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Zugcrash in Bad Aibling: Das gestand der angeklagte Fahrdienstleiter im Prozess

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PROZESS BAD AIBLING
Zugunglück in Bad Aibling: Der Prozess hat mit einem Geständnis begonnen | dpa
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  • Prozess zum Zugunglück in Bad Aibling hat begonnen
  • Der Fahrdienstleiter gesteht verbotenes Sondersignal gesetzt zu haben
  • Er soll zuvor am Handy "Dungeon Hunter 5" gespielt haben - wie nahezu in jeder Schicht
  • Ihm drohen wegen fahrlässiger Tötung bis zu 5 Jahre Haft

Zwölf Menschen starben bei dem Zugunglück am 9. Februar bei Bad Aibling in Bayern. Am Donnerstag beginnt der Prozess vor dem Landgericht in Traunstein - mit einem Geständnis des angeklagten Fahrdienstleiters.

Das Geständnis des Bahnangestellten

Der angeklagte Fahrdienstleiter hat zu Beginn den verhängnisvollen Fehler gestanden. Er räumte am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein ein, ein Sondersignal gegeben zu haben, das er nicht hätte geben dürfen. Zudem habe er den Notruf falsch abgesetzt haben.

In seiner bewegenden persönlichen Erklärung richtete sich der Angeklagte auch an die Angehörigen der zwölf Toten: "Ich weiß, dass ich da am 9. Februar mir große Schuld aufgeladen habe". Seinen Fehler könne er nicht mehr rückgängig machen. "Ich möchte Ihnen sagen, dass ich in Gedanken bei Ihnen bin."

Mehr zum Thema: 7 traurige Fakten über das Zugunglück von Bad Aibling

Er schwieg zu seinen Handygewohnheiten

Dem 40-Jährigen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Der Bahnmitarbeiter soll die Signale auch darum falsch gestellt haben, weil er durch ein Handy-Spiel abgelenkt war.

Bis kurz vor dem Frontalzusammenstoß soll er verbotenerweise das Fantasy-Spiel "Dungeon Hunter 5" auf seinem Smartphone gespielt haben. Dabei geht es um das Töten von Dämonen. Auf Fragen des Gerichts zu seinen Spielgewohnheiten antwortete er nicht.

Ermittler: "Spielzeiten deckten sich mit den Dienstzeiten"

Aber die Ermittlungen ergaben: "Sehr viele Spielzeiten decken sich mit den Dienstzeiten“, sagte ein Beamter der Kriminalpolizei Rosenheim aus. Das berichtete die regionale Nachrichtenseite "Rosenheim 24". Nahezu in jeder Schicht spiele der Angeklagte demnach dieses Fantasy-Spiel, wie Datenauswertungen ergaben. Der 9. Februar war demnach nicht das erste Mal - und dieses Mal kam es zu einem Fehler.

Ein Zeitprotokoll der Kripo machte diesen im Prozess deutlich. Demnach kaufte der Angeklagte damals um 6.38 Uhr in seinem Spiel aktiv etwas ein, so der Bericht weiter.

Zu diesem Zeitpunkt passierte dann der erste Fehler: Er gab dem Zug aus Kolbermoor freie Fahrt aus dem Ort. Wenige Minuten kehrte er am Handy auf das Hauptmenü zurück, das Spiel blieb "Rosenheim 24" zufolge offen. Ober es weiter nutzte, konnte nicht rekonstruiert werden.

Nach Einschätzng des Kriminalbeamten habe der Angeklagte aber das zweite falsche Signal gegeben, weil er bei der Sturmwarnung von einer sogenannten Phantomstörung ausgegangen sei, berichtet die "TZ".

Um 6.46 Uhr wurde der erste Notruf abgegeben. Keine zwei Minuten später kam es zur Kollesion.

Alkohol, Medikamente und Drogen haben demnach jedoch keinen Einfluss auf das Unglück gehabt. Die toxikologische Untersuchung verliefe negativ, sagte der Zeuge dem Portal zufolge.

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Anklage: fahrlässige Tötung

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Fahrdienstleiter beide Züge am Unglücksmorgen gleichzeitig auf die eingleisige Strecke geschickt. Technische Vorrichtungen, die das eigentlich verhindern, blockierte er.

Als der Mann den verhängnisvollen Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, so dass der Alarm nicht in den Zügen ankam.

bad aibling
Bis heute erinnert ein Kreuz an der Unfallstelle bei Bad Aibling an die Toten. Credit: Reuters

Der Angeklagte erschien mit gesenktem Kopf und verschränkten Armen vor Gericht. Minutenlang ließ er ein Blitzlichtgewitter über sich ergehen, ohne sein Gesicht zu verstecken. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz las in seiner Anklage die Namen der 12 Toten und 89 Verletzten vor.

Das Urteil soll am 5. Dezember verkündet werden. Die Höchststrafe für fahrlässige Tötung beträgt fünf Jahre.

Auch auf HuffPost:

http://videos.huffingtonpost.de/news/zugunglueck-in-bad-aibling-erschreckende-luftaufnahmen-zeigen-das-ausmass-der-verheerenden-zugkollision_id_5271773.html