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"So besiegen wir den Populismus": Star-Investor empfiehlt höhere Steuern für Reiche

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EL ERIAN
El-Erian, der Chefstratege des Finanzkonzerns Allianz | Phil McCarten / Reuters
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Der Wahlsieg Donald Trumps in den USA wirft heikle Fragen auf: Wie können die etablierten politischen Kräfte den Populisten den Wind aus den Segeln nehmen? Wie gewinnt man die Frustrierten, die sich nicht mehr verstanden und abgehängt fühlen, wieder für die Mitte der Gesellschaft?

Mohamed El-Erian, der Chefstratege des Finanzkonzerns Allianz, sieht im erstarkenden Populismus in aller Welt vor allem eine Folge wirtschaftlicher Ungleichheit.

El-Erian legt den europäischen Staaten daher nahe, die Steuern für reiche Bürger zu erhöhen. "Ich fordere nicht, die Steuern für die Reichen zu senken – ganz im Gegenteil, wir sollten sie erhöhen“, sagte El-Erian im Gespräch mit der "Welt am Sonntag“.

Wachstumsschwäche ist Schuld am Populismus


Der langjährige Chef der Fondsgesellschaft Pimco warnt die Europäer, die Sorgen der Wähler nicht ernst genug zu nehmen. "Europa unterschätzt wahrscheinlich noch die Gewalt der populistischen Bewegung“, sagte der Ökonom der "Welt am Sonntag“.

"Sie sollten diese Entwicklung in Europa nicht auf die leichte Schulter nehmen. Diese Frustration ist nicht auf die USA beschränkt.“ In den USA sei die aufgestaute Wut der Wähler auf das Establishment unterschätzt worden, auch weil vor der Wahl niemand zugeben wollte, mit Trump zu sympathisieren.

El-Erian macht vor allem die Wachstumsschwäche, die seit Ausbruch der Finanzkrise viele Volkswirtschaften gefangen hält, verantwortlich für den erstarkenden Populismus.

"Wenn nur ein Teil vom Wachstum profitiert, ist die Reaktion Wut"

Das stabile aber geringe Wachstum verstärke die wirtschaftliche Ungleichheit und nehme den Menschen die Perspektive. "Wenn ein Teil der Gesellschaft überdurchschnittlich stark vom Wachstum profitiert, ein anderer Teil aber nicht, dann ist die Reaktion Wut“, sagte der Star-Investor. "Wir leben in einer Welt, wo das Establishment angegriffen wird und in die Defensive gerät.“

Der Ökonom empfiehlt der Politik deshalb, sich wieder aktiver darum zu bemühen, das Wachstum anzukurbeln. Zu länge hätten Politiker diese Aufgabe den Notenbanken überlassen.

Die Instrumente der Zentralbanken seien jedoch zunehmend wirkungslos und entwickelten immer stärker schädliche Nebenwirkungen. Es sei jetzt an der Politik, mit Strukturreformen und höheren Investitionen ihren Teil zur Stärkung der Konjunktur zu leisten. Auch höhere Steuern für Reiche sollten Teil dieser Bemühungen sein.

Bank fordert einen "Krieg gegen Ungleichheit"

Bereits nach dem Brexit hatten Analysten der Bank of America vor den wachsenden sozialen Gräben gewarnt und zu einem "Krieg gegen Ungleichheit" aufgerufen.

Die Banker zeigen sich schockiert darüber, dass sich ausgerechnet in einem prosperierenden Land wie Großbritannien Menschen für solch einen radikalen Schritt wie den Brexit entscheiden - obwohl er wirtschaftliche Nachteile mit sich bringe.

Auch die Fondsgesellschaft Pimco schlug damals ähnlich alarmistische Töne an. Der Druck auf Regierungen, Vermögen stärker umzuverteilen, sei durch das Brexit-Votum massiv gestiegen.

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