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Zwei Drittel der Deutschen finden, die Politik nehme ihre Sorgen nicht ernst

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Paul Ziemiak | Kai Pfaffenbach / Reuters
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Zwei Drittel der Deutschen glauben, die Spitzenpolitiker würden die Sorgen der Menschen nicht ernst genug nehmen. Das hat eine Umfrage des Instituts Emnid für die "Bild am Sonntag" ergeben.

Es ist ein alarmierendes Ergebnis - auch wenn es nach zahlreichen Umfragen, die die Enttäuschung der Menschen über die Politik dokumentierten, nicht überraschend kommt. Der Sieg des Republikaners Donald Trump in den USA hat gezeigt, dass die Unzufriedenheit und das Gefühl, nicht respektiert, nicht ernst genommen zu werden, alle politischen Gewissheiten, alle Gepflogenheiten über den Haufen werfen kann.

Und hier wie in den USA zeigt sich: Vor allem Menschen mit niedriger Bildung fühlen sich verachtet, abgehängt. Unter den Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluss waren 72 Prozent der Ansicht, dass ihnen die Politik nicht mehr zuhöre.

Ziemiak: "Viele Menschen sind es leid, dass mehr über Gender-Klos als über Arbeitsplätze gesprochen wird"

Politiker in Europa zeigen sich erschrocken - und fordern, dass man das unbedingt ändern müsse. Der ehemalige CSU-Politiker Peter Gauweiler sagte der Regionalzeitung "tz", man müsse die Befürchtungen der Bürger wieder ernst nehmen, die Angst vor wirtschaftlichem Niedergang und Sorge um die Sicherheit. Er fordert, die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands etwa bei Freihandelsabkommen stärker durchzusetzen und die Bundeswehr aus Bürgerkriegsregionen abzuziehen.

Paul Ziemiak, Chef der Jungen Union, sagte "BamS": "Viele Menschen sind es leid, dass mehr über Gender-Klos als über Arbeitsplätze gesprochen wird.“

FDP-Chef Christian Lindner griff im Gespräch mit der Zeitung Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an: "Die Regierung Merkel hat sich von den Problemen der Mittelschicht abgekoppelt und redet nur über Bankenrettung, überzogenen Klimaschutz und teure Bürokratie. Priorität müssen aber sichere Städte, gute Straßen, beste Bildung haben und eine faire Chance, im Leben voranzukommen.“

Auch in Österreich sind solche Überlegungen zu hören. Marion Mitsche, Landessprecherin der Kärntner Grünen, etwa sagte: "Wenn man mit populistischen Aussagen ohne Programm und Umsetzungskompetenz Wahlen gewinnen kann, ist das ein klares Zeichen dafür, dass auf die Lebenssituationen der Menschen zu wenig eingegangen wird. Die Politik muss die Ängste und Probleme der Menschen endlich ernst nehmen und an Lösungen arbeiten", so Mitsche.

Packen wir es an

Die Politik steht vor einem Balanceakt: Sie muss sich das Vertrauen der Enttäuschten wieder verdienen, wieder erarbeiten. Darf aber nicht versäumen klarzumachen, wo die Grenze zwischen berechtigtem Anliegen der Bürger und Rassismus oder Nationalismus ist.

Die Politik, aber auch die Medien müssen einen Mittelweg finden zwischen "linksliberaler Schnappatmung", wie es ein Kommentator von "Zeit Online" jüngst nannte, und rechtem Populismus.

Leicht wird das nicht. Es wird viele Diskussionen erfordern. Viel Zuhören, viel Nachdenken, viel Hinterfragen, der eigenen und der anderen Positionen. Packen wir es an.

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