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"New York Times" glaubt: Angela Merkel ist die letzte Verteidigerin des freien Westens

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"New York Times" glaubt: Angela Merkel ist die letzte Verteidigerin des freien Westens | Hannibal Hanschke / Reuters
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In Brüssel und Berlin herrscht nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten noch immer Ratlosigkeit. Wie begegnet man als europäischer Politiker einem amerikanischen Präsidenten, der so offenherzig betont, nichts auf bestehende Bündnisse zu geben?

Geht es nach der renommiertem "New York Times“ liegt die Zukunft der transatlantischen Beziehungen dagegen ganz alleine in den Händen einer Frau: Angela Merkel.

"Die letzte Verteidigerin des freien Westens"

Die US-Tageszeitung veröffentlichte am Samstag einen Artikel mit dem Titel "Nach Donald Trumps Wahl ist Merkel die letzte Verteidigerin des freien Westens“.

Die Autoren Alison Smale und Steven Erlanger argumentieren darin: Die Bundeskanzlerin ist die einzige verbliebene starke Person in Europa, der es gelingen könnte, die Allianz mit den USA am Leben zu halten.

Doch genau da würden bereits die Probleme beginnen: Denn Merkel sei selbst "müde, und von allen Seiten unter Druck gesetzt“.

Die "New York Times“ schreibt: "Ein zunehmend geteiltes Europa guckt auf Deutschland, als reichste Macht, um mit den vielen Problemen fertig zu werden, von denen viele seit Jahren bestehen. Geringes Wachstum, ein anhaltender Zustrom von Flüchtlingen und zunehmend wütende und nationalistische Wähler.“

Problemfeld europäische Sicherheit

Auch die Aussicht, dass Trump die europäischen Nationen bei der Verteidigung stärker in die Pflicht nehmen will, könnte für Deutschland zu einer schwierigen Belastungsprobe werden. "Es lastet Druck auf Deutschland, eine größere Rolle bei der europäischen Sicherheit einzunehmen“, schreiben die "New York Times“-Kommentatoren.

Die letzten acht Jahre habe sich Merkel auf die Unterstützung von Barack Obama und der französischen Regierung verlassen können. Doch nach dem Trump-Sieg und durch die "tiefe Unbeliebtheit des französischen Präsidenten Francois Hollande“ habe sie diesen Rückhalt verloren.

Merkel-Biograf und "SZ“-Außenpolitik-Chef Stefan Kornelius betont: "Sie ist ‚the last one standing’ und das macht sie gleichzeitig stark und schwach.“ Andere europäische Mächte würden sich an Deutschland als „stabile Mauer“ lehnen, andererseits befeuerte eben das die Angst vor einem "mächtigen hegemonialen" Deutschland.

Eine Angst, die sich auch die AfD zunutze macht, wenn sie Merkel einen autokratischen Regierungsstil vorwirft.

Gelungene erste Worte an Trump

Die erste Annäherung an Trump sei der Kanzlerin allerdings bereits gelungen. Die "New York Times“ kommentiert: "Frau Merkels Reaktion auf die Wahl Donald Trums war geschickt.“ So habe sie die mit den USA geteilten Werte betont, Trump gratuliert, aber auch Bedingungen aufgestellt.

Vielleicht sei Merkel so sogar in der Lage, dessen Sieg für ihren eigenen Vorteil bei den Wählern zu nutzen. "Sie hat ein Talent bewiesen, mit starken Männern umzugehen“, glaubt die "New York Times“ und beruft sich auf Verhandlungserfolge mit dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und dem russischen Präsident Wladimir Putin.

So soll Merkel in Zukunft Europa zusammenhalten – und von einem bisher wenig beachteten Trump-Effekt profitieren: "Seine Haltung gegenüber der Nato könnte Zentral- und Osteuropäer dazu bewegen, sich der EU und Deutschland anzunähern – als verlässlicherer Garant von Sicherheit.“

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