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Wird das iPhone unter Präsident Trump tatsächlich doppelt so teuer?

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Wird Präsident Trump für Apple wirklich ein ernstzunehmendes Problem?

Donald Trump ist zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Allerorts fragt man sich nun: Wie geht es weiter? Was wird sich ändern? Zunächst ist eine fast schon apokalyptische Voraussage nicht eingetroffen. Der Aktienmarkt stürzte, trotz zahlreicher entsprechender Experten-Prognosen, nicht ab, sondern kletterte am Tag eins nach der Wahl sogar auf ein Rekordhoch. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Trump während seines Wahlkampfes immer wieder einige der großen amerikanischen Unternehmen direkt attackiert hatte. Eines von Trumps Lieblingszielen war Apple.

Trump kündigte an, den Tech-Giganten zwingen zu wollen, in den USA zu produzieren: "Wir werden Apple dazu bringen, ihre verdammten Computer und andere Dinge in diesem Land anstatt in anderen zu produzieren", wetterte der 70-jährige Republikaner in einer Rede vor Studenten der Liberty University in Virginia. Seine einfache Milchmädchenrechnung: Wenn Apple in den USA produziert, bekommen mehr Amerikaner Jobs und die einheimische Wirtschaft wird gestärkt. Doch was würde ein iPhone "Made in USA" tatsächlich kosten?

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1.300 Dollar und mehr für ein iPhone

Die renommierte IT-Analystin Carolina Milanesi sagte in einem Interview mit dem US-Portal "CNET": "Der doppelte Preis wäre eine konservative Schätzung." Bei einem Preis von 650 Dollar für das günstigste iPhone 6S würde es durch eine Verlagerung der Produktion von China in die USA rund 1.300 Dollar - und mehr - kosten. Auf den deutschen Markt übertragen hieße das rund 1.480 Euro! Ein Preis, den wohl die wenigsten Endverbraucher bereit wären zu zahlen. Vom epischen Shitstorm, der Apple entgegenschlagen würde, mal ganz abgesehen.

So kommt der absurde Preis zustande

Ausgehend vom geringsten gesetzlich verankerten Stundenlohn in den USA, kommt "CNET" auf die dreifachen Kosten für einen amerikanischen Arbeiter im Gegensatz zu einem chinesischen. Doch das wäre für Apple noch das geringste Problem. Wirklich teuer wird Apples Bestseller eigentlich durch drei ganz andere Probleme.

Zum einen fehlen laut Milanesi den USA die geeigneten Fabriken. Diese müssten entweder neu gebaut oder teuer angemietet werden - plus Unterhaltskosten. Zum anderen würde das langwierig aufgebaute Wissen der chinesischen Fertiger fehlen. Ein Argument, das auch Apple-Chef Tim Cook auch immer wieder betont hatte. Ebenso hatte Cook häufiger dagegen eingewendet, dass die Produktionsstätten in China deutlich flexibler sind und viel schneller auf eine höhere Nachfrage reagieren könnten.

Drittens: Viele der im iPhone verbauten Komponenten wie Chips, Akkus und selbst Displays kauft Apple von Herstellern, die in China produzieren. Diese würden natürlich weiter dort produzieren und Apple zu einem Import zwingen. Erhebliche Transportkosten wären die Folge.

Trump hat einen Plan B - Apple aber auch

Ob Trump seinen Plan angesichts dieser Tatsachen tatsächlich durchsetzen kann, ist fraglich. Falls nicht hat er aber einen alternativen Plan in Petto: eine Art Strafzoll in Höhe von 35 Prozent. Damit würde ein iPhone 6s in der günstigsten Variante in den USA 900 Dollar kosten. Aber auch Tim Cook hat einen Plan B: "Wir werden unsere Heimat Kalifornien und die USA verlassen, falls Donald Trump am 8. November zum US-Präsidenten gewählt wird", so die klare Ansage des Apple-CEO noch vor der Wahl. Wie dieser Kampf ausgeht, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Am 20. Januar wird Trump nämlich offiziell in das Präsidenten-Amt eingesetzt.