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So stellen sich Männer die perfekte Beziehung vor

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BEZIEHUNG
Was ist eine perfekte Beziehung aus Männersicht? | iStock
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2016-11-07-1478537268-8468889-865FF2224D9940D697EC4089C474FAEE6.png Diese Kolumne von Beziehungsautor Michael Nast erschien zuerst bei Freundin.de

Vor einigen Monaten hat mir eine Frau erzählt, dass sie sich endlich aus ihrer siebenjährigen On-Off-Beziehung gelöst hat. "Sieben Jahre?", fragte ich irritiert, und erkundigte mich dann doch vorsichtshalber, wie denn genau eine On-Off-Beziehung definiert wird.

Vielleicht hatte ich ja irgendetwas missverstanden. Bisher hatte ich angenommen, solche Konstrukte würden höchstens ein Jahr halten, bevor sie dann unerträglich werden.

"Man kommt zusammen, trennt sich, kommt wieder zusammen und trennt sich wieder", erwiderte sie. "Immer wieder." Oh, dachte ich. Offensichtlich hatte ich nichts missverstanden. Gott! Ein siebenjähriger Schwebezustand. Das war schon bizarr.

On-Off-Beziehungen sind das Festhalten einer Illusion

Das Konzept einer On-Off-Beziehung habe ich ehrlich gesagt nie verstanden. Letztlich lässt es sich ja so zusammenfassen: Sobald Probleme auftauchen, geht man ihnen aus dem Weg, indem man sich trennt. Man löst sie nicht und hofft irgendwie, nach einiger Zeit Abstand einen neuen Anlauf nehmen zu können, mit der naiven Hoffnung, dass dann alles perfekt wird.

So perfekt, wie man sich das immer vorgestellt hat. Es ist das Festhalten an einer Illusion. Aber genau genommen, bleibt man in solchen Beziehungen immer Single. Und wenn man es ganz genau betrachtet, führen viele, deren Beziehungen nicht länger als ein oder zwei Jahre halten, letztendlich ebenfalls On-Off-Beziehungen – nur eben mit wechselnden Partnern.

Der Fehler ist, überhaupt eine perfekte Beziehung zu wollen

Der Fehler ist, dass man sich die Frage nach der perfekten Beziehung überhaupt stellt. Konditioniert von Filmen und der Werbung denken wir in unerreichbaren Idealbildern, die wir jetzt aber auch unbedingt umsetzen wollen. Wir wollen Hauptdarsteller in einer romantischen Liebeskomödie sein und wir wollen ein Happy End. Unbedingt.

Der Anspruch ist die romantische Liebe, das größte aller Gefühle, und das ist eine Herausforderung. Wie oft im Leben begegnet man schon seinem Traumpartner? Beziehungen sind Arbeit, ob der- oder diejenige ein Traumpartner ist, zeigt die Zeit. Wie man miteinander umgeht, was man sich gegenseitig gibt.

Heutzutage hat die Wahl des Partners ja viel mit dem eigenen Ego zu tun. Es geht weniger um den anderen, es geht vor allem um einen selbst. Man will vom anderen in der persönlichen Entwicklung unterstützt werden. Man fragt sich, inwieweit der Partner auf die eigenen Bedürfnisse eingehen will.

Mir geht es ja nicht anders. Wenn ich an eine Beziehung denke, denke ich an Harmonie und daran, dass man sich gegenseitig Kraft gibt. Aber auch das ist ein Ausweichen, denn in stillen Momenten wird mir dann schon mal klar, dass das eigentlich sehr ichbezogen gemeint ist.

Dass ICH Harmonie will, und meine Partnerin MIR keine Kraft entziehen soll. Ich bin auf MEINEM Weg und will nicht abgelenkt werden. Und damit bin ich nicht allein. Willkommen in der Welt der Selbstoptimierer.

Beziehungen lassen sich nicht so einfach kontrollieren

Einer Welt, in der man die Kontrolle behalten, nicht verletzt werden will. Man will sich den Problemen nicht stellen, man will ihnen aus dem Weg gehen. Aber Beziehungen sind nun mal mit Problemen verbunden, das ist ganz natürlich.

"Eine Beziehung ist die Geschichte der gegenseitigen Reaktionen aufeinander", das hat der Psychologe Michael Mary mal in einem Interview gesagt. "Und das ist etwas, was man nicht kontrollieren kann." Mit anderen Worten, man hat es nicht in der Hand, man kann Probleme nicht verhindern, es geht darum, wie man mit ihnen umgeht.

Wer nach Perfektion sucht, wird zwangsläufig enttäuscht

Die Frage ist nur, ob man bereit dafür ist. Wenn man zu viel darüber nachdenkt, wie denn nun genau die perfekte Beziehung aussehen soll, wird man immer Fehler beim anderen entdecken, die verhindern, dass man keine Gefühle zulässt und auf Distanz bleibt.

Illusionen sind schließlich unerreichbar, aber wir sind Meister im Kultivieren von Illusionen. Vielleicht hilft es ja, sich hin und wieder einen großen Nachteil der Perfektion klarzumachen: Sie wird schnell langweilig.

Aber am Ende des Tages ist es ja eine unbewusste Entscheidung, eine Frage des Gefühls. Das lässt uns das eigene Ego zurückstellen. Große Gefühle sind ja letztlich das Bedürfnis, sich fallen zu lassen, die Kontrolle abzugeben. Man muss es eben zulassen.

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