Huffpost Germany

Erstes TV-Interview nach der Wahl: Was Donald Trump sagte - und was er wirklich meinte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP IVANKA
Donald Trump mit seiner Tochter Ivanka Trump | Carlo Allegri / Reuters
Drucken

Donald Trump hat das erste TV-Interview nach seinem Wahlsieg gegeben. 60 Minuten lang stellte er sich den Fragen der CBS-Journalistin Lesley Stahl. In dem Gespräch gab sich der Poltergeist überraschend staatsmännisch. Über Nacht scheint er die Sprache der Diplomatie gelernt zu haben: Über seine Konkurrenten sagte er nur Gutes, auf politische Ziele wollte er sich nicht festlegen. Nur zum Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko machte er eine eindeutige Angabe.

Hier die wichtigsten Aussagen aus dem Interview - und was Trump wirklich sagen wollte.

1. Zum Gespräch mit Bill und Hillary Clinton

Trump schwärmte geradezu von seiner geschlagenen Rivalin Hillary Clinton und ihrem Mann Bill. Hillary habe ihm in einem "reizenden" Telefonat in der Wahlnacht zu seinem Sieg gratuliert, sagte Trump dem Sender CBS. "Sie hätte nicht netter sein können. Sie sagte schlicht, 'Glückwunsch Donald, gut gemacht' - und ich antwortete: 'Du warst eine großartige Konkurrentin.' Sie ist sehr stark und sehr klug."

Bill habe ihn dann am Donnerstag nach der Wahl angerufen, und auch er "hätte nicht freundlicher sein können. Er sagte, es sei ein erstaunliches Rennen gewesen - das erstaunlichste, das er jemals gesehen habe. Er war sehr, sehr, wirklich sehr nett."

Was er wirklich meinte: Ich habe in meiner eigenen Partei mehr Feinde als bei den Demokraten - besser, ich stelle mich gut mit den Clintons.

2. Zum Bau einer Mauer

Trump bekräftige seine plakativste Wahlkampfforderung: den Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze. Allerdings würde er sich an einigen Stellen auch mit einem Zaun zufriedengeben. Als Stahl ihn auf dieses Thema ansprach, gab er eine entschiedene Antwort.

Stahl: "Werden Sie wirklich eine Mauer bauen?"
Trump: "Ja"
Stahl: "Im republikanischen Kongress reden Sie über einen Zaun. Werden Sie auch einen Zaun akzeptieren?"
Trump: "In bestimmten Gebieten würde ich das akzeptieren, aber eine Mauer ist angemessener. Ich bin in diesem Bereich sehr gut, man nennt das Bauwesen."
Stahl: "Teils Mauer, teils Zaun also?"
Trump: "Ja, es könnte eine Einzäunung sein."

Zudem stellte er - mit einigen Ausnahmen - die Abschiebung aller elf Millionen illegal im Land lebenden Menschen in Aussicht. Er will nach eigenen Angaben mindesten zwei bis drei Millionen illegal Eingereiste abschieben oder in Haft nehmen.

Wörtlich sagte er: "Was wir machen werden ist, die Menschen, die kriminell sind und Vorstrafen haben, Gang-Mitglieder, Drogenhändler, von denen haben wir eine Menge, wahrscheinlich zwei Millionen, es könnten sogar drei sein - wir bringen sie außer Landes oder sperren sie ein."

Wenn die Grenze gesichert sei, werde man eine Entscheidung über jene Illegalen treffen, die er als "fantastische Menschen" bezeichnet.

Was er wirklich meinte: Es gibt keine Mauer - die bestehenden Grenzbefestigungen werden mit etwas Zaun verstärkt.

3. Zu seiner Twitter-Sucht

Auf die Frage, ob er auch als Präsident weiter twittern werde, gab er keine eindeutige Antwort: Einerseits, sagte er, er wolle sich zurückhalten. Andererseits schwärmte er von den Möglichkeiten, die Twitter und Facebook ihm geben würden.

"Ich werde es sehr zurückhaltend tun, wenn überhaupt. Ich finde es sagenhaft. Es ist eine moderne Form der Kommunikation."

Was er wirklich meinte: Er wird weiter seine Meinung über Twitter raushauen wie bisher.

4. Zu einem Sonderermittler für Hillary Clinton

Trump wich der Frage aus, ob er in der E-Mail-Affäre einen Sondermittler für Hillary Clinton einsetzen wird. Während des Wahlkampfs hatte er angekündigt, im Falle eines Sieges dafür zu sorgen, dass Clinton für ihre Nutzung eines privaten Servers für dienstliche E-Mails ins Gefängnis kommt.

