wieder. "Die wollen etwas anderes." Keiner der Gäste widersprach.

Sandra Navidi, Finanzexpertin aus den USA, sieht einen "Kulturkampf" in den USA. Nur noch eine "IQ-Elite" erfahre Anerkennung, viele Menschen würden abgehängt, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in ihrer Identität und Würde. Auch in Deutschland finde gerade diese Entwicklung statt. Dann brauche nur noch der Richtige zu kommen - wie in den USA.

"Die Menschen werden auch hier eine Handgranate ins System werfen wollen", warnte sie.

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(sk)