Trump: "Sie hat einige schlimme Dinge getan."
Stahl: "Ich weiß, aber ein Sonderermittler?"
Trump: "Ich will ihnen nicht weh tun [Clintons Wahlkampfteam, die Redaktion]. Sie sind gute Menschen. Ich will ihnen nicht weh tun. Und ich werde ihnen eine gute und definitive Antwort geben, wenn wir das nächste Mal ’60 Minuten' zusammen machen."

Er werde darüber nachdenken, wolle sich aber lieber um das Gesundheitswesen und um Immigration kümmern.

Was er wirklich meinte: Das war nur Wahlkampf-Gerede - Clinton hat nichts zu befürchten.

5. Zu seinem Präsidentengehalt

Trump will nach seinem Amtsantritt auf sein Gehalt verzichten. In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des TV-Senders CBS erklärte er, dass er gar nicht wisse, wie viel Staatsoberhäupter verdienten. Er wisse aber, dass er von Rechts wegen einen Dollar annehmen müsse. Über den Rest sagte der Milliardär: "Ich werde das Gehalt nicht nehmen." US-Präsidenten bekommen ein Jahressalär von 400.000 Dollar.

Was er wirklich meinte: 400.000 Dollar? Danach würde ich mich nicht mal auf der Straße bücken!

6. Zu FBI-Direktor James Comey

Interessanterweise stellte sich Trump im Gespräch nicht hinter den FBI-Direktor James Comey. Als Stahl ihn überraschend fragte, ob er einen Rücktritt Comeys fordern werde, sagte er: "Das werde ich nicht kommentieren."

Das FBI hatte mit seinen Veröffentlichungen über Clintons E-Mail-Affäre einen großen Einfluss im Wahlkampf. Clinton macht das Vorgehen von Comey in der E-Mail-Affäre zum Teil für ihre Niederlage verantwortlich. Dem Sender CNN zufolge sagte sie in einer Telefonkonferenz mit Wahlkampfspendern, der Chef der Bundespolizei habe ihr einen "Doppelschlag" verpasst, indem er am 29. Oktober die Einleitung neuer Untersuchungen publik gemacht und dann am Sonntag vor der Wahl bekanntgegeben habe, dass nichts Belastendes gefunden worden sei.

Trump: "Nun, da sind viele Sachen durchgesickert, keine Frage. Aber ich würde sicherlich gerne mit ihm reden. Das ist eine harte Zeit für ihn. Und ich würde gerne mit ihm reden, bevor ich diese Frage beantworte.
Stahl: "Hört sich an, als seien Sie nicht sicher."
Trump: "Stimmt, ich bin mir nicht sicher. Ich möchte sehen, was für Gründe er hatte, zu tun, was er tat."

Was er wirklich meinte: Comeys Eingreifen in den Wahlkampf macht ihn zum politischen Risiko - er ist erledigt.

7. Zum Wahlmänner-System

Interessant wurde es, als Stahl in auf das Wahlmänner-System ansprach. Dieses System, bei dem der Präsident von Entsandten der einzelnen Staaten gewählt wird, sicherte Trump den Sieg - obwohl eine Mehrheit der Amerikaner für Hillary Clinton gestimmte hatte.

Stahl: "Sie hatten einmal getwittert, dass das Wahlmänner-System ein Desaster für die Demokratie sei."
Trump: "Ich werde nicht meine Meinung ändern, nur weil ich gewonnen habe. Aber es wäre besser, wenn wir eine einfache Abstimmung machen. Sie wissen schon, du bekommst 100 Millionen Stimmen, ein anderer 90 Millionen, und du gewinnst. Es gibt einen guten Grund, dies so zu tun, weil es alle Staaten ins Spiel bringt."

Gleichzeitig betonte er aber mehrmals, dass er das System "respektiere".

Was er wirklich meinte: Eigentlich hätte er verlieren müssen - aber nach dem Sieg wird er sich nicht mehr über das Wahlmänner-System beschweren.

HuffPost-Tarif

Europa-Flat, Daten-Flat: Einer der günstigsten Handy-Tarife auf dem Markt

Mit der Spar-Aktion der Huffington Post in Zusammenarbeit mit Chip und Tarifhaus bucht ihr einen Smartphone-Tarif, der preislich kaum zu schlagen ist und eine Vielzahl an Vorteilen bietet.
Mehr Infos findet ihr hier.

Auch auf HuffPost:

Obama beruhigt: "Egal was passiert, die Sonne wird aufgehen"

(sk)